Die Messe schwimmt gegen den Strom

Kriemhilde Klippstätter ist freie Autorin und Coach (SE) in München.
Auf der CeBIT ist in diesem Jahr Stromsparen ein wichtiges Thema. Die COMPUTERWOCHE ist der Frage nachgegangen, ob sich die Hersteller selbst darum bemühen, ihren Messestand mit möglichst wenig Energie zu betreiben.

Mika Kotro, Marketing-Manager der EMC Deutschland GmbH und auch verantwortlich für den Messestand in Hannover, prüft die Stromrechnung für die Messetage genau: "Im vergangenen Jahr waren wir überrascht, als uns für die rund 7000 Kilowattstunden mehr als 24 000 Euro berechnet wurden, aber das war natürlich ein Rechenfehler." Tatsächlich musste EMC nur rund 1400 Euro für den Energieverbrauch des Messestands in Halle 1 zahlen. EMC hatte zwar um die 40 PC-Server installiert und laufen lassen, aber die meisten gezeigten Exponate des Herstellers hingen nicht an der Steckdose. "Funktions- und Lasttests der Speichersysteme zeigen wir lieber in unseren Testcentern als auf der Messe", erklärt der Manager.

Für Kotro spielen der Stromverbrauch in Hannover und die Kosten dafür eher eine untergeordnete Rolle: "Im Vergleich zu den Gesamtkosten des Messeauftritts fallen die Stromkosten kaum ins Gewicht." Allerdings achte EMC schon darauf, dass der Messestand zumindest in der Nacht nicht unter voller Beleuchtung stehe. Mit Stromsparlampen will Kotro allerdings nicht arbeiten. Die seien nicht dazu geeignet, die Exponate ins rechte Licht zu setzen. Dafür taugten eher Spots, auch wenn die den Stromzähler schneller laufen lassen.

Wilfried Frewert
Wilfried Frewert
Foto: Wilfried Frewert

Für die Messe AG ist die CeBIT auch eine Herausforderung in puncto Energieversorgung. Das Messegelände wird zur CeBIT nicht nur zu einer eigenen Stadt mit Friseur, Transportsystem und Kneipen, es verfügt auch über die entsprechende Energieinfrastruktur: 150 eigene Transformatoren stellen 70 000 Kilowatt Strom bereit. Im Jahr 2005 kalkulierte die Messe nur mit 49 000 Kilowatt. Während der Messe und der Aufbautage wurden vor zwei Jahren 5,4 Millionen Kilowattstunden verbraucht. Die Hannoveraner Messeverwaltung rechnet für dieses Jahr mit einem ähnlich hohen Energiebedarf.

"Der Stromverbrauch sinkt automatisch dadurch, dass sich die Technik in diesem Punkt verbessert hat", meint Wilfried Frewert, Director Marketing Fairs und Events bei Fujitsu-Siemens Computers. Der Messeprofi, der mit seinem Team rund 350 Veranstaltungen pro Jahr zu bewerkstelligen hat, schätzt, dass sich der Energiebedarf auf dem CeBIT-Stand seiner Firma in den vergangenen drei Jahren um die Hälfte reduziert hat. In diesem Jahr müssen während der Messe Stromkabel für rund 200 Client-Rechner und 60 bis 70 Server gezogen werden. Die moderne Stromspartechnik in den Rechnern führe dazu, dass weniger Wärme abgegeben werde und deshalb auch die Klimaanlagen kürzer laufen müssten.

Aber nicht nur die ausgestellten IT-Exponate mit neuer Prozessortechnik und energiesparendem Design helfen, Energie einzusparen. Auch die Beleuchtung trägt dazu bei. Frewert ging schon seit einiger Zeit dazu über, statt herkömmlicher Glühbirnen neue Lichttechnik zu verwenden: LEDs (Light Emitting Diode) und "RGB"-Wannen (Leuchtstoffwanne für Rot, Grün, Blau) werden eingesetzt, wo es geht. Diese Leuchtmittel benötigen weniger Strom und haben einen zweiten Vorteil, den der Manager schätzt: Sie werden nicht so heiß und geben weniger Wärme ab.

Citrix Messestand 2006
Citrix Messestand 2006

Das spüren auch die Mitarbeiter: "Es werden ja nicht nur die Exponate beleuchtet, sondern auch das Standpersonal." Früher sei es schon passiert, dass ein Mitarbeiter, der den ganzen Tag am Messestand tätig und permanent der Wärme ausgesetzt war, gesundheitliche Probleme bekam. "Die standen ja den ganzen Tag quasi auf einer Bühne." Dank der neuen Lichttechnik komme so etwas jetzt zum Glück nicht mehr vor. Auch Frewert schaltet über Nacht am fest installierten Messestand in Halle 1 nur eine Art Notbeleuchtung ein. Früher blieben die Lichter rund um die Uhr an. Auch die Aufzüge, die zu den Trelementen auf dem Dach der Halle 1 führen, sperrt Frewert ab, sobald das Reinigungspersonal mit dem Putzen fertig ist.

Für den Manager macht Stromsparen aber nur einen Teil des gesamten Umweltschutzkonzepts von Fujitsu-Siemens aus: "Wir nehmen den Umweltschutz sehr ernst und verpflichten auch die Lieferanten dazu, unsere Richtlinien einzuhalten." Frewert schult einmal im Jahr seine Mitarbeiter in umweltgerechtem Verhalten und erstellt ein Umwelt-Audit. Wie viel Geld der Manager mit Energiesparmaßnahmen während der CeBIT für sein Unternehmen sichert, wollte Frewert nicht genau beziffern, aber "mit Umweltschutz kann man schon sparen".