Vom Apple I über die Apple Watch hin zum iPhone SE

Die turbulente Apple-Story

Jürgen Mauerer betreibt als freier Journalist ein Redaktionsbüro in München.
Florian Maier kümmert sich um reichweitenstarke und populäre IT-Themen an der Schnittstelle von B2B und B2C. Er schreibt hauptsächlich für das Portal COMPUTERWOCHE.
Der Apple-Konzern feiert sein 40-jähriges Jubiläum. Die beispiellose Erfolgsstory des Unternehmens mit dem angebissenen Apfel ist geprägt von vielen durchschlagenden Erfolgen - aber auch von gigantischen Flops. Wir lassen die stürmische Apple-Geschichte Revue passieren.

Apple ist Kult - und zwar längst nicht mehr nur bei den sogenannten Fanboys. Aber: Apple ist auch umstritten wegen der strengen Auflagen für seinen App-Store, dem "geschlossenen Ökosystem" oder der schlechten Arbeitsbedingungen etwa beim chinesischen Auftragsfertiger Foxconn. Seit der Jahrtausendwende legt Apple dennoch eine ungeahnte Erfolgsstory hin und eilt von Quartalsrekord zu Quartalsrekord - auch wenn die Zuwächse in der jüngsten Zeit abflachen und die Aktienkurse fallen.

Beispielsweise verkaufte Apple am ersten Verkaufswochenende zum Start des iPhone 6 und iPhone 6 Plus mehr als 10 Millionen Stück. In den letzten drei Monaten des Jahres 2014 kann Apple beispielsweise insgesamt 74,5 Millionen iPhones verkaufen. Um diese Zahl besser einordnen zu können: Ein Prozent der Weltbevölkerung hat sich im vierten Quartal 2014 ein iPhone gekauft. Auch das vierte Quartal des darauffolgenden Jahres 2015 ist geprägt von Rekordzahlen: 74,8 Millionen Apfel-Telefone finden in diesem Zeitraum einen neuen Besitzer. Mit einem Gewinn von 18,4 Milliarden Dollar erzielt Apple zudem den höchsten, jemals von einem Unternehmen erzielten Quartalsgewinn. Die Zeiten des zweistelligen Wachstums dürften nun allerdings vorbei sein: Die Auswirkungen der schwächelnden Wirtschaft in China und die Marktsättigung bei den Smartphones dürften den Konzern aus Cupertino vor neue Herausforderungen stellen.

Die Weichen für die Zukunft sind unterdessen gestellt: Mit dem iPhone SE will Apple weiter im Business-Umfeld punkten und auch das iPad Pro schlägt in die Produktivitäts-Kerbe. Die Apple Watch ist unterdessen mit einem Marktanteil von rund 70 Prozent unangefochtener Marktführer im Smartwatch-Segment, das Thema Virtual Reality dürfte von Apple demnächst ebenfalls besetzt werden.

Apple zählt nach wie vor zu den wertvollsten Unternehmen der Welt. Seine Geschichte ist allerdings nicht nur von Erfolgen geprägt. Anlässlich des 40. Geburtstags von Apple blicken wir mit Ihnen auf die bewegte Geschichte des iPhone-Konzerns zurück. In unserer Bildstrecke können Sie die entscheidenden Meilensteine der Apple-Historie auch im Schnelldurchlauf betrachten.

