Brückenschlag zwischen Inhouse- und öffentlichen Netzen

Die PBX-Anlage: Ein wichtiger Schritt zum ISDH

09.03.1984

Die Integration in der Schaltkreistechnik hat bewirkt, daß künftig

Kommunikationsleistung zu geringeren Produktionskosten verfügbar gemacht werden kann. Basis für diesen Optimierungsprozess ist die "Digital-Technik": Um Sprache und Daten einheitlich übertragen zu können, werden die analogen Sprachsignale digital umgesetzt. Wie dadurch die Vorteile digitaler Schaltkreistechnik. Großintegration und Hochgeschwindigkeit genutzt werden können, wird im folgenden am Beispiel der digitalen Nebenstellenanbge Content 300 der DeTeWe AG, Berlin beschrieben.

Die Content 300 ist eine Kombination von digitaler Vermittlungstechnik und einem Mehrrechnersystem zur Steuerung der Vermittlungsfunktionen. Zur Vermittlung der Sprachund/oder Datenverbindung dienen unabhängig von der Baustufengröße 8 PCM-30-Kanäle. Das entspricht einer Vermittlungsleistung von 16 Megabaud.

Diese Festlegung hat Vorteile für die Nutzung der digitalen Standard-Komponenten und auch bei der Anschaltung der künftigen digitalen Telefonendgeräte beziehungsweise datentechnischer Terminals. Auch die Anschaltung an das Integrated Services Digital Network, (ISDN), deren Amtsleitungen oder Nebenstellenendgeräte, wird dadurch wesentlich erleichtert.

Die für den Anwender direkt merkbaren Vorteile moderner digitaler Vermittlungstechnik sind:

- Reduzierte Verbindungslaufzeiten durch hohen Wahlkomfort und schnelle Anlagenreaktionszeiten.

- Optimierte Sprachqualität in bezug auf Störgeräusche und verbesserte Freisprechqualität. Letztere wird besonders wegen der vierdrähtigen Durchschaltung und langfristig auch wegen der Übertragung noch wesentlich verbessert werden können.

- Begleitende Dateninformationen zur Sprache werden beim Anwender erst mit voll digitaler Technik bis zum Endgerät verfügbar.

Die Vermittlungsfunktionen werden heute allgemein bereits mit Mikrorechnern ausgeführt. Diese Echtzeitaufgabe lastet ein Rechnersystem bereits voll aus und sowohl Zeitverhalten als auch Zuverlässigkeit erfordern, daß weitere Aufgaben möglichst vom Kontrollsystem ferngehalten werden. Das Vermittlungssystem stellt daher nur die Datenschnittstellen für die Organisation zur Verfügung, verarbeitet jedoch nicht selbst.

Die Organizationseinrichtungen haben alle eigene Rechner und sind über gesicherte Datenübertragungsschnuttstellen mit integrierten Modems mit der Vermittlungsanlage verbunden. Terminalrechner für die Basisorganisation sind zwei unterschiedliche ausbaubare Vermittlungsplätze mit displayorientierter Bedienerführung und Besetztdarstellung.

Zusätzlich wird dazu entkoppelt, eine weitere Schnittstelle zum Anschluß von Terminalrechnern für:

- Erweiterte Gebührenbearbeitung

- Bedienplatzunterstützung

- Anwendungsorientierte Telefonorganisation zum Beispiel für Hotels, Altersheime, Rechtsanwälte etc.) angeboten.

Nach einer turbulenten Startphase zu Beginn des Jahrhunderts wurde unter der Hoheit der damaligen Reichspost und der Deutschen Bundespost eine lückenlose technische und funktionelle Standardisierung geschaffen. Dieser Trend überträgt sich auch auf die Datenkommunikation und die integrierte Sprach-Datenkommunikation.

Ein wesentlicher Vorteil der Standardisierung ist durch die Konsequente Berücksichtigung bereits bestehender Normen gegeben: Auf diese Weise entstehen keine firmenoder länderspezifische Insellösungen, sondern man ist vielmehr bemüht, zwischen alten und neuen Diensten Übergänge zu schaffen, beispielsweise durch den Teletex-Telex-Umsetzer.

