Business Intelligence

Die Topanbieter im BI-Markt

Heinrich Vaske ist Chefredakteur der COMPUTERWOCHE und verantwortlich im Sinne des Presserechts (v.i.S.d.P.). Seine wichtigste Aufgabe ist die inhaltliche Ausrichtung der Computerwoche - im Web und in der Zeitschrift. Vaske verantwortet außerdem inhaltlich die Sonderpublikationen, Social-Web-Engagements und Mobile-Produkte der COMPUTERWOCHE und moderiert Veranstaltungen. Weitere Interessen: der SV Werder Bremen, Doppelkopf und Bücher - etwa die von P.G. Woodhouse.
Sascha Alexander ist Manager Marketing & Kommunikation bei der QUNIS GmbH, Neubeuern, die auf Beratung und Projekte in der Business Intelligence, Big Data und Advanced Analytics spezialisiert ist. Zuvor war der Autor als Director Communications bei den Marktforschungs- und Beratungsunternehmen BARC und PAC tätig. Als ehemaliger Redakteur der COMPUTERWOCHE sowie Gründer und Chefredakteur des Portals und Magazins für Finanzvorstände CFOWORLD verbindet ihn zudem eine lange gemeinsame Zeit mit IDG.
Seine Themenschwerpunkte sind: Business Intelligence, Data Warehousing, Datenmanagement, Big Data, Advanced Analytics und BI Organisation.
Kleine Newcomer erzielen im Markt für Business-Intelligence-Tools erstaunliche Zuwächse. SAP, Oracle und SAS bleiben aber die dominierenden Player.

Theoretisch hätten 2008 und 2009 Boomjahre für Business Intelligence (BI) werden können. In Krisenzeiten sind Analyse- und Simulationslösungen gefragt, unterstützen sie die Unternehmen doch idealerweise bei ihren strategischen und operativen Entscheidungen. Business Intelligence, so zeigte sich aber, ist den veränderten Anforderungen der Anwender in der Finanz- und Wirtschaftskrise nur bedingt gerecht geworden. Geschäftskritische Informationen aus historischen Daten abzuleiten - mit mehr oder weniger ausgeprägter Zeitverzögerung - reicht in Zeiten global vernetzter "Echtzeit"-Unternehmen nicht mehr aus. Einer weltweit operierenden Bank etwa, die in internationale Finanzströme eingebettet ist und einen Teil ihrer Geschäfte quasi in Echtzeit abwickelt, ist damit wenig gedient.

Thomas Balgheim, Geschäftsführer des IT-Dienstleisters Cirquent, sieht noch viel Entwicklungspotenzial für Analyse-Tools.
Thomas Balgheim, Geschäftsführer des IT-Dienstleisters Cirquent, sieht noch viel Entwicklungspotenzial für Analyse-Tools.

"Man kann beobachten, dass Analyse und Simulation noch immer Back-Office-Tätigkeiten sind, relativ entkoppelt von der eigentlichen operativen Entscheidungsfindung", bilanziert Thomas Balgheim, Geschäftsführer der Münchner Cirquent GmbH (Interview zum Thema "Finanzkrise - hat die IT versagt?"). Sein Unternehmen legt einen Schwerpunkt auf das Bankengeschäft. Es gelinge heute noch immer nicht, Simulation und Analyse in die operative Entscheidung hineinzubringen. Die Hoffnung, so Balgheim, ruhe auf Embedded und Predictive Analytics. In der Krise sei aber deutlich geworden, "dass wir damit in den Unternehmen noch nicht sehr weit sind".

Die aktuelle Übernahme von SPSS durch IBM mag indes ein Zeichen dafür sein, dass die Hersteller verstanden haben. SPSS steht längst nicht mehr für Statistik- und Datenerhebungssoftware, sondern für Predictive Analytics. Auch SAS Institute orientiert sich in diese Richtung und darf sich in diesem Teilmarkt als führend bezeichnen. Beide Unternehmen gehören denn auch zum Kreis der Anbieter, die hierzulande um die Krone im BI-Markt kämpfen.

IBM mit Cognos und SPSS auf dem Vormarsch

Dass IBM bei seinen zahlreichen Softwarekäufen einen Schwerpunkt auf Business Intelligence setzt, hatte sich bereits 2007 mit der Cognos-Übernahme gezeigt und verwundert wenig. BI gehört - bei aller Kritik - zu den Wachstumsmärkten in der reifenden IT-Szene. Aktuelle Marktzahlen des Würzburger Business Application Research Center (Barc) belegen, dass mit Software für Analyse, Reporting und Daten-Management auch in mageren Zeiten gute Geschäfte zu machen sind. Das Marktvolumen hierzulande erhöhte sich 2008 gegenüber dem Vorjahr um 6,2 Prozent auf 754 Millionen Euro.

SAP vor Oracle und SAS Institute - das ist die Hierarchie im deutschen Markt für Buisness-Intelligence-Software.
SAP vor Oracle und SAS Institute - das ist die Hierarchie im deutschen Markt für Buisness-Intelligence-Software.
Foto: BARC

Mehr als die Hälfte des Gesamtumsatzes erwirtschaften die fünf führenden Anbieter SAP, Oracle, SAS Institute, IBM und Microsoft. Carsten Bange, Geschäftsführer von Barc, sieht denn auch Business Intelligence weiterhin als eine Säule des gesamten Business-Software-Marktes. Vor allem in schlechten Zeiten legten Unternehmen Wert darauf, Transparenz über das Unternehmensgeschehen zu haben und ihre Prozesse flexibel und effizient abzuwickeln. Allerdings erkennt auch Bange, dass die Zeiten, in denen die Anbieter ungebremst wachsen konnten, vorbei sind. Für 2009 geht er von einem stagnierenden Markt aus, glaubt aber, dass die Nachfrage in einer sich erholenden Konjunktur überproportional steigen dürfte.

Der Barc-Geschäftsführer liegt mit dieser Prognose nicht weit von den aktuellen Vorhersagen der Gartner-Analysten entfernt. Sie erwarten weltweit eher eine verhaltene Nachfrage nach BI-Produkten. Hintergrund ist die schlechte Wirtschaftslage, aber auch die Tatsache, dass sowohl IBM mit der Übernahme von Cognos als auch Weltmarktführer SAP mit dem Zukauf von Business Objects das Potenzial für Upselling-Maßnahmen bei Bestandskunden weitgehend ausgereizt hätten. Außerdem gehe angesichts der schwachen Konjunktur der Kauf kompletter BI-Suiten zurück, stattdessen werde taktisch in kleinere Abteilungslösungen investiert.

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