Skype-Manager im Interview

"Die Walled Gardens drohen zurückzukommen"

Manfred Bremmer beschäftigt sich mit (fast) allem, was in die Bereiche Mobile Computing und Communications hineinfällt. Bevorzugt nimmt er dabei mobile Lösungen, Betriebssysteme, Apps und Endgeräte unter die Lupe und überprüft sie auf ihre Business-Tauglichkeit. Bremmer interessiert sich für Gadgets aller Art und testet diese auch.
Skype-Mobile-Chef Russ Shaw erklärt im CW-Gespräch, warum sich Mobilfunker bei Missachtung der Netzneutralität ins eigene Fleisch schneiden.

CW: Skype auf dem Smartphone ist grundsätzlich eine gute Idee. Allerdings haben die Nutzer nach wie vor mit Restriktionen zu kämpfen, da die Anwendung häufig nicht gestattet und blockiert wird.

Skypes Mobile-Chef Russ Shaw kennt sich mit dem Carrier-Geschäft aus - zuvor war er drei Jahre in leitenden Positionen für Telefónica tätig.
Skypes Mobile-Chef Russ Shaw kennt sich mit dem Carrier-Geschäft aus - zuvor war er drei Jahre in leitenden Positionen für Telefónica tätig.

Shaw: Das stimmt nur teilweise. In den USA haben wir erst kürzlich eine Partnerschaft mit Verizon bekannt gegeben. AT&T hat im August 2009 Voice via UMTS freigegeben. Was Europa anbelangt, hat die EU-Kommission eine klare Meinung zu Netzneutralität und offenem Internet. Allerdings sehen wir noch keine Bemühungen der Mitgliedsländer, dies umzusetzen.

CW: Hierzulande scheinen die Mobilfunkanbieter ja prinzipiell nichts gegen die Skype-Nutzung zu haben - wenn auch, wie bei Vodafone und T-Mobile, nur gegen Aufpreis?

Shaw: Das ist nicht fair. Die Kunden geben bereits so viel Geld für ihren Mobilfunkvertrag aus. Untersuchungen zeigen zudem, dass es sich dabei um die aktivsten und damit einträglichsten Kunden handelt. …

CW: Die meisten von ihnen haben eine Flatrate und reizen diese bis zum Anschlag aus. Die Netzprobleme des exklusiven iPhone-Anbieters in den USA, AT&T, sprechen doch für sich.

Shaw: Die Carrier haben ein Problem mit ihrer Preisstruktur. Man sollte allerdings nicht vergessen, dass es nur eine sehr kleine Gruppe ist, die exzessive Nutzung betreibt. Wir sehen, wo der Trend hingeht, nämlich zu einer IP-Evolution. Daher wird der Druck auf die Carrier weiter steigen.

CW: Wie werden die reagieren? Glauben Sie, dass eine Mehr-Klassen-Gesellschaft kommt, in der etwa Business-Nutzer dafür zahlen, dass ihre Daten bevorzugt weitergeleitet werden?

Shaw: Das eher nicht. Möglicherweise müssen sie aber für eine bestimmte Bandbreite zahlen, wie wir es aus der DSL-Welt kennen. Man darf nicht vergessen, dass wir gerade einmal zwei Jahre mobiles Internet zurückblicken und mit neuen Technologien ganz andere Möglichkeiten kommen.

CW: Bislang haben die Carrier Chancen zur Differenzierung nur begrenzt wahrgenommen.

Shaw: Die Zukunft wird zeigen, wer sein Netz gut ausgebaut hat. Es wäre jedoch falsch, den Kunden zu benachteiligen und die Schuld an der schlechten Netz-Performance anderen zuzuschieben.

CW: Zumindest Telefónica scheint die Zeichen der Zeit mit dem Kauf des VoIP-Anbieters Jajah erkannt zu haben.

Shaw: Das stimmt. Skype wäre aber effektiver gewesen - allerdings auch etwas teurer als die für Jajah gezahlten 200 Millionen Dollar.