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Die sieben miesesten Jobs in der IT

Karin Quack arbeitet als freie Autorin und Editorial Consultant vor allem zu IT-strategische und Innovations-Themen. Zuvor war sie viele Jahre lang in leitender redaktioneller Position bei der COMPUTERWOCHE tätig.
Im allgemeinen bietet die IT einen sauberen Arbeitsplatz, an dem man von neuester Technik umgeben ist und von neun bis fünf hauptsächlich Spaß hat, nicht wahr? Das gilt aber nicht für alle, die dort arbeiten. Vielmehr gibt es auch Jobs, die kaum einer gern macht. Dan Tynen, Redakteur bei der COMPUTERWOCHE-Schwesterpublikation "Infoworld", hat sie beschrieben. Danach brauchte er erst einmal eine lange, heiße Dusche, so sagt er.

Wie ein Galeerensklave an das Telefon eines Help-Desk gekettet, gezwungen, 30 Jahre alten Code zu knacken, oder im Konferenzraum eingekeilt zwischen zwei kriegsführenden Parteien - so sehen die weniger glamourösen IT-Jobs aus. Ohne sie funktioniert kaum eine Organisation, aber wehe dem, der sie leisten muss! Andererseits: Wer sie beherrscht, hat beinahe eine Garantie, einen Job zu finden. Dass er Spaß an der Arbeit hat, garantiert ihm allerdings niemand. Es folgt die Hitparade der sieben widerwärtigsten IT-Jobs.

Platz 7: Der Legacy-System-Archäologe

Dieser Job ist etwas für Personen, die sich mit 3270, VAX/VMS, Cobol, AS/400 und anderen Systemen auskennen, an die sich sonst keiner mehr erinnert. Der Bewerber muss in der Lage sein, LÄNGERE ZEIT KOMPLETT IN GROSSBUCHSTABEN ZU TIPPEN. Das Mindestalter beträgt 55 Jahre.

"Ob Sie es glauben oder nicht: Cobol-Entwickler sind immer noch gesucht", beteuert Jim Lanzalotto, Vice-Präsdient von Yoh, einem US-amerikanischen Dienstleister für Talentsuche und Outsourcing. Man sollte meinen, diese alten Systeme wären schon vor Jahren den Weg alles Irdischen gegangen. Aber vor allem die großen Finanzdienstleister, Fertigungsbetriebe, Handelsketten und Healthcare-Konzerne klammern sich daran wie ein betrunkener Matrose an einen Laternenpfahl. "Ich kenne einen großen Büroartikelanbieter, der seine Website füttert, indem er AS/400-Maschinen mit Web-Frontends verbindet", berichtet Andrew Gelina, CEO des in Waltham, Massachusetts, beheimateten Beratungsunternehmens Syrinx Consulting: "Diese Anwendungen neu zu schreiben oder zu migrieren ist teuer und das Risiko hoch, deshalb sucht man nach jedem möglichen Weg, um sie weiter zu nutzen und mit moderner Technik zu verbinden." (Siehe auch: "Web-Services erschließen Cobol-Anwendungen")

Das Ganze erinnere ihn an Meeresarchäologie, sagt Gelina: "Sie brauchen einen Höhlenforscher, der tief hineintaucht und herausfindet, wo die Applikationen angeflanscht beziehungsweise mit Sekundenkleber oder Heftpflaster in eine moderne Integrationsmaschine, beispielsweise ein SOAP/XML-Front-end, eingefügt werden können." (Siehe auch: "Befreiung aus der Legacy-Falle")

Die gute Nachricht? Erfahrene Techniker, die sich zu dieser Arbeit bereit erklären, entdecken möglicherweise eine beständig sprudelnde Einkommensquelle, die es ihnen erlaubt, ohne Einbußen in die Altersteilzeit zu wechseln. "Hier zeichnet sich ein interessantes Umkehrphänomen ab", bestätigt Gelina: "Lange Zeit nahm die Wertschätzung für Leute mit Kenntnissen in diesen Techniken kontinuierlich ab. Jetzt, da die Unternehmen niemanden mehr finden können, der sie beherrscht, ist genau das Gegenteil eingetreten. So findet ein Berater, der sich auf eine der antiken Technologien spezialisiert hat, möglicherweise eine kuschelige Nische vor."