Die neue Rolle der IT GmbHs: Auslagerungswelle umgelenkt

27.11.2006
IT-Abteilungen werden wieder ausgegliedert, um Transparenz zu schaffen und Teile besser auslagern zu können.

Die Organisationsform der Konzern-IT steht vor einem enormen Umbruch. Die klassische, als interne Abteilung geführte Einheit ist auf dem Rückzug, das ergab die jährliche Befragung des Beratungshauses SMP AG, Düsseldorf, in Kooperation mit der COMPUTERWOCHE. Diese Entwicklung hat sich bereits im vergangenen Jahr angedeutet, kommt aber schneller voran als erwartet (siehe auch "Das Ende der klassischen IT").

Hier lesen Sie ...

  • warum Unternehmen die IT wieder ausgründen;

  • welche Rolle die interne IT übernimmt;

  • wo Stärken und Schwächen der hauseigenen IT-Dienstleister liegen;

  • warum die interne IT ihre Prozesse überarbeitet.

Holger Neinhaus, SMP AG: "Die IT-Töchter sollen modulare Strukturen entwickeln, um Outsourcing-Optionen zu schaffen."
Holger Neinhaus, SMP AG: "Die IT-Töchter sollen modulare Strukturen entwickeln, um Outsourcing-Optionen zu schaffen."

Das Komplett-Outsourcing erachten die Firmen jedoch nicht als Alternative. Künftig, so die Einschätzung von rund 69 IT-Managern aus Unternehmen wie Mobilcom, Olympus Europa, Rheinmetall AG, ZDF sowie weiteren namhaften Konzernen, werde es zu einer Renaissance der ausgegründeten IT-Töchter kommen. Doch das Wiederaufleben der IT GmbHs hat wenig mit den erfolglosen Aktivitäten der in den Drittmarkt entlassenen IT-Ausgründungen der vergangenen Jahre zu tun. Die wenigsten IT-Töchter konnten in der Kundenakquise außerhalb des Konzernumfelds Erfolge verzeichnen. Wichtige Vertreter dieser Gattung wie Triaton (Thyssenkrupp), RAG Informatik und Gedas (Volkswagen) wurden zurückgepfiffen oder verkauft.

Aus den insgesamt dürftigen Erfahrungen haben viel Unternehmenslenker ihre Schlüsse gezogen. Die neue Ausgründungswelle hat kein Drittmarktgeschäft mehr zum Ziel: "Es geht eher in Richtung Shared Service Center", erläutert Holger Neinhaus, Senior Manager bei SMP. "Die Unternehmen wollen Transparenz und Wettbewerb zu externen Dienstleistern fördern. Außerdem sollen die IT-Tochter modulare Strukturen entwickeln, um Outsourcing-Optionen zu schaffen."

Tim Kruppe, Senior Consultant SMP AG: "Die Konzern-IT übernimmt die Rolle eines Smart-Sourcers."
Tim Kruppe, Senior Consultant SMP AG: "Die Konzern-IT übernimmt die Rolle eines Smart-Sourcers."

Die Auslagerungswelle ist damit nicht obsolet, sie wurde nur umgelenkt. Komplett-Outsourcing-Deals wurden in der Regel über die Köpfe der IT-Leiter und -Abteilungen hinweg betrieben, diese Phase ist weitgehend vorüber. Im Zuge des Trends zum selektiven Outsourcing übernimmt die interne IT nun eine aktive Rolle im Outsourcing-Geschäft. Mit der Ausgründung und damit einhergehende Modularisierung und Transparenz des Angebots lagert sie selbst weniger geschäftskritische Services aus. "Die Konzern-IT übernimmt die Rolle eines Smart-Sourcers und das Kunden-Management", betont Timm Kruppe, Senior Consultant bei SMP.

Den Auslagerungsaktivitäten der Unternehmen bescheinigt die Befragung ein hohes Niveau - gemessen an der Durchdringung von externen Services in den Unternehmen. Weit verbreitet ist demnach der Fremdbetrieb der Anwendungsentwicklung und Netze. Diese Aufgaben lassen knapp die Hälfte der Befragten extern betreiben oder planen den Übergang im kommenden Jahr. Rund vierzig Prozent der Unternehmen Unterhalten Auslagerungsabkommen über die Betreuung der Hardware und Endgeräte sowie über den Betrieb der Telekommunikation. 35 Prozent haben die Rechenzentrumsverantwortung einem Partner übertragen.

Hinter diesen Auslagerungsquoten hinkt das Business Process Outsourcing (BPO) hinterher. Allenfalls mit der Auslagerung des Personalwesens können sich die Unternehmen offenbar anfreunden, bislang lassen es knapp 26 Prozent fremd betreiben, weitere 3,7 Prozent verfolgen entsprechende Pläne. Vor allem der Einkauf bleibt eine Domäne interner Mitarbeiter: 88 Prozent der befragten Unternehmen betreiben ihn intern.

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