Die Vorwürfe der Konkurrenz

31.07.1998

Acer: Ein ehemaliger Manager des Computerherstellers Acer berichtete, er habe mehrmals erlebt, daß Microsoft interveniert habe, kurz bevor der Vertrag über die Bündelung einer PC-Produktreihe mit dem Office-Paket eines Konkurrenzunternehmens unterzeichnet werden konnte. Dreimal sei die "Smartsuite" von Lotus Development betroffen gewesen, einmal sei Corels "Worperfect Suite" aus dem Rennen geworfen worden. Von seinem damaligen Chef wisse er, daß Acer für die Microsoft-Suite zwei Millionen Dollar mehr bezahlt habe als für Konkurrenzprodukte, um den großen Partner nicht zu verärgern. Schließlich sei es für einen PC-Anbieter verhängnisvoll, möglicherweise nicht rechtzeitig mit der neuesten Systemtechnik beliefert zu werden.

Lotus Development: Dazu passen die Vorwürfe von Lotus-CEO Jeffrey Papows. Danach habe 1995 der damalige Acer-President Ronald Chwang die Befürchtung geäußert, Microsoft werde die Betriebssystem-Lizenzgebühren erhöhen, wenn man sich für das Lotus-Produkt entscheide. Verdächtig erscheint ihm in diesem Zusammenhang, daß Acer einen Auftrag zurückgezogen habe, nachdem die Produktion der bestellten Software-CDs bereits angelaufen war. Außerdem beklagt Papows, daß das Bundling von Microsofts E-Mail-Produkten mit dem kostenlosen Browser und auf Server-Seite mit "Back Office" dem Geschäft mit dem E-Mail-Client von "Notes" beziehungsweise mit dem "Domino Message Server" geschadet habe.

Apple: Microsoft soll Apple bis zum März dieses Jahres mehrfach angeboten haben, dessen Software-Tools zu verwenden, wenn das Unternehmen Microsoft im Gegenzug den Multimedia-Markt für Home-User überläßt. Außerdem soll Microsoft PC-Anbieter und Entwickler zu Exklusivverträgen und zur Abkehr von Apples Videosoftware gedrängt haben.

Real Networks: Microsoft hat zehn Prozent der Firmenanteile erworben und dafür den Sourcecode des Multimedia-Players erhalten. Damit wurde in Redmond der "Media Player" entwickelt, der nun kostenlos mit Windows 98 ausgeliefert wird. Microsoft, so der Vorwurf, macht damit seinem Technologielieferanten nicht nur Konkurrenz, sondern sorgt darüber hinaus dafür, daß das Produkt von Real Network nicht mehr läuft, wenn Microsofts Media Player installiert ist.

Electronic TV Host: Auch dieses Unternehmen empfindet die Bundling-Strategie von Microsoft als unfair. Ihm wurde laut Firmenchef Michael Jeffress bei Verkaufsverhandlungen die Pistole auf die Brust gesetzt: Entweder Ihr gebt uns Eure Software für den Preis, den wir nennen, so die Microsoft-Unterhändler, oder wir machen Euch Konkurrenz. Inzwischen liefert Microsoft "Web TV for Windows" zusammen mit Windows 98 aus, so daß niemand mehr für das Produkt von Electronic TV Host zahlen will.

Sybase: Der Lüge und Einschüchterung bezichtigt Sybase-Chef Mitchell Kertzman Microsoft. Als der Datenbankhersteller im vergangenen Jahr die Transaktionssoftware "Jaguar CTS" vorstellte, soll ihm Microsoft-Manager David Vaskevitch mitgeteilt haben, "es sei gar keine gute Idee", damit als Konkurrent zum "Microsoft Transaction Server" aufzutreten. Außerdem habe Microsoft Sybase durch die Ankündigung getäuscht, man werde den Transaktions-Server für 2000 Dollar anbieten. Tatsächlich wurde er dann für unter 100 Dollar mit Win- dows gebündelt. Auch Oracle-Chef Larry Ellison beklagte zum wiederholten Male die Preispolitik des Gates-Imperiums.