Informatik statt BWL

Die neuen Unternehmensberater

Bettina Dobe ist freie Journalistin aus München. Sie hat sich auf Wissenschafts-, Karriere- und Social Media-Themen spezialisiert. Sie arbeitet für zahlreiche Zeitungen und Zeitschriften in Deutschland.
Der Karriereweg in die Consultantbranche ändert sich. Nicht mehr nur BWLer sind gefragt, wie eine Studie ergeben hat.

Wenn ein Unternehmensberater vor einigen Jahren in den Beruf startete, war meist klar, was er studiert hatte: Wirtschaftswissenschaften. Lange Zeit machten sie mehr als zwei Drittel der Unternehmensberater aus. Doch das hat sich geändert. Laut dem Bundesverband Deutscher Unternehmensberater (BDU) sind BWLer und VWLer nicht einmal mehr die Hälfte der Berater. Dies hat die Studie "Karrierewege im Consulting" ergeben.

Berater sind nicht mehr nur Wirtschaftswissenschaftler.
Berater sind nicht mehr nur Wirtschaftswissenschaftler.
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Die Studienabschlüsse der Unternehmensberater sind vielfältiger geworden: Zehn Prozent sind Mathematiker oder Naturwissenschaftler und 15 Prozent sind Ingenieure. Und immerhin drei Prozent sind Mediziner oder haben einen sprach- oder kulturwissenschaftlichen Hintergrund.

Mehr Bachelor-Consultants

Auch der Studienabschluss hat sich aufgrund des Bologna-Prozesses geändert. 31 Prozent der Junior-Berater haben einen Master, 18 Prozent einen Bachelor. Ein Diplom oder einen Magisterabschluss haben nur noch 44 Prozent der Berater, Tendenz sinkend. Das bedeutet häufig auch, dass die Berater meist jünger sind.

Dass der Anteil der "alten Studiengänge" unter Senior-Beratern bei 79 Prozent liegt, überrascht wenig. Interessant dürfte nur folgende Zahl sein: Die größeren Consultingfirmen legen mehr Wert auf den Mastertitel, bei ihnen hat jeder zweite Junior-Berater diesen Abschluss. Bei den mittleren Unternehmensberatungsfirmen (eine bis 10 Millionen Euro Umsatz im Jahr) sind es nur 25 Prozent, und bei den kleinere Unternehmensberatungen nur jeder Fünfte. Der Grund hierfür dürfte einleuchten: Einen Bachelor-Absolventen muss man nicht so hoch bezahlen wie einen Absolventen mit Master-Abschluss.

Ingenieure und IT-Berater gesucht

Unter den Ursprungsberufen sind die Ingenieure sehr begehrt. Haben sie den Karriereweg des Unternehmensberaters eingeschlagen, so bleiben sie auch dabei. Das lassen zumindest die Zahlen der Befragung vermuten. Sind unter Juniorberatern die Ingenieure noch zu 15 Prozent vertreten, sind es bei den Seniorberatern schon 23 Prozent. "Bei den großen Marktteilnehmern über zehn Millionen Euro Jahresumsatz beträgt der Anteil sogar 33 Prozent", heißt es in der Studie.

Als Grund vermutet der BDU, dass die Kunden nicht nur berufserfahrene Consultants, sondern auch Berater suchen, die sich mit technologischen Fragen wirklich auskennen. Kein Wunder, dass die Recruiter der Unternehmensberater verstärkt in der Industrie wildern. Dieser Trend wird sich wohl noch verstärken: 56 Prozent der Beratungsfirmen planen, erfahrenere Berater einzustellen, nur 53 Prozent wollen mehr Junior Consultants einstellen.

Auch IT-Berater sind immer stärker gefragt: Derzeit macht die IT-Beratung rund 15 Prozent der Gesamtumsatzes der Beratungsfirmen aus. Vor allem in einem Themengebiet haben Unternehmen anscheinend dringenden Nachholbedarf: "Unternehmensberater unterstützen ihre Klienten dabei, Big Data-Informationen intelligent auszuwerten, zu analysieren und effektiv zu nutzen", heißt es in der Studie. Gute Zeiten also für IT-Berater.