CIO-Agenda von Experton

Die wichtigsten IT-Trends für 2016

Luis Praxmarer ist Global Research Director bei der Experton Group

Lutz Peichert ist Vorstand Advisory bei der Experton Group und leitet das Marktforschungs- und Beratungsteam. Er unterstützt Kunden bei strategischen und taktischen Entscheidungen sowie bei dem Aufbau und der Optimierung von Organisationen und Prozessen im Hinblick auf den Einsatz von IT- und Dienstleistungslösungen.
Die CIO-Redaktion hat wieder Analysten gefragt, was die wichtigsten IT-Trends 2016 sind. Luis Praxmarer und Lutz Peichert von Experton Group antworten.

Frage 1: Was werden die wichtigsten IT-Trends 2016? Was steht auf der CIO-Agenda?

Digital Business Transformation ist in jeder Munde und sicherlich als überlagernder Trend die Nummer 1 Priorität für jeden CIO. Information wird zum Rohstoff des 21. Jahrhunderts und Big Data das Werkzeug. Aber die größte Herausforderung für die IT kommt über die Themen Industrie 4.0 in Verbindung mit dem Internet of Things.

Durch weitere Miniaturisierung, Smart Sensoren, globale Vernetzung und bis zum Jahre 2020 geschätzte 50 Milliarden IoT Geräte, werden alle Branchen massivsten Veränderungen unterzogen. Smart Dust, 3D Printing, Augmented Reality, Drohnen, Artificial Intelligence, 5G, Roboter als Hausangestellte und Pfleger, sowie selbstfahrende Autos, Busse, - und hoffentlich auch Züge und Flugzeuge - haben bereits ihre Spuren am Horizont gezogen.

Weitere Mega-Trends wie Globalisierung, Real-Time Economy und AnyX (anywhere, anytime, anybody and anything) fungieren hier als Katalysatoren.

Bei der Technologie betrachten wir die folgenden 16 Trends als ausschlaggebend. Für den CIO können diese Trends in vier Hierarchieebenen aufgeteilt werden:

Experton hat 16 Trends in vier Hierarchieebenen aufgeteilt.
Experton hat 16 Trends in vier Hierarchieebenen aufgeteilt.
Foto: Experton

Hierarchie-Ebene 1: Agile Platform

Hier haben wir die gesamten Netzwerke und Internet-Anbindungen, die uns ein "Seamless Network" bieten. Eine immer und überall vorhandene Kommunikationsmöglichkeit und Online-Verbindung mit ausreichender Bandbreite für den Anschluss aller Devices sowie Nutzer.

Intelligent Robots und Devices werden in den nächsten 10 Jahren einen riesen Zuwachs haben und langfristig unsere Gesellschaft massiv beeinflussen. Sie stellen im Unterschied zu IoT (Internet of Things) in sich autark agierende Einheiten dar. Alle anderen am Internet angeschlossenen Geräte fallen unter IoT. Hier rechnen wir bis 2020 mit ca. 50 Milliarden Devices.

Aber um Roboter mit menschähnlichen Fähigkeiten und Reaktionen auszustatten, muss die Kommunikation deutlicher schneller werden als TCP/IP heute ermöglicht. Mit Flow-State Access (FSA) könnte z.B. der Datentransfer um einen Faktor 1000 bis 50.000-fach gegenüber TCP beschleunigt werden.

Datenzugriff mobil - aber bitte geschützt - Foto: ArtFamily - shutterstock.com

Datenzugriff mobil - aber bitte geschützt

Security wird einer der wichtigsten Enabling-Faktoren, oder, wenn nicht ausreichend gegeben, der größte Hindernisgrund für den Einsatz dieser intelligenten Devices, z.B. autonomes Fahren. Aber auch die Gesetzgebung und versicherungs- bzw. haftungstechnische Fragen werden so manche Innovation bremsen. Während wir tausende Verkehrstote durch menschliche Fehler akzeptieren, würde wohl ein einzelner Crash eines Google-Autos mit einem autonomen Mercedes-Fahrzeug bei dem Menschen getötet werden, für alle Beteiligten ein weitaus größeres Problem darstellen.

Hierarchie-Ebene 2: Agile Solutions

Als zweite Ebene habe wir die traditionellen Computing Umgebungen mit den Applikationen und Business Prozessen. Ziel vieler Branchen ist vor allem die Minimierung von Medienbrüchen und das kollaborative Arbeiten über die Unternehmensgrenzen hinaus. Hier definiert die Experton Group das Trendthema Digitalisierung als "die medienbruchfreie, robuste, sichere und anpassbare Bereitstellung von integrierten ICT-Services mit dem Ziel der Unterstützung möglichst autonom ablaufender, inhaltlich verbundener Geschäftsprozesse".

Damit einher geht auch die Erhöhung der Anforderungen an IT-Infrastrukturen und -Services, die das Backbone der digitalen Wirtschaft bilden. Cloud Computing hat sich zu einem wesentlichen Baustein vieler erfolgreicher Unternehmenstransformationen entpuppt. Gerade sich selbst konfigurierende, web-basierte und kundenzentrierte Applikationen, die die vielfältigen Beziehungen zu den Kunden abbilden, brauchen deutlich eine moderne und flexible Infrastruktur.

Viele Unternehmen haben zu über 80 Prozent ihrer Anwendungen noch veraltete monolithische Applikationen im Einsatz. Dies können zum einen wirklich alte Anwendungen aus dem letzten Jahrhundert sein oder auch inflexible und teure Kernapplikationen, wie die meisten ERP Lösungen.

Viele Unternehmen geben zwischen 0,5 bis über 1 Prozent ihres Umsatzes für solche ERP Lösungen aus, die zudem noch Business Process Redesign äußerst schwierig und aufwendig gestalten. Fast alle Unternehmen setzen heute bereits agilere SaaS-Lösungen ein und haben vielfacht versucht, eine "flexible Boundary" um die alten Systeme herum zu bauen.

SaaS wird die absolut dominierende Delivery Methode der zukünftigen Software Welt sein, wie auch IaaS für über 80 Prozent aller Server-based Computing Lösungen zum Einsatz kommen wird. Mobility ist ein klarer Trend der letzten 20 Jahre gewesen und wird jetzt über Workspace of the Future und die Mobilität aller Geschäftsprozesse und Mitarbeiter sowie Kundeninteraktionen geprägt werden.

Hierarchie-Ebene 3: Consumer & Markt Transformation

Der Kunde des Produktes einer Firma wird immer mehr Anwender von ICT-Leistungen des Unternehmens. Jedoch haben viele Unternehmen es noch nicht geschafft, ihre Kunden und potenzielle Kunden über einen sogenannten Omnichannel anzusprechen.

Viele Webservice und Self-Service Anwendungen sowie Mobile Apps sind zudem schlecht und einfallslos programmiert und liefern damit keine zufriedenstellende TCE (Total Customer Experience). Von der Integration der Prozesse, dem Wissen und bevorzugten Umgang und Durchgängigkeit ist der Großteil der Unternehmen noch weit entfernt.

Obwohl Business Intelligence und Data Warehouse schon seit über 20 Jahren ein Hype-Thema sind, haben viele Unternehmen noch sehr selten ein unternehmensweites und durchgängiges Konzept erarbeitet und umgesetzt.