Im gleichen Sinn werden künftig auch Übergänge zwischen dem IDN (Integrierten Datennetz) und dem ISDN entstehen müssen. Als Anwendernutzen ist die große Benutzerbasis der Dienste und auch die Tatsache zu nennen, daß herstellertransparente Endgeräte und Vermittlungseinrichtungen kombiniert werden können.

Durch die bereits erläuterte Digitalisierung besteht die Möglichkeit, alle kommunikationsorientierten Dienste und Funktionen über ein System abzuwickeln. Die Deutsche Bundespost hat diesen Anlagentyp "K-Anlage" - Kommunikationsanlage - getauft. Content 300 wird künftig diese Funktionen modular in das bestehende Sprachvermittlungssystem integrieren.

Die Übertragung ist sowohl Inhouse- als auch netzseitig herstellerunabhängig möglich. Zusätzlich zur Vervielfachung von Hauptanschlüssen kann Inhouse-seitig eine netzunabhängige Textvermittlung aufgebaut werden. Um den Netzzugriff auf den Teilnehmer durch interne Kommunikation nicht zu blockieren, wird ein zentrales Speicher- und Organisationsterminal vorgesehen. Dieses übernimmt im Belegtfall die Nachrichten für belegte Terminals, um sie zwischenzuspeichern, zu journalisieren und später offline oder online an den Empfänger weiterzugeben.

Zukunftssichere Nutzung

Die Teletex-Vermittlung gestattet effizient die Übertragung von Daten und Textinformationen. Für die Übertragung von größeren Dateien, Programmblöcken oder Image-Profilen sind 2400 Baud-Datenraten nicht ausreichend. Dazu werden die ISDN-fähigen Nebenstellenanlagen hervorragend geeignet sein.

Unverdichtete Echtzeitsprach-Übertragung erfordert digitalisierte 64-kilobaude-Duplexkanäle. Diese hohe Bitbandbreite ist auch für die Anschaltung digitaler Datenendgeräte sehr gut geeignet, besonders wenn diese Kanalleistung nur einem Benutzer, zur Verfügung gestellt wird. Die ISDN-Definitionen stellen zwei unabhängige Sprach- und/oder Datenkanäle zur Verfügung (2 x B), die über den sogenannten D-Kanal zusätzlich breitbandig mit Steuerdaten versorgt werden können.

Für die Anwender ist besonders wichtig, daß sich diese sichere und schnelle Übertragung auf die weit verbreitete Zweidraht-Kupferader stützt. Diese herkömmliche Anschluß- und Verkabelungstechnik gestattet die zukunftsichere Nutzung modernster multifunktionaler Büroterminals, da vom Medium her alle wesentlichen Dienste damit abgedeckt werden können:

- 2-Kanal-Telefonie mit Datensignalisierung,

- Text- und Datenübertragung mit Programm-Overlay,

- Faksimile-Übertragung analog und digital.

Auf der Telefonie-Seite sind bereits die ersten Endgeräte sichtbar. Sie zeichnen sich durch größere Displays aus, deren Hauptaufgabe die Sicherung der einfachen Bediensituation trotz komplexen Funktionsmöglichkeiten sein wird (Menütechnik). Multifunktion heißt jedoch nicht, daß das Sprach- und Textendgerät zwangsläufig ineinander integriert werden müssen. Vielmehr sollte eine modulare Anschaltung über standardisierte Schnittstellen die Kombination von Modellreihen ermöglichen.

Die Integration der Dienste stellt hohe Ansprüche an die Normungsbereitschaft und -fähigkeit. Voraussetzung für die Akzeptanz dieser Technik beim Anwender wird die Multifunktion und die Abdeckung aller Anwenderanforderungen mit einer integrierten Lösung sein.

* Dr. Ing. Heinz Sommer ist Direktor der Entwicklung bei der DeTeWe AG, Berlin.