Was Unternehmen berücksichtigen sollten

Die Suche nach dem heiligen IaaS-Gral

René Büst ist Senior Analyst und Cloud Practice Lead bei Crisp Research mit dem Fokus auf Cloud Computing und IT-Infrastrukturen. Er ist Mitglied des weltweiten Gigaom Research Analyst Network und gehört weltweit zu den Top 50 Bloggern in diesem Bereich. Seit Ende der 90er Jahre konzentriert er sich auf den strategischen Einsatz der Informationstechnologie in Unternehmen.
Insbesondere für deutsche IT-Entscheider stellt sich die Frage, auf welche Auswahlkriterien sie bei der Implementierung von IaaS achten müssen. Welche Cloud Deployment-Modell kommt in Frage? Ist ein US-Anbieter per se unsicher? Muss es ein deutscher Anbieter sein? Welchen Möglichkeiten bleiben nach Snowden und Co.?
Auch in Deutschland denken immer mehr Unternehmen darüber nach, Teile daraus oder die gesamte Infrastruktur in Cloud-Modelle zu überführen.
Auch in Deutschland denken immer mehr Unternehmen darüber nach, Teile daraus oder die gesamte Infrastruktur in Cloud-Modelle zu überführen.
Foto: Mathias Rosenthal/Shutterstock.com

Im Jahr 2014 ist Cloud Computing endgültig auch in Deutschland angekommen. Eine aktuelle Studie von Crisp Research unter über 700 deutschen IT-Entscheidern hat gezeigt, dass bei 19 Prozent der Befragten das Cloud Computing fester Bestandteil auf der IT-Agenda und im produktiven IT-Betrieb ist. 56 Prozent der deutschen Unternehmen befinden sich in der Planungs- oder Implementierungsphase und setzen Cloud bereits im Rahmen erster Projekte und Workloads ein. Crisp Research prognostiziert , dass deutsche Unternehmen in diesem Jahretwa 6,1 Milliarden Euro in Cloud-Technologien investieren werden. Dabei evaluieren auch immer mehr Unternehmen den Einsatz von Infrastructure-as-a-Services (IaaS), also Server, Speicher, Datenbanken und weitere Infrastrukturkomponenten aus der Cloud.

Kapazitätsplanung

Vor der Nutzung eines IaaS stellt sich die grundlegende Frage, wie und für welchen Zweck die Cloud-Infrastruktur eingesetzt werden soll. In diesem Zusammenhang spielt die Kapazitätsplanung eine entscheidende Rolle. In den meisten Fällen kennen Unternehmen ihre Applikationen und Workloads und können dadurch gut einschätzen, wie skalierbar die Infrastruktur, hinsichtlich Performance und Verfügbarkeit, sein muss. Skalierbarkeit muss jedoch auch aus einem globalen Blickwinkel betrachtet werden. Konzentriert sich das Unternehmen vorwiegend auf den deutschen oder DACH-Markt, reicht ein lokaler Anbieter mit einem Rechenzentrum in Deutschland, um die Kunden zu bedienen. Soll mittelfristig in globale Märkte expandiert werden, sollte auf einen Anbieter mit einem globalen Footprint gesetzt werden, der auch über Rechenzentren in den Zielmärkten verfügt. Es stellen sich daher die Fragen:

  • Was ist der Nutzungszweck von IaaS?

  • Welche Kapazitäten benötigen die Workloads?

  • Ist eine lokale oder globale Reichweite erforderlich?

Software Defined Infrastructure in Deutschland 2016

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Insbesondere beim Thema Skalierbarkeit fällt oft der Begriff der "Hyper-Scaler". Das sind die Anbieter, deren Cloud-Infrastrukturen theoretisch in der Lage sind unendlich zu skalieren. Hierzu gehören unter anderem Amazon Web Services, Microsoft und Google. Das Wort unendlich ist hierbei allerdings mit Vorsicht zu genießen. Auch die Großen stoßen an ihre Grenzen. Schließlich sind für die virtualisierte Infrastruktur weiterhin physikalische Systeme erforderlich. Und Hardware skaliert nicht.

