CeBIT-Chef Oliver Frese im Interview

"Die vier Plattformen waren ein bisschen holzschnittartig"

Heinrich Vaske ist Chefredakteur der COMPUTERWOCHE und verantwortlich im Sinne des Presserechts (v.i.S.d.P.). Seine wichtigste Aufgabe ist die inhaltliche Ausrichtung der Computerwoche - im Web und in der Zeitschrift. Vaske verantwortet außerdem inhaltlich die Sonderpublikationen, Social-Web-Engagements und Mobile-Produkte der COMPUTERWOCHE und moderiert Veranstaltungen. Weitere Interessen: der SV Werder Bremen, Doppelkopf und Bücher - etwa die von P.G. Woodhouse.
Der neue CeBIT-Chef, Oliver Frese, verteidigt im CW-Gespräch die Abkehr von der Viersäulenstrategie „pro“, „live“, gov“ und „lab“. Der Fokus der weltgrößten ITK-Messe liegt künftig auf „100 % Business“ – ohne dass die Unterhaltung zu kurz kommen soll.

CW: Unter dem Motto "100 % Business" will die CeBIT 2014 neu durchstarten. Warum war es nötig, diese Aussage so klar zu treffen? War der Anteil der Fachbesucher rückläufig?

Frese: Ganz im Gegenteil: In den vergangenen Jahren ist der Fachbesucheranteil auf der CeBIT kontinuierlich gestiegen. Wenn wir auf 2008 zurückschauen, waren es 75 Prozent Fachbesucher. In den vergangenen Jahren hat sich der Anteil auf jetzt 82 Prozent gesteigert. 30 Prozent davon sind Topentscheider, also Vorstände, Geschäftsführer, Bereichs- und Abteilungsleiter. Das bedeutet: Die CeBIT hat eine sehr hohe Qualität an Besuchern, die investitionsbereit sind.

Der neue CeBIT-Chef, Oliver Frese, verteidigt im CW-Gespräch die Abkehr von der Viersäulenstrategie „pro“, „live“, gov“ und „lab“.
Der neue CeBIT-Chef, Oliver Frese, verteidigt im CW-Gespräch die Abkehr von der Viersäulenstrategie „pro“, „live“, gov“ und „lab“.

CW: Ihr Vorgänger Frank Pörschmann hat gesagt, er will die Besucherzählerei nicht mehr, es gehe ihm um Qualität. Trotzdem stellt sich die Frage, wie viele Besucher Sie eigentlich brauchen, um von einer gelungenen CeBIT zu sprechen und welche Messkriterien Sie sonst noch anlegen.

Frese: Wichtigster Erfolgsparameter ist die Zufriedenheit der Aussteller. Sie erwarten Besucher mit konkreten Fragestellungen und Investitionsabsichten. Sie erhoffen sich ein relevantes Nachmesse-geschäft. Der Fachbesucheranteil ist deshalb eine wichtige Währung, weil er im Wesentlichen die Zufriedenheit der Aussteller bestimmt. Dennoch ist für eine Weltleitmesse auch wichtig, genügend Besucher zu haben. 280.000 hatten wir in diesem Jahr insgesamt, 230.000 davon waren qualifizierte Fachbesucher. Das erwarten wir auch zukünftig für die CeBIT. Daran werden wir uns messen.

CW: Für uns Journalisten ist schwer nachvollziehbar, ob die Fachbesucher auch wirklich welche sind…

Frese: Es gibt eine klare wissenschaftliche Definition für den Fachbesucher, an der wir uns orientieren. Anders als andere Veranstaltungen im IT-Umfeld lässt sich die CeBIT auf Herz und Nieren prüfen. Ein unabhängiger Wirtschaftsprüfer durchleuchtet die Zahlen im Auftrag der FKM (FKM = Freiwillige Kontrolle von Messe- und Ausstellungszahlen, Anm. d. Red.). Die Ergebnisse werden publiziert - und damit kann jeder Aussteller die Qualität der Veranstaltung bewerten. Aber wie gesagt: Wir machen das, andere lassen sich nicht so konkret in die Zahlen schauen.

CW: Sie haben angekündigt, dass Sie die Eintrittspreise 2014 deutlich anheben wollen. Wie viele Besucher zahlen denn überhaupt Eintritt auf der Messe? Das größte Ticket-Kontingent verteilen Sie ja über die Aussteller.

Frese: Nach wie vor kauft eine klar fünfstellige Anzahl an Besuchern das Ticket an der Tageskasse. Gleichzeitig zahlen die Aussteller über eine Umlage für die Tickets, mit denen sie dann ihre bestehenden und potenziellen Kunden einladen. Wir sind mit den Ausstellern im Dialog, dass die Kampagnen noch gezielter abgestimmt werden. Das wird sicher zu einer Reduzierung der Tickets im Markt führen. 2014 wird das Ticket 60 Euro kosten, dafür sind aber das WLAN und die Garderobe kostenlos. Das gehört unserer Auffassung nach zu einer Business-Messe dazu.

Der neue CeBIT-Chef, Oliver Frese:"Ausrichtung auf 100 Prozent Business"
Der neue CeBIT-Chef, Oliver Frese:"Ausrichtung auf 100 Prozent Business"

CW: Sie starten mit der CeBIT künftig nicht mehr am Dienstag, sondern schon am Montag und schließen dafür am Freitag-, nicht erst am Samstagabend die Pforten. Warum?

Frese: Die klare Ausrichtung auf 100 Prozent Business muss sich auch in der Laufzeit wiederfinden. Deshalb ist es nur konsequent, die Veranstaltung von Montag bis Freitag, also an den Werktagen, durchzuführen.

CW: In den vergangenen Jahren liefen aber schon am Messevortag, dem Montag, wichtige Meetings, Pressekonferenzen, CIO-Veranstaltungen und nicht zuletzt die Eröffnungsfeier. Soll das künftig am Sonntag stattfinden?

Frese: Ja. Wir haben da gute Erfahrungen mit der Hannover Messe, die ich viele Jahre verantwortet habe. Auch dort ist am Sonntagabend die Eröffnungsveranstaltung, davor ein hochkarätiges Wirtschaftsforum. Es zeichnet sich auch ab, dass wichtige Pressekonferenzen künftig schon am Sonntag sein werden. Also salopp gesagt: Alles wird einen Tag vorgezogen.

CW: Was bedeutet die Neuausrichtung 100 % Business für Ihre Vier-Säulen-Plattform CeBIT pro, live, gov und lab? Sie haben diese ja in den letzten Jahren durchaus als Erfolgsmodell gepriesen.

Frese: Das war damals auch der richtige Weg. Das Plattform-Konzept hat zunächst eine gewisse Ordnung geschaffen, aber keine optimale Orientierung geboten. Allein der pro-Bereich erstreckte sich über 13 Hallen. Die vier Plattformen waren letztendlich ein bisschen holzschnittartig. Aus Gesprächen mit der Industrie wissen wir, dass wir mit dem neuen Modell näher an der IT-Branche dran sind. Die Aussteller wissen, wo sie mit ihren Themen hingehören. Die Besucher haben nun eine klare Orientierung auf dem Messegelände.