1976 - 1980: Gründung, Apple I und II, Börsengang

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Apple wird am 1. April 1976 gegründet - die Geschichte des Konzerns beginnt allerdings schon einige Jahre zuvor. 1971 lernen sich der damals 15-jährige Schüler Steve Jobs und der fünf Jahre ältere Student Steve Wozniak kennen. Beide können sich für Elektronik begeistern und werden enge Freunde. Wozniak, den alle nur "Woz" nennen, ist ein leidenschaftlicher Computer-Nerd, der unter den vielen jungen Bastlern im Silicon Valley als technisches Genie herausragt. Jobs fehlt dieses Talent zwar, aber er hat - im Gegensatz zu Woz - schon in jungen Jahren eine konkrete Vorstellung davon, wie man mit Technologie die Welt verändern - und auch Geld verdienen - kann. Am 1. April 1976 gründen Steve Jobs, Steve Wozniak und Ronald Wayne das Unternehmen Apple. Letztgenannter verlässt die Firma aber schon nach wenigen Wochen wieder - das persönliche Haftungsrisiko ist dem Familienvater zu hoch. Vorher entwirft er allerdings das erste offizielle Apple-Logo, das Isaac Newton unter einem Apfelbaum zeigt. Die Zeichnung spielt auf die Entdeckung der Schwerkraft mithilfe eines Apfels an. Im gleichen Jahr wird das Logo schließlich durch den angebissenen Apfel im Regenfarben-Look ersetzt.

Die Rollenverteilung im verbliebenen Gründer-Duo ist klar: Steve Wozniak ist das Hardware-Talent, Steve Jobs das Marketing-Genie. In einer Garage entwickeln und produzieren die beiden Jungunternehmer die erste funktionstüchtige PC-Platine - den Apple I. Dieser wird als Bausatz zum Preis von 666,66 US-Dollar angeboten. Die fertig bestückte Platine muss vom Händler oder Besitzer zusammengesetzt werden. Als Zubehör gibt es ein Netzteil, eine Tastatur, einen Bildschirm und ein Gehäuse. Lange bevor IBM, Intel und Microsoft das Fundament für ihre Personal Computer legen, haben Jobs und Wozniak ihre Vision eines Personal Computers so in die Tat umgesetzt.

Um der Bastler-Nische zu entkommen, braucht das junge Unternehmen vor allem eines: Kapital. Durch einen Zufall lernen Jobs und Wozniak 1977 den Wagniskapitalgeber Mike Markkula kennen. Der hat sich mit 32 Jahren bereits in den Ruhestand verabschiedet, weil er in den Anfängen der Halbleiter-Industrie zu einem Millionen-Vermögen gekommen war. Während andere Investoren Steve Jobs samt seiner visionären Geschäftsideen brüsk zurückweisen, erkennt Markkula das Potenzial sofort.

1977 stellt das Unternehmen den Apple II vor. Dieser kostet 1298 Dollar, akzeptiert einen Fernseher als Bildschirm und ist der erste, vollwertige Personal Computer. Der Apple II ist zudem als offenes System konzipiert und hat acht freie Steckplätze für individuelle Erweiterungen. Die erste Version verfügt über einen 8-Bit-Prozessor mit rund 1 MHz Taktfrequenz und 4 kB RAM, der auf bis zu 64 kB erweitert werden konnte. Für damalige Verhältnisse beeindruckend ist die Grafikleistung: sechs Farben und eine Auflösung von 280 x 192 Pixeln. Der Apple II entwickelt sich zu einem Kassenschlager, nicht zuletzt durch das Programm VisiCalc, der ersten Tabellenkalkulation für einen Mikrocomputer.

1978 setzen die Jungunternehmer bereits 7,8 Millionen Dollar um. Der Garage in Palo Alto ist das Unternehmen ebenfalls entwachsen: Das neue Firmengebäude in Cupertino, Kalifornien wird bezogen. Zwei Jahre später eröffnet das Unternehmen eine Produktionsstätte in Irland und beginnt mit der Produktion des Apple II für den europäischen Markt. Im Jahr 1980 überspringt Apple Computer erstmals die Umsatzgrenze von 100 Millionen US-Dollar und beschäftigt über 1.000 Mitarbeiter. Am 12. Dezember 1980 wagt das Unternehmen den Gang an die Börse. Apple Computer Inc. wird mit 1,8 Milliarden US-Dollar bewertet und macht seine Gründer reich.