Glaskugel Mobility

Die Mobilmachung beginnt…

Manfred Bremmer beschäftigt sich mit (fast) allem, was in die Bereiche Mobile Computing und Communications hineinfällt. Bevorzugt nimmt er dabei mobile Lösungen, Betriebssysteme, Apps und Endgeräte unter die Lupe und überprüft sie auf ihre Business-Tauglichkeit. Bremmer interessiert sich für Gadgets aller Art und testet diese auch.
Nachdem das Grundgerüst gelegt ist, könnte mobiles Arbeiten in den nächsten Jahren dank neuer Formfaktoren und Techniken benutzerfreundlicher und effektiver werden.
2012: Das Jahr in dem wir effektiv mobil arbeiten können?
2012: Das Jahr in dem wir effektiv mobil arbeiten können?

Heutzutage findet man kaum eine Trendstudie, in der nicht Bezug auf Mobiles Arbeiten oder allgemein Mobilität genommen wird. Die Zukunft sei mobil, so der Tenor, immer mehr Anwender wollen künftig in der Lage sein, ihre Aufgaben auch unterwegs mit ihrem mobilen Endgerät zu erledigen. Dabei wird häufig der Anschein erweckt, der Zugriff auf alle Ressourcen des Arbeitgebers sei von überall problemlos via Smartphone oder Tablet möglich.

Theorie und Praxis divergieren

Betrachtet man indes den Status quo, liegen Anspruch und Wirklichkeit noch immer meilenweit auseinander: Konnektivitätsprobleme wie mickrige Bandbreiten und eine lange Latenzzeit machen den Remote-Zugriff auf Daten im Unternehmensnetz zur Geduldsprobe und auch die aufkeimenden Cloud-Services oder Virtualisierung sind schwer zu nutzen, wenn man über den Flaschenhals Mobilfunk auf Inhalte zugreifen muss. Doch selbst bei gutem Empfang, etwa in der Nähe eines WLANs, ist die Produktivität von Smartphone und Tablet eingeschränkt, sei es aufgrund von zu kleinen Displays, fehlender phyischer Tastatur und anderen Hardware-Handicaps. Softwareseitig bieten viele Apps zwangsläufig eine eingeschränkte Funktionalität gegenüber der Desktop-Version.

Eingeschränkte Funktionalität

Letztendlich, da sind sich die meisten Mobility-Spezialisten einig, eignen sich Smartphones im Business-Umfeld primär nur für PIM-Anwendungen (Personal Information Management). Und auch Tablets können heute Notebooks oder Desktop-PCs nicht vollständig ersetzen - selbst eingefleischte iPad-Nutzer kapitulieren spätestens dann, wenn man ihnen einen USB-Stick oder eine SD-Card mit wichtigen Daten in die Hand drückt.

Ganz werden die geschilderten Widrigkeiten wohl nie verschwinden. Es gibt jedoch Anzeichen dafür, dass einige Probleme in naher Zukunft entschärft werden.

LTE wird langsam flügge

Noch ist LTE eher als DSL-Ersatz in ländlichen Gebieten interessant.
Noch ist LTE eher als DSL-Ersatz in ländlichen Gebieten interessant.

So könnte etwa die LTE-Technik (Long Term Evolution), für die 2012 auch in Europa erste Tablets und (möglicherweise) Smartphones angeboten werden, eine deutliche Verbesserung in Sachen Konnektivität bringen. Die 4G-Technik verspricht im Labor bis zu 100 Mbit/s Bandbreite - der tatsächliche Datendurchsatz pro Zelle (Shared Medium) liegt allerdings bestenfalls über 50 Mbit/s, falls der Backbone dies überhaupt hergibt. Interessanter ist allerdings die sehr niedrige Latenzzeit von unter 30 Millisekunden - der Wert entscheidet über Lust und Frust bei Echtzeit-Anwendungen wie Videotelefonaten oder aber Citrix-Sessions.

In den USA, wo die ersten LTE-Devices bereits Anfang 2011 vorgestellt wurden, häufen sich jedoch die Berichte über den extremen Stromhunger der Geräte - mitschuld daran sind die zwei aktiven Funkverbindungen für Sprache und Daten, zählt man WLAN hinzu, sind es sogar drei. Solange Techniken wie VoLTE (Voice over LTE) noch nicht implementiert sind, die dieses Problem entschärfen, kann es allein wegen der leistungsstärkeren Akkus von Vorteil sein, wenn in Europa zunächst nur 4G-Tablets auf den Markt kommen.

Das erste Tablet mit Quad-Core-Prozessor: Asus EeePad Transformer Prime
Das erste Tablet mit Quad-Core-Prozessor: Asus EeePad Transformer Prime
Foto: Asus

Angesichts der theoretisch steigenden Bandbreiten ist es durchaus zu begrüßen, dass die Hersteller durch die Bank weiter an der Leistung der mobilen Endgeräte schrauben. Nach Chipsätzen mit zwei CPUs und bis zu 1,5 Gigahertz Taktung werden nun auch die ersten Quad-Core-Modelle (plus Companion-Core) wie bei Nvidias Tegra-3-Plattform verbaut - primär auf Tablets wie dem "Eee Pad Transformer Prime" von Asus. Während mehr Prozessorkerne nicht automatisch und bei allen Anwendungen für einen Leistungsschub sorgen, wirken sie sich zumindest positiv auf die Akku-Laufzeit aus, da einzelne Kerne bei Nichtbedarf abgeschaltet werden können.