Analyse

Die Wahrheit über Cloud Computing

Wolfgang Herrmann ist Deputy Editorial Director der IDG-Publikationen COMPUTERWOCHE und CIO. Zuvor war er Chefredakteur der Schwesterpublikation TecChannel und stellvertretender Chefredakteur COMPUTERWOCHE. Zu seinen thematischen Schwerpunkten gehören Cloud Computing, Data Center, Virtualisierung und Big Data.
Das Analystenhaus Kuppinger Cole setzt sich kritisch mit den Chancen und Risiken von Cloud Computing auseinander.
"Viele etablierte Anbieter versuchen, heute bestehende Abhängigkeiten von Kunden auch in der Cloud umzusetzen", moniert Analyst Martin Kuppinger.
"Viele etablierte Anbieter versuchen, heute bestehende Abhängigkeiten von Kunden auch in der Cloud umzusetzen", moniert Analyst Martin Kuppinger.

Die Begriffsverwirrung um das Hype-Thema Cloud Computing ist groß. Fast täglich bringen Hersteller und selbsternannte Experten neue Varianten und entsprechende Dienstleistungsangebote ins Spiel (siehe auch: Die geplante Revolution und FAQ Cloud Computing). Das Düsseldorfer Analystenhaus Kuppinger Cole hat eine eigene Sicht auf das Thema entwickelt. Die gängige Definition, Cloud Computing als den Bezug von Diensten aus dem Internet anzusehen, halten die Auguren nicht für korrekt. Der wesentliche Aspekt des Cloud Computings liege darin, IT als Services zu betrachten, die flexibel bezogen und konfektioniert werden könnten, um die Anforderungen des Business zu erfüllen. Weil Dienste auch intern erbracht werden können, sei der Bezug über das Internet kein differenzierendes Merkmal, argumentiert Analyst Martin Kuppinger in einer aktuellen Studie, wohl aber "die Standardisierung sowohl der Transportmechanismen als auch der Servicebeschreibungen und der Services selbst".

Die Analysten von Kuppinger Cole strukturieren die verschiedenen Cloud-Computing-Angebote mit Hilfe eines Schichtenmodells.
Die Analysten von Kuppinger Cole strukturieren die verschiedenen Cloud-Computing-Angebote mit Hilfe eines Schichtenmodells.

Alles in allem ist Cloud Computing nichts grundsätzlich Neues, so Kuppinger weiter, sondern das Ergebnis einer längeren historischen Entwicklung. Die Tendenz, Dienste auszulagern, sei schon seit etlichen Jahren erkennbar und beispielsweise im Falle der Buchhaltungs- und Steuerdienste der Nürnberger Firma Datev seit langem etabliert. Mit immer höheren und zugleich billigeren Bandbreiten eröffneten sich nun aber neue Möglichkeiten, Dienste in die "Cloud" zu verlagern. Erst standardisierte und hoch skalierbare Services erlaubten es, Effekte der Massendegression zu nutzen. Damit könnten sich viele Unternehmen nun Dienstleistungen wie redundante externe Backups leisten, die früher kaum bezahlbar gewesen wären. Zum besseren Verständnis unterteilt Kuppinger die inzwischen verfügbaren Cloud-Dienste in sechs Kategorien, die sich am Aufbau von IT-Infrastrukturen insgesamt orientieren (siehe Grafik).