Open-Source

Die Linux-Woche im Rückblick

Jürgen Donauer war als Systemadministrator zunächst für Informix und später IBM tätig. Dann verschlug es ihn in das Rechenzentrum von Media-Saturn. Dort kümmerte er sich mitunter um die Webserver, Datenbankanbindungen und den Online-Shop. Anschließend war er als Redakteur im Bereich Linux für TecChannel tätig. Derzeit arbeitet Jürgen Donauer als freier Autor für TECCHANNEL und COMPUTERWOCHE sowie als Privatdozent.
Ein neuer Kernel spart Strom und Canonical stellt ein Bunsiness-Ubuntu vor. openSUSE lässt sich lieber Bier brauen und NVIDIA unterstützt mit einem neuen Treiber X.Org-Server 1.12.

Die COMPUTERWOCHE zeigt die wichtigsten Neuerungen in KW 6 in Sachen Linux. In Sachen Linux-Kernel gibt es nicht nur neue stabile Ausgaben, die sich um das ASPM-Problem kümmern, sondern auch einen neuen Release-Kandidaten für Version 3.3.

Des Weiteren sind diese Woche einige interessante Distributionen erschienen, von denen sich eine als "extreme Rolling" bezeichnet. Ubuntu will es Business-Nutzern einfacher machen.

Linux-Kernel 3.3-rc, 3.2.5 und 3.0.20

Seit letztem Jahr und eigentlich seit Kernel 2.6.38 gab es ein Stromspar-Problem im Linux-Kernel. Genau gesagt handelt es sich um ASPM (Active State Power Management). Das reguliert den Energiebedarf der Geräte.

Normalerweise meldet das Gerät über das BIOS, ob ASPM aktiv oder nicht sein soll. Nur funktionierte das nicht reibungslos und im Kernel wurde daher ASPM per Standard deaktiviert. Das führte aber zu höherem Stromverbrauch und wirkt sich natürlich negativ auf die Akkulaufzeiten von Notebooks aus.

Red Hats Matthew Garret hat nun einen Patch geschrieben. Der ASPM-Status wird nicht mehr nach dem Melden des BIOS behandelt, sondern wenn die PCIe-Kontrolle dem Betriebssystem übergeben wird. Dies sei zwar nicht 100 Prozent wasserdicht, weil es praktisch keine öffentliche Dokumentation über ASPM gibt. Ein Thinkpad X220 brauchte im Leerlauf damit fünf Watt weniger. Sie finden dazu auch genauere Informationen in den Chagenlogs zu Kernel 3.0.20 und 3.2.5.

Umso beruhigender ist es, dass es beim dritten Ausgabe-Kandidaten des Linux-Kernel 3.3 laut Linus Torvalds überhaupt keine besonderen Vorkommnisse gibt.

Ubuntu stellt Ubuntu Business Desktop Remix vor

Die Unterstützung für Kubuntu wurde offiziell eingestellt und in die Hände der Community gelegt. Nun hat Canonical allerdings einen weiteren Zweig angekündigt. Mark Shuttleworth stellt Ubuntu Business Desktop Remix vor.

Allerdings wolle man kein RHEL erschaffen, weil man mit LTS schon eine Business-taugliche Distribution habe. Sämtliche Software sei auch im Software Center erhältlich. Man habe beobachtet, welche Software Business-Anwender am öftesten installieren und diese nun zu einem Paket geschürt, das auf Ubuntu 11.10 basiert.

Zum Beispiel sind in dieser Ubuntu-Version OpenJDK 6, Canonical Landscape, VMware View und Adobe Flash Plugin schon vorinstalliert.

Allerdings ist vor einem Download eine Registrierung notwendig. Der Grund dafür ist, dass manche Programme der Zustimmung einer EULA bedürfen. Mit der Registrierung könnte man all diese EULAs auf einen Streich abhandeln. Ubuntu Business Desktop Remix ist derzeit nur als 32-Bit-Version verfügbar.

Extreme Rolling: Sabayon Linux 8

Sabayon Linux ist eine Anwender-freundliche Linux-Distribution, die auf Gentoo basiert. Die Entwickler wollen Anwendern eine "Out of the Box"-Erfahrung zu Teil werden lassen und stellen gleich eine ganze Reihe an verschiedenen Geschmacksrichtungen bereit. Insgesamt gibt es sechs unterschiedliche Ausgaben für jeweils die Architekturen x86 und x86_64.

Alle Ausgaben haben Linux-Kernel 3.2 an Bord. Die Anwender-Versionen bringen als Desktop-Umgebung KDE 4.7.4, GNOME 3.2.2 oder Xfce 4.8 mit sich. KDE 4.8 befindet sich derzeit im Testing-Repositoriy. Das von Linux Mint entwickelte Cinnamon und Razor Qt können Anwender ebenfalls online nachinstallieren. LibreOffice haben die Entwickler ein Update auf Ausgabe 3.4.4 spendiert. Ebenso wurde auf Java 7 und Subversion 1.7 migriert. Über das Software-Lager haben Anwender Zugriff auf über 12.000 Pakete.

Durch XBMC können Sie Sabayon Linux mit nur einem Klick in eine Media Center verwandeln. Derzeit ist Ausgabe 10.1 an Bord, Version 11.0 soll aber in Kürze verfügbar sein.

Native Unterstützung gibt es für das Dateisystem btrfs. Die Entwickler bezeichnen Sabayon Linux 8 als "Extreme Rolling". Dank Entropy Matter würde die Repository-paket-Version automatisch immer auf die neueste Version aktualisiert. Theoretisch muss ein Anwender bei einer Rolling Distribution niemals neu installieren.

Des Weiteren liefern die Entwickler die Versionen SpinBase, ServerBase und CoreCDX aus. Die beiden ersten sind Basis-Systeme, mit denen sich Anwender komplett eigene Distributionen zusammenstellen können. ServerBase bringt allerdings einen für Server optimierten Kernel mit sich. CoreCDX ist für Fluxbox-Fans.

Neuer NVIDIA-Treiber mit Unterstützung für X.Org-Server 1.12

NVIDIA hat einen Beta-Treiber 295.17 zur Verfügung gestellt. Im Prinzip gibt es nur zwei Neuerungen. Ein Fehler im Zusammenhang mit diversen Notebooks und der GeForce-7-Serie wurde ausgemerzt. Viel wichtiger ist aber, dass der Treiber nun mit X.Org-Server 1.12 umgehen kann.

openSUSE mit eigenem Gerstensaft und Unterstützung für Debian 5.0 "Lenny" endet

Die openSUSE-Gemeinschaft lässt sich von der Klosterbrauerei Weißenhohe ein eigenes Pils brauen. Old Toad wird allerdings nicht im freien Handel verkauft, sondern soll auf Veranstaltungen als Erfrischung dienen - so lange der Vorrat reicht.

Die offizielle Unterstützung für Debian 5.0 "Lenny" wurde am 6. Februar 2012 eingestellt. Nach der Firmenpolitik geschah das genau ein Jahr nach Veröffentlichung von 6.0 "Squeeze". Ab diesem Zeitpunkt gibt es keine Sicherheits-Updates mehr. Frühere Sicherheits-Aktualisierungen sind allerdings weiter unter security.debian.org verfügbar. (ph)