Unternehmen, die mit einer globalen Strategie ihre Zielmärkte mittelfristig vergrößern wollen ist zu empfehlen, auf einen international agierenden Anbieter zu setzen. Neben den oben genannten Amazon, Google, Microsoft, gesellen sich hier noch Namen wie HP, IBM (Softlayer) oder Rackspace hinzu, die über ein Public als auch Managed Cloud Angebot verfügen. Wer von Beginn an auf einen "Global-Scaler" setzt, für den besteht später der Vorteil insbesondere darin, dass sich das Deployment der virtuellen Infrastruktur und den darauf betriebenen Applikationen und Workloads einfacher bewerkstelligen lässt. Das Thema Cloud-Connectivity (geringe Latenz, hoher Durchsatz und Verfügbarkeit) sollte nicht unterschätzt werden. Reicht es also aus, dass der Anbieter mit seinen Rechenzentren ausschließlich den deutschen Markt bedienen kann oder ist eine weltweit verteilte Infrastruktur von Rechenzentren vorhanden, die miteinander verbunden sind?

Zwei weitere Parameter in der Gleichung sind das Cloud-Modell und die damit verbundene Art der Serviceleistungen. Weiterhin sollten Überlegungen hinsichtlich Hybrid- und Multi-Cloud-Szenarien angestellt werden. Es stellen sich somit die Fragen:

  • Welches Cloud-Modell kommt in Frage?

  • Self-Service oder Managed Service?

  • Hybrid- und Multi-Cloud?

Aktuelle Angebote im Markt unterscheiden Public, Hosted und Managed Private Clouds. Public Clouds bestehen aus einer sogenannten Shared Infrastructure und werden vorwiegend von Service Providern genutzt. Kunden teilen sich hierbei dieselbe physikalische Infrastruktur und werden anhand einer virtualisierten Sicherheitsinfrastruktur logisch voneinander getrennt.
Eine Public Cloud bietet sich insbesondere für webbasierte Applikationen an, für welche die Nutzung einer standardisierten Infrastruktur und Services ausreichend ist.
Das Hosted Cloud-Modell überführt die Idee der Public Cloud in eine gehostete und von einem lokalen Anbieter verwaltete Variante. Hierbei befinden sich alle Kunden auf derselben physikalischen Infrastruktur und sind virtuell sicher von einander getrennt. Der Cloud-Anbieter verfügt in diesem Fall über ein lokales Rechenzentrum, zum Beispiel in Deutschland.
Eine Managed Private Cloud ist eine erweiterte Variante der Hosted Cloud. Diese ist insbesondere für Unternehmen attraktiv, die das Public Cloud-Modell (Shared Infrastructure, Multi-Tenancy) meiden wollen, aber nicht die finanziellen Ressourcen und das Wissen besitzen, um eine Cloud in der eigenen IT-Infrastruktur bereitzustellen. In diesem Fall stellt der Anbieter einem Kunden einen exklusiven und reservierten physikalischen Bereich auf seiner Infrastruktur bereit. Der Kunde kann die Managed Private Cloud exakt so nutzen wie eine Public Cloud, aber das auf einer nicht geteilten Infrastruktur, die sich bei einem Anbieter im Rechenzentrum befindet. Zudem steht der Anbieter mit Beratungsleistungen zur Seite, die dem Kunden dabei helfen, seine Applikationen und Systeme entweder in die Cloud zu überführen oder dort neu zu entwickeln.

