Google Glass, iWatch und Co.

Die Nachfolger der Smartphones

Bettina Dobe ist freie Journalistin aus München. Sie hat sich auf Wissenschafts-, Karriere- und Social Media-Themen spezialisiert. Sie arbeitet für zahlreiche Zeitungen und Zeitschriften in Deutschland.
Brillen mit Displays und intelligente Armbanduhren integrieren Technik immer stärker in den Alltag. Läuten neue wearable Devices das Ende der Smartphones ein? Ein Blick auf den Entwicklungsstand der Hersteller klärt auf.
Foto: Google

Gerade noch revolutionierten Smartphones unseren Alltag, schon steht der nächste Hype bevor: Tragbare Technologien, auch wearabel Devices genannt, wie etwa intelligente Brillen und Armbanduhren soll uns IT-basierende Services noch näher bringen. Bis Ende 2013 will Google beispielsweise die Datenbrille herausbringen. Sergey Brin sah man jüngst schon werbewirksam durch New York mit der Datenbrille spazieren.

Anmeldungen, den Prototypen zu testen, nimmt Google schon seit geraume Zeit entgegen. Aber die Konkurrenz schläft nicht, Brother hatte vergangenes Jahr die Brille namens Airscouter angekündigt, verfügt jedoch nicht über die Schlagkraft von Google. Bedeutender erscheint da, was in Microsofts Entwicklungslabors gärt: Dem Vernehmen nach arbeiten Microsofts Forscher an einem AR-Projekt (Augmented Reality) mit einer intelligenten Brille.

Gerücht am Handgelenk

Angeblich ist auch Apple mit dabei: Über iWatch ist wenig bekannt, außer dass sie, falls sie denn existiert, stylisch ist und mit iOS laufen soll. E-Mails zu lesen dürfte angesichts der zu erwartenden Displaygröße allerdings schwierig werden, dafür ist die Uhr aber - vielleicht - auch gar nicht ausgelegt. Apple betonte bereits mehrfach, dass man Gerüchte oder Spekulationen nicht kommentieren wolle, schließlich biete man ein solches Produkt nicht an.

Die i'm watch gibt es schon lang zu kaufen und ist Apple weit voraus.
Die i'm watch gibt es schon lang zu kaufen und ist Apple weit voraus.

Der Konkurrenzkampf um den Platz am Handgelenk hat begonnen, denn auch Samsung arbeitet an einer Computer-Uhr, wie der Konzern nun bestätigt hat. Sony ist dem mit seiner SmartWatch schon lang voraus: Für 150 Dollar ist die Uhr schon zu haben. Auch kleinere Anbieter setzen schon seit Längerem auf Smartwatches.

Smartphones sind bald überholt

Noch ersetzen die Produkte Smartphones nicht. Sie sind auf dem besten Weg dahin. Die Entwicklung, wie Blogger Till Quack von Techblock festgestellt hat, ist bei Smartphones auf einem Plateau angekommen: Einzig größere Displays und noch schnellere und leistungsfähigere Prozessoren sind noch zu erwarten, aber das lockt niemanden mehr vor die Tür. Zudem ist der Sättigungsgrad der Bevölkerung, was Smartphones angeht, bereits sehr hoch. Nichts Neues also für die Branche außer neue Techniken wie Near Field Communication (NFC) und die Jagd nach langlebigeren Akkus? Da kommen die Datenbrille, iWatch und Co. gerade rechtzeitig.

Sie haben nicht nur einen Novelty-Faktor. Die tragbaren Technologien wollen ein Problem lösen, das sich in letzten Jahren verstärkt hat. Bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit wird das Smartphone aus der Tasche gezogen und auf Nachrichten, Status-Updates oder E-Mails überprüft. Die tragbaren Technologien würden das zumindest auf eine andere Stilebene heben, meint Quack. Form und Funktion gehen eine bessere Synthese ein als bisher. In diesem Sinne sind Smartwatch und die Datenbrille dasselbe: Sie lösen die Finger vom Display und befreien die Hände. Dabei stehen beide Produkte erst der Anfang der Entwicklung.

Tragbare Technik als nächste Stufe der Mobility

Wearable Technology wird über kurz oder lang Teile der Smartphone-Welt abschaffen. Sie integriert die Technik noch viel stärker in unser Leben als bisher. Sie wird, wie Brille und Uhr, zum erweiterten Teil des Körpers. Die Technologie wird verschwinden, sie wird zum Hintergrundrauschen geraten. Es ist die nächste Stufe der Mobility. Auch darauf müssen sich Entwickler in den nächsten Jahren einstellen.

Was ist mit Datenschutz?

Dass die Datenbrille somit den Einsatz von Technologie noch mehr als bisher verbirgt, besorgt Datenschützer. Fotos vom Gegenüber unbemerkt zu schießen, ist nun leicht möglich, auch unentdeckt Filmen ist kein Problem, wie Blogger Joshua Topolsky von The Verge im Selbstversuch feststellen konnte. Das Restaurant "The 5 Point Cafe" etwa droht Kunden mit Rausschmiss, die mit Datenbrille auf der Nase hereinkommen.

Aber auch Unternehmen müssen sich darauf einstellen: Können sie schon mit Smartphones und Tablets dem BYOD-Trend kaum Herr werden, wird das mit tragbaren Technologien fast unmöglich. Entscheider müssen sich etwa Gedanken machen, wie sie mit der tragbaren Technologie umgehen. Schließlich wäre das Filmen von geschäftswichtigen Vorgängen oder gar ein Livestream aus dem Meeting damit noch einfacher als vorher.

Effizienteres Arbeiten möglich

Das soll nicht heißen, dass eine Zukunft mit Tragbarer Technologie schlecht sein muss. Die Datenbrille etwa kann eine höhere Flexibilität beim Arbeiten bedeuten und ermöglicht viel bessere Absprachen als bisher. Und tragbare Technologie hat auch sinnvolle Anwendungen, etwa in der Medizin. Integrierte Sensoren könnten die Vitalfunktionen messen und selbstständig im Notfall Rettungskräfte alarmieren.

Dieser Artikel basiert auf einem Beitrag der CW-Schwesterpublikation CIO.de. (mhr)