Mehr Open-Source-Engagement gefordert

Die Open Group soll sich weiter öffnen

08.08.2003
MÜNCHEN (CW) - In der Open Group gärt es. Mitglieder fordern eine stärkere Zuwendung des Standardisierungsgremiums zu Open-Source-Projekten.

Open-Group-Mitglied Bruce Perens, bekannt als langjähriger Linux-Aktivist und Initiator der Distribution Debian, hat ein Strategiepapier vorgelegt, das vor allem den an langwierige Verhandlungen und Kungeleien gewohnten Teilen des Gremiums nicht gefallen dürfte. Die zentrale Aussage lautet: "Wir müssen jetzt Open Source vollständig in unsere Arbeit integrieren. Wenn das nicht geschieht, ist es an der Zeit, den Namen unserer Organisation zu ändern."

In der Gruppe mit dem Motto "Grenzenloser Informationsfluss" sind neben fast 4000 individuellen Mitgliedern über 200 Unternehmen vertreten. Darunter finden sich alle namhaften Unternehmen der IT-Branche. Sie ist hervorgegangen aus Standardisierungsgremien für Unix (X/Open) und objektorientierte Programmierung (Object Management Group = OMG). Ein Arbeitsfeld sind Zertifizierungen für Unix, Corba (Common Object Request Broker Architecture), LSB (Linux Standards Base), WAP (Wireless Access Protocol) und andere Technologien. Außerdem hält die Open Group Patente auf die Handelsmarke Unix und die SUS (Single Unix Specification).

Die Organisation ist bereits an der Entwicklung quelloffener Technologien beteiligt. So verwaltet und koordiniert sie einige Projekte wie zum Beispiel das für die Management-Software "Pegasus". Seit Mai 2000 legte sie den Quellcode eines Toolkits für die grafische Benutzeroberfläche "Motif" vor, die hauptsächlich auf Unix-Systemen zum Einsatz kommt. Zurzeit bereitet sie einen "Manager''s Guide to Open Source" vor, der noch in diesem Jahr erscheinen soll.

Dennoch genieße die Open Group in der Open-Source-Gemeinde keine gute Reputation, schreibt Perens. Ein Grund dafür sei, dass Motif zu lange proprietär war und zu sehr auf Unix-Umgebungen fixiert blieb. Das hat die Entwicklung quelloffener Linux-Benutzeroberflächen wie Gnome und KDE ausgelöst.

Ausschlaggebend für das neue Strategiepapier war laut Graham Bird, Vice President of Marketing bei der Open Group, eine Initiative verschiedener Mitglieder. Etliche Firmen in dem Gremium sind demnach vor allem an der Frage interessiert, wie Open Source künftig auf ihre Geschäftsfelder einwirken wird. (ls/lex)