Shareconomy

Die wichtigsten Open-Initiativen

Ludger Schmitz ist freiberuflicher IT-Journalist in Kelheim. Er ist spezialisiert auf Open Source und neue Open-Initiativen.
In den vergangenen Jahren haben sich etliche Aktivitäten organisiert, die darauf beruhen, zu bestimmten Themen Wissen zu teilen und so Mehrwerte zu schaffen. Hier finden Sie einen Überblick über die wichtigsten Open-Ansätze.

Basis aller Open-Initiativen sind zentrale Prinzipien, die eine Nähe zur Open-Source-Bewegung belegen. So war etwa die elementare Forderung nach offenen Schnittstellen und Standards schon ein Kernpunkt der frühen Unix-Entwicklungen. Eine Ähnlichkeit besteht auch in der Art, wie die Communities zusammenkommen und arbeiten. Allesamt organisieren sie sich nach dem Prinzip der Meritokratie, in der die Leistungen und Beträge jedes Einzelnen dessen Rolle in der Gemeinschaft bestimmen. Übereinstimmend folgen alle Open-Bewegungen auch der Grundannahme, dass das Teilen von geistigem Eigentum am Ende erfolgreicher macht. Anders als in den Open-Source-Projekten ist in vielen dieser Bewegungen die Technik nicht das Ziel, sondern ein Mittel, um andere Ziele zu erreichen.

Open Data

Der zentrale Inhalt aller Open-Initiativen ist die freie Verfügbarkeit von Informationen in Form von offenen Daten. Die Definition von Open Data ist ungenau. Im allgemeinen Verständnis müssen offene Daten ohne Einschränkungen frei zur Nutzung, Weiterverbreitung und Weiterverwertung verfügbar sein. Der Freiheitsgrad ist aber umstritten: Für die eine Seite verlangt dies den völligen Verzicht auf Copyrights, Patente und andere Schutzmechanismen. Für moderatere Interpreten reicht es aus, wenn Informationen zu den Bedingungen "Fair, Reasonable and Non-Discriminatory" (Frand) zur Verfügung stehen, was auch die Kostenpflichtigkeit von Daten im Fall der Weiterverarbeitung bedeuten kann.

Shareconomy auf der CeBIT

Foto: CeBIT

Das Schwerpunktthema der diesjährigen CeBIT lautet „Shareconomy“. Diverse Veranstaltungen und Services greifen es auf:


  • Geführte Touren (Guided Tours) über das Messegelände, Treffpunkt im InformationsCentrum (IC), Dienstag bis Freitag jeweils um 10 und 14 Uhr.

  • ECM-Forum „Shared Content” vom Bitkom und VOI, täglich in Halle 3, D17.

  • Fachforum CRM-Expo: u.a. „Kundendialoge in der Shareconomy“ von Heike Simmet, Labor für Marketing und Multimedia (7. März, 16.30 Uhr in Halle 6, A18).

  • Fachvortrag „Car Sharing – was bringt die Zukunft“, Michael Minis, Tamyca (8. März,
    13.30 Uhr in Halle 11, B56).

  • Panel-Diskussion „Geschäftsmodelle der Zukunft“ (7. März, 16.00 Uhr in Halle 6, H32).

  • Bitkom World Forum: „Business Collaboration in der Cloud” (7. März, 16.40 Uhr, Ha. 4, A58).

In jedem Fall ist für jeden Datensatz eine explizite Lizenz notwendig. Weit verbreitet sind Creative-Commons-Lizenzen, besonders die Variante CC-BY, die lediglich eine Nennung des Autors verlangt. Bei älteren Informationen fehlt oft eine Lizenzinformation, was sie zunächst für die Weiterverarbeitung ausschließt. Ebenso unverzichtbar ist die Möglichkeit, die Daten über offene Schnittstellen und Standards zu importieren. Die Informationen müssen maschinenlesbar und mit technischen Mitteln weiterzuverarbeiten sein. Firmeneigene Formate sind unzulässig, Adobes PDF zum Beispiel scheidet damit aus. Das bekannteste Open-Data-Beispiel ist das Projekt "OpenStreetMap" zur freien Verfügbarkeit von Geo-Informationen.

Open Government

Eine weitreichende Umsetzung von Open-Data-Forderungen verfolgt Open Government. Es bedeutet weit mehr, als dass Behörden Daten öffentlich machen. Bürger sollen Einblick in die Grundlagen politischer Entscheidungen und Abläufe bekommen und sich unmittelbar an der Planung öffentlicher Vorhaben beteiligen können. Funktion und Bedeutung der Entscheidungsträger auf allen politischen Ebenen werden transparent, neue Abläufe in der öffentlichen Verwaltung können erforderlich werden. Kritiker verweisen auf eine ganze Reihe rechtlicher Probleme, nicht zuletzt haftungs- und verfassungsrechtlicher Art.

Foto: Bundesministerium des Innern

Entscheidend ist der politische Wille, Open Government als Ziel zu verfolgen. Der Wert offener Daten für neue Anwendungen, Dienstleistungen und Geschäftsmodelle ist erkannt. Allerdings tun sich in Deutschland von den bundesweiten bis hin zu den lokalen Behörden viele Verwaltungen mit der Umsetzung schwer. Obwohl die technischen Voraussetzungen gut sind, gilt Deutschland im internationalen Vergleich als rückständig. Das am 19. Februar 2013 für den einjährigen Testbetrieb eröffnete Online-Portal GovData soll die Daten von Bund, Ländern und Kommunen über eine einzige Adresse zugänglich machen. Allerdings gab es massive Kritik, weil nicht alle Daten ohne Einschränkungen, also auch kommerziell, nutzbar sind.

