"Moonshot"

Die Rettung für HPs Server-Business?

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Analysten bezweifeln, dass die neuen "Moonshot"-Server von HP ausreichen werden, um den Konzern wieder auf Kurs zu bringen.
Moonshot ist nicht länger ein Projekt, sondern ein echtes Produkt.
Moonshot ist nicht länger ein Projekt, sondern ein echtes Produkt.
Foto: HP

Die neuen Moonshot-Server von Hewlett-Packard ("The world’s first software defined server") - eine ausführlichere Berichterstattung zu den Systemen folgt - lösten bei Branchenkennern zunächst keine rechte Begeisterung aus. Aus Sicht des Analysten Shaw Wu von Sterne Agee seien sie zwar "ein Schritt in die richtige Richtung", wie der US-Branchendienst "AllThingsD" zitiert, doch würden große Web-Firmen deswegen wohl nicht gleich von HP kaufen statt sich wie bisher eigene Custom-Server bauen zu lassen.

"Wir sind aber nicht sicher, ob große Kunden wie Amazon, Google, Facebook und Twitter sich von ihrem gegenwärtigen Modell abwenden, bei dem sie maßgeschneiderte Server und Storage-Komponenten von Quanta und Compal beschaffen", schreibt Wu in einer Research Note. Und selbst im Erfolgsfall wäre die positive Auswirkung auf die HP-Erlöse möglicherweise nicht ausreichend, so der Experte, weil Server nur rund ein Viertel des Konzernumsatzes ausmachten im Vergleich zu den schwächelnden PC- und Druckersparten mit zusammen rund 50 Prozent.

Es werde ohnehin eine Weile dauern, bis Umsätze aus Moonshot-Verkäufen in den HP-Ergebnissen auftauchen, ergänzt Brian Marshall von ISI in einer Research Note an seine Klienten: "Wir erwarten in den nächsten paar Quartalen zwar keine bedeutenden Einnahmen durch Moonshot, sehen es aber als positiven Schritt dazu, dass HPQ auf längere Sicht seinen führenden Marktanteil bei Servern hält."

Es gibt aber durchaus auch optimistischere Einschätzungen - zum Beispiel von Patrick Moorhead, Analyst bei Moor Insights and Strategy, den HP zum Moonshot-Launch deswegen wohl auch auf die Bühne gebeten hatte. Aus seiner Sicht ist das Besondere an den neuen Servern weniger die Tatsache, dass sie weniger Strom und Platz brauchen als konventionelle Server, sondern vielmehr die Möglichkeit, Chips aller Art in die Systeme zu stecken. Neben herkömmlichen CPUs von Intel ("Atom") und Calxeda (auf ARM-Basis) ließen sich die neuen HP-Server auch mit Nvidia-GPUs, Digitalen Signalprozessoren (DSPs) oder sogar programmieraren FPGAs (Field-Programmable Gate Arrays) von Herstellern wie Altera oder Xilinx bestücken. Das, so Moorhead, biete "das Potenzial, das Spiel bei Scale-Out Data Centers zu verändern".

Timothy Prickett Morgan schreibt beim "Register", dass HP das x86-Server-Geschäft nicht erfunden habe (sondern das später geschluckte Compaq). Und es habe auch nicht das Hyperscale-Server-Business erfunden, sondern Google. Aber dieses Mal versuche HP wenigstens, das neue Systemgeschäft selbst zu bauen, statt auf die Übernahme eine Firma zu warten, die diese Arbeit bereits getan habe. Das sei ermutigend, findet der Server-Intimus - auch wenn es schon Jahre früher hätte passieren sollen. Veränderung sei halt schwierig und riskant. Weswegen große börsennotierte Firmen sich ihr auch so lange wie möglich widersetzten.