Data Center-Verband EUDCA

“Die RZ-Branche in Europa braucht eine Stimme“

Ariane Rüdiger ist freie Autorin und lebt in München.
Die europäische Rechenzentrums-Branche hat sich organisiert. Im Mai wurde die European Datacentres Association (EUDCA) gegründet. Der Vorstandsvorsitzende Bernard Lecanu erklärt im CW-Interview Ziele und Ausrichtung der Gruppierung.
EUDCA (European Data Center Association)
EUDCA (European Data Center Association)
Foto: EUDCA

CW: Warum brauchen wir einen europäischen Rechenzentrums-Verband? Es gibt doch schon jede Menge nationaler Verbände, in Deutschland beispielsweise Eco.

Lecanu: Wichtige Entscheidungen werden heute auf europäischer Ebene getroffen oder vorgegeben. Und hier hatte diese wichtige Branche keine Stimme. Die europäische Wirtschaft wird aber nun mal digital und immer enger vernetzt; da stehen Rechenzentren gewissermaßen im Zentrum. Deshalb haben wir uns gegründet.

CW: Was wollen Sie erreichen?

Lecanu: Wir wollen in erster Linie auf europäischer Ebene Lobbying betreiben. Schließlich stehen hier wichtige Regulierungsfragen an, beispielsweise Regulierungen bezüglich des Energieverbrauchs oder des Kohlendioxidausstoßes, aber auch andere, zu denen wir gehört werden wollen. Wir konnten dafür Georgios Dimitrakopoulos gewinnen. Er war der zweite Präsident des europäischen Parlaments und dürfte überall Gehör finden. Wir wollen zum Beispiel europaweite Zertifizierungen und Standards für Rechenzentren, die auch in Europa definiert wurden und die hiesigen Werte und Bedürfnisse wiederspiegeln.

CW: Treten Sie damit in Konkurrenz zu Uptime, The Green Grid und dem European Code of Conduct?

„Wir wollen europäische Richtlinien zur Zertifizierung von Rechenzentren entwickeln“, Bernard Lecanu, Vostandsvorsitzender der EUDCA
„Wir wollen europäische Richtlinien zur Zertifizierung von Rechenzentren entwickeln“, Bernard Lecanu, Vostandsvorsitzender der EUDCA
Foto: Ariane Rüdiger

Lecanu: Tatsache ist, dass europäische Rechenzentrumsbetreiber ihre Tier-Zertifizierungen heute in den USA abwickeln und teuer bezahlen müssen. Das wollen wir gern ändern, wir wollen solche Aufgaben unter europäischer Regie erledigen, und ich hoffe, das wird uns auch bald gelingen. Denkbar ist dann auch, dass europäische öffentliche Auftraggeber nur noch in Europa zertifizierte Rechenzentren beauftragen, weil sie dann wissen, dass die auch tatsächlich ihren Anforderungen genügen. Im Übrigen arbeiten wir mit allen von Ihnen genannten Organisationen selbstverständlich zusammen. Außerdem möchten wir unsere Mitglieder weiterbilden, Best Practises für den hiesigen Markt definieren und ganz generell die Kommunikation unserer Mitglieder intensivieren.

CW: Wie soll Ihre Arbeit im Detail ablaufen?

Lecanu: In unserem Vorstand sitzen Berater wie Arup, Hersteller wie Siemens oder Schneider und RZ-Betreiber wie Telecity. Wir haben diverse Arbeitsgruppen gegründet, derzeit sind es Bildung, Kommunikation, Regulierung und Standardisierung, Kohlendioxidausstoß, Landnutzung und Datenschutz. Die werden einen großen Teil der Arbeit, übrigens alles ehrenamtlich, erledigen. Für die ersten beiden Jahre haben wir uns vorgenommen, vor allem Mitglieder in allen EU-Staaten zu gewinnen.

CW: Wie kommt es, dass das Thema Cloud Computing keine Ihrer Arbeitsgruppen beschäftigt?

Lecanu: Cloud Computing ist heute noch längst keine Realität. Das dauert noch 20 Jahre. Die RZ-Industrie ist weitgehend ortsgebunden und bleibt das auch vorläufig. 60 Prozent des Marktes ist schließlich Kollokation. Die Kunden wollen ihre Rechner sehen können. Das funktioniert nicht, wenn die am anderen Ende der Welt stehen. (wh)