Als vorbildlich gilt die Open-Government-Politik in Großbritannien, Australien, Neuseeland und vor allem den USA. Seit dem ersten Tag seiner Amtszeit verfolgt dort Präsident Barack Obama einen offenen Umgang mit Regierungsinformationen. Dazu gehört auch, dass die Software für Open-Government-Portale Open Source gestellt wird. Im September 2011 starteten die USA, Brasilien und weitere sechs Staaten die "Open Government Partnership" für mehr Transparenz und Bürgerbeteiligung. Die Bundesregierung ist dieser Initiative nicht beigetreten. Sie will auf EU-weite Vorgaben warten.

Open Access

Foto: http://www.plos.org/

Fast so alt wie Open Source ist Open Access. Die Initiative entstand in den frühen 90er Jahren als Reaktion auf die finanziellen Engpässe von Bibliotheken und die steigenden Preise der Wissenschaftsverlage. Open Access strebt den freien und kostenlosen Internet-Zugang zu "wissenschaftlichem Wissen und kulturellem Erbe" an. So heißt es in der "Berliner Erklärung", in der die Bewegung fordert, dass die Ergebnisse der aus öffentlichen Mitteln finanzierten Forschung technisch barrierefrei und kostenlos zugänglich werden. Die Open-Access-Bewegung setzt auf diverse Finanzierungsmodelle, die unter anderem den Autor selbst, aber auch Organisationen zur Forschungsförderung oder Universitäten und Institute in die Pflicht nehmen.

Open Access ist weit davon entfernt, ein Standard in öffentlichen Bildungseinrichtungen oder bei staatlich (mit)finanzierten Forschungseinrichtungen zu sein. Selbst die Grundlagenforschungen des Fraunhofer-Instituts Fokus zum neuen deutschen Open-Government-Portal GovData sind keineswegs frei verfügbar. Verbreitet ist Open Access vor allem in der Physik und der Informatik.

Open Education

Im Bildungswesen gibt es mit Open Education eine Sonderform von Open Access, die die Mittel des E-Learnings zur freien Verfügbarkeit von Lernmaterialien umsetzt. Bekannteste Persönlichkeit der Open-Education-Bewegung ist David Wiley, der zu den Initiatoren der "Cape Town Open Education Declaration" gehört. Diese fordert über den freien Zugang zu Bildungsmaterialien hinaus neue Möglichkeiten für kollaboratives Lernen sowie für das Überprüfen und Nachweisen von Wissen.

Der Open-Education-Gedanke schlägt sich auch in den weltweit verbreiteten "FabLabs" nieder. Sie wollen der Allgemeinheit teure Hightech-Produktionsmittel zur Verfügung stellen und insbesondere Heranwachsenden einen spielerischen Zugang zur Elektronik eröffnen.

Open Content

Auch Open Content geht auf eine Initiative von David Wiley zurück. Die Inhalte sind bei diesem Ansatz vielfältiger als bei Open Data, Open Access oder Open Source. Sie erstrecken sich auch auf Medien, also Bilder, Musik und Filme. Die Vielzahl der Lizenzformen reicht von völliger Freiheit im Umgang mit den Inhalten bis zur abgestuften Erlaubnis, sie kommerziell zu nutzen und auch zu verändern. Bekannte Open-Content-Beispiele sind Mashups oft multimedialer Inhalte.

Als eine Sonderform von Open Content lassen sich die Online-Fremdsprachen-Wörterbücher der Firma LEO GmbH betrachten. Jeder darf sie kostenlos verwenden, jedoch nicht verändern oder gar kommerziell verwerten. Auch ihr Embedding in Websites ist untersagt und die Verlinkung an genaue Regeln gebunden.

Open Compute/Open Hardware

Foto: OCP

Facebook hat Mitte 2011 das "Open Compute Project" mit dem Ziel gestartet, hocheffiziente Infrastrukturhardware wie Server und Speicher zu gestalten. Die Resultate sollen zusammen mit Open-Source-Software besonders kostengünstige, energieeffiziente und umweltfreundliche Rechenzentren ermöglichen. Zentrale Bedeutung haben dabei Inter-operabilität, Compliance und die Zusammenarbeit mit internationalen Standardisierungsgremien. Inzwischen ist das Open Compute Project in eine Foundation übergegangen, deren Leitung Vertretern von Facebook, Intel, Rackspace, Goldman Sachs sowie Arista Networks obliegt. Zu den vielen namhaften Unterstützern zählen Anbieter wie AMD, ARM, EMC, HP, Salesforce und VMware.

Foto: OHW

Open Compute ist das jüngste unter den bekannten Projekten für offene Hardware. In dieser Richtung gibt es sogar unter dem Titel "OSCar" (Open Source Car) den Versuch der freien Konstruktion eines Autos. Bekannter sind aber Projekte mit IT-Zielen. Dazu gehören Initiativen für einen Supercomputer "Parallella", das erhältliche Mikro-Controller-Board "Arduino", mehrere 3D-Drucker, das Mobiltelefon "Openmoko" oder die Spielekonsole "Pandora". (jha)