Foto: Crisp Research AG

Vorwiegend handelt es sich bei den oben genannten "Hyper- beziehungsweise Global-Scaler" um Public Cloud Anbieter. Mit einem Self-Service-Modell sind die Kunden selbst für den Aufbau und Betrieb der virtuellen Infrastruktur beziehungsweise der Applikationen verantwortlich. Allen voran Cloud-Größen wie Amazon, Microsoft und Google bieten ihre Infrastruktur-Services auf Basis des Public-Cloud Modells und eines Self-Service an. Partnernetzwerke unterstützen Kunden dabei, ihre virtuellen Infrastrukturen, Applikationen und Workloads auf den Clouds zu transformieren. Hinsichtlich Public Cloud IaaS-Angeboten mit einem Self-Service ist es in Deutschland eher schlecht bestellt. Hier lassen sich nur ProfitBricks und die JiffyBox von domainfactory nennen. Wobei sich die JiffyBox auf das Webhosting und nicht Unternehmenslösungen konzentriert. CloudSigma aus der Schweiz sei noch als nativer Anbieter aus dem DACH-Markt genannt. Diese deutsche Realität spiegelt sich ebenfalls in der Strategie der Anbieter wider. So hat der erste deutsche Public IaaS Anbieter ScaleUp Technologies (2009) sein Geschäftsmodell erneuert und auf das Managed Hosting inklusive Beratungsleistungen verändert.

Beratungsleistungen ist das Stichwort in Deutschland. Hier unterscheidet sich der deutsche Cloud-Markt entscheidend vom internationalen Parkett. Deutsche Unternehmen bevorzugen Hosted und Managed Cloud-Umgebungen mit umfangreichen Dienstleistungen und Mehrwertservices. Hier finden sich Anbieter wie T-Systems, Dimension Data, Cancom, Pironet NDH oder Claranet wieder. Mittelständische Unternehmen finden bei der DTS-Systeme GmbH passende Lösungen, diese sind in Sachen Compliance und Individualisierung auf das Klientel zugeschnitten. Auch HP hat den Trend erkannt und zusätzlich zu seinem auf OpenStack basierten HP Helion Angebot Beratungsleistungen angekündigt.

In Zukunft sollten Hybrid- und Multi-Cloud-Umgebungen keinesfalls vernachlässigt werden. Eine Hybrid Cloud verbindet eine Private Cloud mit den Ressourcen einer Public Cloud. In diesem Fall betreibt ein Unternehmen seine eigene Cloud und nutzt die Skalierbarkeit und Skaleneffekte eines Public Cloud Anbieters, um sich bei Bedarf oder auch ständig an weitere Ressourcen in Form von Rechenleistung oder anderen Services zu bedienen.
Das Multi-Cloud Konzept erweitert den Hybrid Cloud Gedanken um die Anzahl der zu verbindenden Clouds. Genauer gesagt kann es sich dabei um n-Clouds handeln die in irgendeiner Form miteinander integriert sind. Dabei werden beispielsweise Cloud-Infrastrukturen so miteinander verbunden, dass die Applikationen verschiedene Infrastrukturen oder Services parallel oder je nach Auslastung oder aktuellen Preisen nutzen. Auch das parallele oder verteilte Speichern von Daten über mehrere Clouds ist vorstellbar, um die Verfügbarkeit und Redundanz der Daten sicherzustellen.

Hinsichtlich der Hybrid Cloud-Funktionalität bietet Amazon auf Applikationsebene derzeit noch keine umfangreichen Services, erweitert das Angebot aber stetig. Google bietet keine Hybrid Cloud Möglichkeiten. Auf Grund von Public als auch Private Cloud Lösungen sind Microsoft und HP in der Lage auf globaler Ebene Hybrid Cloud-Szenarien zu ermöglichen. Microsoft bietet darüber hinaus das Cloud OS Partner Network und ermöglicht es Unternehmen damit Microsoft basierte Hybrid Clouds mit Hosting Anbieter zu realisieren. Als deutscher Anbieter kann T-Systems auf globaler als auch lokaler Ebene hybrid Clouds aufbauen. Lokale Anbieter wie Pironet NDH bieten Möglichkeiten auf deutschem Boden.

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