Weniger Macs verkauft

Die US-Finanzkrise trifft auch Apple

Thomas Cloer war viele Jahre lang verantwortlich für die Nachrichten auf computerwoche.de.
Er sorgt außerdem ziemlich rund um die Uhr bei Twitter dafür, dass niemand Weltbewegendes verpasst, treibt sich auch sonst im Social Web herum (auch wieder bei Facebook) und bloggt auf teezeh.de. Apple-affin, bei Smartphones polymorph-pervers.
Auch Apple bekommt mittlerweile im US-amerikanischen Einzelhandel das miserable Weihnachtsgeschäft zu spüren.

Das berichtet zumindest das "Wall Street Journal". Apple, das in diesem Jahr bislang trotz seiner Rabatt-Vermeidungsstrategie den Rest des PC-Marktes hinter sich gelassen hatte, zeigte demnach im November erste Anzeichen von Schwäche: Die Verkäufe von Macintosh-Rechnern in Läden seien gegenüber der vergleichbaren Vorjahreszeit um ein Prozent gesunken, schreibt das Blatt unter Berufung auf Zahlen der Marktforschungsfirma NPD Group. Branchenweit seien die Verkäufe hingegen um zwei Prozent gestiegen.

Apples Flagship Store in der New Yorker Fifth Avenue (Foto: Thomas Cloer)
Apples Flagship Store in der New Yorker Fifth Avenue (Foto: Thomas Cloer)

Der NPD-Analyst Steve Baker führt dies vornehmlich auf einen 35-prozentigen Rückgang der verkauften Desktop-Macs (iMac, Mac mini, Mac Pro) zurück. Apples Wachstum bei Notebooks hingegen liege weiterhin über dem Marktdurchschnitt. MacBook und MacBook Pro waren kürzlich grundlegend erneuert worden. Apple verkauft seine technisch aufwändigen Notebooks deutlich teurer als das Windows-Lager. Und auch deutlich profitabler: Toni Sacconaghi von Sanford Bernstein vermutet für die Apple-Portables eine Gewinnmarge von 20 Prozent, verglichen mit sechs Prozent oder weniger beim Wettbewerb.

Die Verbraucher indes halten angesichts der Rezession aber natürlich nun verstärkt ihre Dollars im Gummiband und greifen, wenn sie denn überhaupt neue PCs kaufen, bevorzugt zu günstigen Geräten wie den populären Netbooks, die zum Teil schon für 300 Dollar zu haben sind. Das macht sich, zusammen mit den generell fallenden Preisen für Windows-PCs, nun auch bei Apple bemerkbar. "An den Zahlen kann man die Preis-Sensitivität der Verbraucher ablesen", kommentiert der bekannt Apple-freundliche Piper-Jaffray-Analyst Gene Munster. Der Experte geht aber weiterhin davon aus, dass Apple im kommenden Jahr stärker wachsen kann als die Konkurrenz, die ihre Preise zur "Holiday Season" noch einmal teils deutlich gesenkt hatte.

Apple-Chef Steve Jobs - für den es übrigens seltsamerweise noch immer keine Zusage für die Keynote-Rede zur Macworld Expo Anfang Januar gibt - hatte im Oktober zu Analysten gesagt, seine Firma werde die Preise für die Macs (die für 46 Prozent der Apple-Einnahmen gut sind) nicht reduzieren, weil man sich "keine übermäßigen Sorgen" darüber mache, dass der Abschwung die Kundschaft in Richtung billigerer Rechner treiben werde. Speziell aus dem Notebook-Lowend hält Apple sich ganz bewusst heraus. "Wir wissen nicht, wie man einen 500-Dollar-Computer baut, der kein Müll ist", sagte Jobs bei der Vorlage der letzten Quartalsbilanz.