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"Die Übernahme hat nichts mit MySQL zu tun"

16.02.2006
Rex Wang, Marketing-Chef von Sleepycat, nimmt Stellung zur Übernahme durch Oracle. Um ein taktisches Manöver gegen MySQL sei es Oracle nicht gegangen.

Nachdem Oracle zunächst Innobase (siehe "MySQL nach Sleepycat-Übernahme verunsichert") und nun Sleepycat übernommen hat (siehe: "Oracle übernimmt Sleepycat"), hält das Unternehmen die Rechte an beiden transaktionalen Storage Engines, die auch der Open-Source-Konkurrent MySQL verwendet. Kein Wunder, dass sich dessen Anwender sorgen. Geht es dem zweitgrößten Softwarehaus, das mit seinen Konkurrenten bislang nicht immer zimperlich umsprang, wirklich nur um eine bessere Stellung im Embedded-Markt oder ist der Zukauf ein taktisches Manöver? Fragen* an Rex Wang, Marketing-Chef von Sleepycat.

CW: Warum lässt sich Sleepycat von Oracle übernehmen?

Wang: Wir sind ein Privatunternehmen. Wir hatten bislang keinen externen Kapitalgeber, mussten uns komplett selbst finanzieren. In den vergangenen drei Jahren ist aber unser Angebot von einem auf drei Produkte gewachsen. Unsere Entwicklungskosten sind gestiegen. Deshalb haben wir einen Partner gesucht, der nicht nur Geld hat, sondern auch Erfahrung und Reichweite. Deshalb haben wir in den letzten Monaten mit Oracle verhandelt.

CW: Was ist an Gerüchten, wonach der Kaufpreis bei rund zehn Millionen Dollar gelegen haben soll?

Wang: Das kann ich nicht kommentieren.

CW: In einem Blog auf der Sleepycat-Website deutet Ihr Chief Executive Officer Mike Olson an, es könne künftig mehrere Versionen der "Berkeley-DB"-Software geben...

Wang: Wir sind davon überzeugt, dass eine Reihe von Appliances eine schnelle Embedded-Datenbank gebrauchen könnte. Die Zahl der mobilen Geräte und Highend-Appliances wächst unaufhörlich. Der Trend zu Web Services und Software-as-a-Service-Angeboten fördert diese Entwicklung.

CW: Was halten Sie von Spekulationen, wonach Oracle Sleepycat und zuvor Innobase gekauft hat, um MySQL den Garaus zu machen?

Wang: Solche Dinge hören wir auch gerade. Die Übernahme hat damit nichts zu tun. Oracle sieht den Embedded-Datenbank-Markt als Wachstumssegment, und das Angebot von Sleepycat ist komplementär zu Oracles Produkten. Unser duales Lizenzmodell ist für Oracle interessant, ebenso die installierte Basis. (Sleepycat verlangt keine Lizenzgebühren, wenn die mit Berkeley DB entwickelte Anwendung Open Source zur Verfügung steht. Wird sie in proprietären Anwendungen genutzt, ist eine Gebühr zu entrichten. Anm. d. Red.). Die Beobachtung, dass MySQL die BerkeleyDB als eine von zwei möglichen transaktionalen Speicher-Engines nutzen kann, ist richtig. Wir haben mit MySQL immer mal wieder zusammengearbeitet, aber eine formale Business-Beziehung gab es nicht. MySQL hängt nicht von unserer Technik ab und wir nicht von ihnen. Unsere CEOs sind allerdings eng miteinander befreundet.

CW: Sie sind vorhin MySQL-Chef Marten Mickos auf der Open Source Business Conference begegnet. Was haben sie zueinander gesagt?

Wang: Wir haben uns gegenseitig gratuliert: Er wegen der erfolgreichen Übernahme, und wir, weil MySQL seine dritte Venture-Capital-Finanzierung bekommt. Wir werden uns freundschaftlich verbunden bleiben.

CW: Inwiefern unterscheidet sich Berkeley DB von dem, was Oracle schon an Embedded-Datenbanktechnik hat?

Wang: Oracle hat in diesem Bereich nun drei Produkte: "Times Ten", eine schnelle, speicherresidente Datenbank, die SQL unterstützt, die mobile Datenbank "Oracle Lite", die sich mit Oracle 10g synchronisieren lässt, und Berkeley DB. Unser Produkt vervollständigt das Angebot von Oracle: Es hat keinen SQL-Abfrage-Layer und man kann Daten direkt im Speicher ablegen. Alle drei Datenbanken sind embedded, laufen eng gekoppelt an die Anwendung und benötigen keine menschliche Administration.

CW: Wird die Sleepycat-Mannschaft komplett zu Oracle wechseln?

Wang: Ja, ich erwarte, dass alle Mitarbeiter mitgehen. Das sind rund 25 Leute. Wir werden dort unsere Produkte weiter entwickeln und an unserem Dual-License-Modell festhalten.

CW: Wird es den Firmennamen Sleepycat und das Produkt Berkeley DB weiter geben?

Wang: Es sind noch nicht alle Details zur Übernahme geklärt. Ich erwarte, dass die Marke BerkeleyDB in irgendeiner Weise erhalten bleibt. Kurzfristig können Kunden weiter bei uns kaufen, auch die Website wird vorerst erhalten bleiben.

CW: Wie ernst ist Oracles Eintauchen in die Open-Source-Welt zu nehmen?

Wang: Oracle beschäftigt sich immer intensiver mit Open Source - die Übernahme von Innobase und uns sowie das Bekenntnis zu Linux und anderen Open-Source-Projekten sprechen eine klare Sprache.

*Das Interview führte China Martens vom IDG News Service.