Open-Source

Die Linux-Woche im Rückblick

Jürgen Donauer war als Systemadministrator zunächst für Informix und später IBM tätig. Dann verschlug es ihn in das Rechenzentrum von Media-Saturn. Dort kümmerte er sich mitunter um die Webserver, Datenbankanbindungen und den Online-Shop. Anschließend war er als Redakteur im Bereich Linux für TecChannel tätig. Derzeit arbeitet Jürgen Donauer als freier Autor für TECCHANNEL und COMPUTERWOCHE sowie als Privatdozent.
Nachdem es letzte Woche viele Neuerungen in Sachen Linux-Server gab, stehen diese Woche die Desktops im Vordergrund.

Die COMPUTERWOCHE zeigt die wichtigsten Neuerungen in KW 52 in Sachen Linux. So kurz vor dem Jahreswechsel ging es eher gemächlich in der Linux-Welt zu. Es gibt aber dennoch einige interessante Distributionen, die knapp vor 2012 noch debütierten.

Semplice Linux 2.0.0 "emily"

Diese Linux-Distribution basiert auf Debians Unstable-Zweig "Sid". Wie das schon vermuten lässt, kann es hier zu Komplikationen kommen und die Entwickler warnen auch vor einem Einsatz in produktiven Umgebungen. Wer aber am Puls der Zeit sein möchte, für den ist Semplice 2.0.0 bestimmt eine gute Referenz in Richtung Zukunft.

Die Distribution bringt OpenBox 3.5.0 als Fenster-Manager mit sich. Als Herzstück dient der recht aktuelle Linux-Kernel 3.1.6. Die 32-Bit-Version benutzt dabei Debians 486-kernel. Dieser unterstützt kein PAE oder mehr als einen CPU-Kern. Anwender können aber den 686-Kernel nachinstallieren.

Des Weiteren befinden sich Chromium 15.0.874.121, Exaile 0.3.22 und GNOME MPlayer 1.0.4 an Bord. Als Office-Programme sind Abiword 2.9.1 und Gnumeric 1.10.17 enthalten. Für den Chat zwischendurch dient Pidgin Internet Messenger 2.10.1. Sie finden diese Informationen auch in den Ausgabe-Notizen. ISO-Abbilder gibt es bei sourceforge.net.

Netrunner 4.0

Dieser Kubuntu-Abkömmling eignet sich gut für den Desktop-, Notebook- oder Netbook-Einsatz. Die Basis ist Kubuntu 11.10. Allerdings liefern die Entwickler eine ganze Reihe Zusatz-Software mit aus, die dem Anwender das Leben leichter machen. Dazu gehören zum Beispiel Vide- und Audio-Codecs, die eine "Funktioniert sofort"-Erfahrung ermöglichen.

Auch die Menü-Struktur ist klassisch gehalten und die Programmliste öffnet sich mit einem Klick auf Links Unten. Als Produktiv-Pakete sind unter anderem LibreOffice 3.4.4, Mozilla Firefox 7.0.1 und Thunderbid 7.01, Skype, VLC Media Player, Gimp und VirtualBox enthalten. Auch der Cloud-Dienst Dropbox ist bereits vorinstalliert. Für Firefox gibt es darüber hinaus noch einige Erweiterungen, die das Surfen durch das Internet angenehmer machen sollen.

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Netrunner 4.0 eignet sich gut für Umsteiger und Anfänger. Nach einer Installation funktioniert das Meiste einfach so und der Nutzer muss keine Zeit verschwenden, Codecs oder andere Pakete nachzuinstallieren. Gerade Anfänger haben oft ein Problem mit den Paket-Namen. Sie wissen zwar, was sie haben möchten, finden es aber nicht. Von daher ist das gut bestückte Netrunner 4.0 eine gute Alternative. Die Installation lässt sich auch auf Deutsch durchführen.

Sie finden weitere Informationen in den Release-Notizen der Distribution. Download-Links gibt es in der offiziellen Ankündigung.

Calculate Linux 11.12

Die auf Gentoo basierende Distribution kommt traditionell in vielen Geschmacksrichtungen. Das ändert sich auch für Ausgabe 11.12 nicht. Die Entwickler liefern Calculate Directory Server (CDS) als Server-Option. Die Varianten KDE (CLD), GNOME (CLDG) und Xfce (CLDX) sind für den Desktop-Einsatz gedacht, Calculate Media Center (CMC) ist ein komplettes Media-Zentrum. Calculate Linux Scratch (CLS) und Calculate Scratch Server (CSS) sind minimale Versionen, die als Grundlage für Eigenbauten dienen können.

Die neueste Version soll vor allen Dingen in Sachen Aktualisierung der Portage-Bäume an Geschwindigkeit gewonnen haben. Dies erklären die Entwickler mit dem Umstieg auf Git. Ebenso gibt es Unterstützung für PXE-Starts und Anwender können durch die Übergabe eines speziellen Parameters den bevorzugten E/A-Scheduler wählen.

Sie finden weitere Informationen und einen groben Überblick der jeweils enthaltenen Pakete in der offiziellen Ankündigung. ISO-Abbilder für die Architekturen i686 und x86_64 finden Sie im Download-Bereich der Projektseite. Für alle Versionen stehen auch Torrent-Dateien zur Verfügung.

TinyCore Linux 4.2

TinyCore Linux ist eine sehr kleine Linux-Distribution mit gerade mal 11,9 MByte. Sie bringt aber eine grafische Oberfläche mit sich. Dabei ist TinyCore die mittlere im Bund von drei Geschmacksrichtungen. Der Kernel und core.gz bringen zusammen acht MByte auf die Waage. Hier handelt es sich aber lediglich um den Kern. MultiCore wurde zu CorePlus und bringt mehr als einen Fenster-Manager mit sich. Letztere ist 48 MByte groß. Sie beinhaltet auch eine WiFi-Manager und eine einfache Möglichkeit, das Betriebssystem auf einen USB-Stick zu installieren.

Mittels App Browser lassen sich diverse bekannte Open-Source-Pakete nachinstallieren. Eigentlich unnötig zu erwähnen, dass diese Linux-Variante sehr schnell startet. Das Betriebssystem ist recht rudimentär, aber als Surfstation oder für den Einsatz auf älterer Hardware wohl durchaus geeignet. Die offizielle Ankündigung ist hier zu finden und ISO-Abbilder gibt es bei ibiblio.org. Wo sich andere Betriebssysteme mit GBytes aufblähen, geht Robert Shingledecker, bekannt von Damn Small Linux, den Weg des Minimalismus.

Superb Mini Server 1.6.3

Für die auf Slackware basierende Server-Distribution gibt es eine Aktualisierung. Unter anderem ist Kernel 2.6.39.4 an Bord. Die Philosophie dieses Betriebssystems ist, mit möglichst wenig Aufwand, einen möglichst kompletten Server zu haben.

Ist das System erst installiert, lässt es sich bequem via Webbrowser und Webmin administrieren. Sie finden die komplette Prominenz der Open-Source-Server-Dienste in Superb Mini Server. Um nur einige zu nennen, sind Apache, MySQL, Samba, BIND, OpenLDAP und Squid enthalten. Superb Mini Server 1.6.3 ist für die Architekturen x86 und x86_64 verfügbar.