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"Digital ist besser"

Die Renners haben keine Angst

08.03.2011
Was macht das Internet aus unserer Zivilisation? Manch einem macht die Digitalisierung Angst.

Die beiden Medienmenschen Kai-Hinrich Renner und Tim Renner raten in ihrem Buch "Digital ist besser" zu mehr Gelassenheit.

"Digital ist besser" von Kai-Hinrich und Tim Renner ist gestern bei Campus erschienen.
"Digital ist besser" von Kai-Hinrich und Tim Renner ist gestern bei Campus erschienen.
Foto: Campus

Die digitale Revolution wirbelt die Gesellschaft durcheinander. "Es wird dabei Verlierer geben - und zwar nicht zu knapp", schreiben der Medienjournalist Kai-Hinrich Renner und der Musik-Manager Tim Renner in ihrem Buch "Digital ist besser". Gleichwohl plädieren die beiden Brüder für mehr Gelassenheit und wenden sich gegen kulturkritische Beiträge, die vor der Digitalisierung warnen.

"Wir haben aufgrund unserer eigenen Erfahrungen einen ganz anderen Ansatz, wir sehen mehr Chancen als Risiken", sagte Kai-Hinrich Renner am Dienstag der Nachrichtenagentur dpa. Allerdings gebe es bestimmte Eliten, die sich durch die Digitalisierung bedroht sähen.

"Dass Politiker, Boulevardzeitungen und Großfeuilletonisten gegen das Internet Stimmung machen, ist aus deren Sicht durchaus verständlich", schreiben die Autoren. "Das Netz ist im Begriff, ihnen ihre Deutungshoheit zu entreißen." Dies sei aber durchaus im Interesse der Nutzer.

Solche Prozesse sind gar nicht so neu, wie die beiden Brüder mit einem persönlichen Rückblick auf ihre Art der Medienaneignung in der vordigitalen Ära deutlich machen. Die Digitalisierung sei "nur eine Fortsetzung der Popkultur mit anderen Mitteln". Und diese Kultur zielt vor allem auf kreative Mitwirkung ab statt nur auf passives Konsumieren - auch wenn dabei gezielte Normenverstöße in Kauf genommen werden.

"Da ich zeichnerisch nicht sonderlich begabt bin, versuchte ich mich schnell und erfolgreich mit Urheberrechtsverletzungen", bekennt Tim Renner, der später Vorstandschef der Universal Music Group in Deutschland war. So wie er damals ein Fanzine auf Musikkassette entwickelt habe, so seien es Kinder und Jugendliche heute gewohnt, Informationen aus dem Netz zu verknüpfen und zu neuen Inhalten zu gestalten.

Mal unterhaltsam, mal polemisch stellen die beiden Autoren ihre Sicht auf das Netz dar. Sie erwähnen auch potenziell gefährliche Entwicklungen wie die zunehmende Marktmacht einzelner Unternehmen, resümieren aber zuversichtlich: Letztlich liege es in der Hand der Nutzer, was aus dem Netz werde. (dpa/tc)