Die Macht der Weihnachtsmaenner

05.11.1993

Dieses November-Wochenende bietet sich geradezu dazu an, die ersten vorweihnachtlichen Geschenkeinkaeufe zu taetigen - unter adventlichen Druck will sich Trauerwein nicht setzen lassen. In einem speziellen Fall kann der Vorlauf nicht lang genug sein: Es geht - soweit ist Sebastian immerhin schon - um ein Langspielplatten-Album fuer einen naeheren Verwandten, der CDs partout nicht mag und obendrein ambivalente Musikwuensche hat, in die man sich erst hineinfuehlen muss. Wo liegt das Problem, werden Sie fragen? Mit Musicals kann man nichts falsch machen. Weiss Trauerwein auch. Aber darum geht es gar nicht. Wuesste man, welchen Plattenspieler der zu Beschenkende besitzt, so fiele die LP- Kaufentscheidung leicht. Der Plattenverkaeufer kann einem da auch nicht helfen. Eine unmoegliche und hoechst alberne Geschichte, werden Sie jetzt denken, so bloed war die Unterhaltungselektronik- Branche nie, ihre Kunden ueber die Abspielmoeglichkeiten lange im unklaren zu lassen. Stimmt auffallend. Freilich ist es eine Utopie, von der DV-Industrie die gleiche Einsichtsfaehigkeit zu erwarten. Bald gibts bei Aldi nicht nur die Applikationen, die die Kunden ja wirklich wollen, sondern auch die Ablaufumgebungen, also NT und OS/2 - womoeglich im Sechserpack. Aber wer kaeme schon auf die Idee, Drehmotoren fuer Plattenspieler separat zu kaufen? Bill Gates und IBMs Jim Cannavino muten uns das zu. Die Macht der Weihnachtsmaenner ist beneidenswert. Aber wer glaubt schon noch an den Weihnachtsmann!