Ubuntu 12.04, Clonezilla, Torvalds

Die Linux-Woche im Rückblick

05.12.2011
Wir präsentieren die wichtigsten News der vergangenen Woche in Sachen Linux und Open Source, darunter die erste Alpha von Ubuntu 12.4.

Neugierige dürfen ab sofort einen ersten Blick auf die Long-Term-Support- (LTS-)Variante Ubuntu 12.04 "Precise Pangolin" werfen. Wer kostenlos Klonen möchte, kann sich über eine neue Version von Clonezilla freuen. Diese hat eine spezielle tolle neue Funktion.

Ubuntu 12.04 Alpha 1

Die Entwickler haben eine erste Alpha-Ausgabe des "präzisen Schuppentiers" Ubuntu 12.04 zur Verfügung gestellt. Im April soll daraus die stabile neue Version mit Langzeitunterstützung hervorgehen. Wichtig für Desktop-Anwender ist, dass auch die Anwender-Variante ab dann fünf Jahre mit Aktualisierungen und Sicherheits-Updates versorgt wird. Dieses Privileg blieb bislang nur der Server-Version vorenthalten.

Die Testversion bringt Linux-Kernel 3.2.0-2.5 mit sich. Dieser basiert wiederum auf dem dritten Release-Kandidaten von Kernel 3.2. Die Entwickler haben sich für die 64-Bit-Variante entschlossen, keinen separaten Desktop- und Server-Kernel mehr zu verwalten. Die beiden wurden zusammengelegt. Somit verringert sich laut eigener Aussage auch der Wartungs-Aufwand.

Ebenso nennenswert ist die Kehrtwende in Sachen Audio-Player. Nach einem Gastspiel von nur einer Distribution muss Banshee wieder Platz machen. Die ausgewechselte Software Rhythmbox ist plötzlich wieder erste Wahl.

Wer sich traut und Fehler in Kauf nimmt, kann seine bisherige Ubuntu-Installation einfach aktualisieren. Hierfür rufen Sie in einem Terminal einfach update-manager -d auf. Wahlweise können Sie den Befehl auch nach der Tastenkombination Alt+F2 eingeben. Nun vermeldet das System, dass die neue Ausgabe 12.04 bereitsteht und Sie können online aktualisieren. Je nach Internet-Verbindung kann das aber eine Weile dauern.

Ob es eine stabile ARM-Version geben wird, ist noch nicht entschieden. Sobald der so genannte "Feature Freeze" in Kraft getreten ist, werden die Entwickler noch einmal die Köpfe zusammenstecken. Dann will man beratschlagen, ob die ARM-Version bereit ist oder nicht.

Neben ersten Alpha-Ausgaben für Ubuntu Desktop und Server gibt es noch Abbilder für folgende weitere Testversionen: Ubuntu Cloud Server und EC2, Xubuntu, Edubuntu und Lubuntu. Von Kubuntu 12.04 Alpha 1 ist allerdings noch nichts zu sehen. Eine technische Übersicht zu 12.04 Alpha 1 finden Sie im Ubuntu-Wiki.

Clonezilla Live 1.2.11-23

Diese auf Debian basierende Linux-Distribution hilft bei Masseninstallationen. Sie tut genau das, was der Name schon vermuten lässt: Exakte Abbilder von Massenspeichern oder Partitionen klonen. Die Basis von Clonezilla 1.2.11-23 bildet Debian Sid mit Stand 28. November 2011.

Neben Updates auf Kernel 3.1.1-1, Partclone 0.2.38 und Gdisk 0.8.1 gibt es eine besondere neue Funktion: 1-2-mdisks. Dieses nette Extra ermöglicht das Klonen eines Abbilds auf mehrere Datenträger gleichzeitig. Besonders gut eignet sich das zum Beispiel bei der Massenfertigung von USB-Sticks.

Des Weiteren unterstützt die neueste Version das Klonen von VMFS5. Eine ebenfalls neue Option lässt sich benutzen, um das System nach einem abgeschlossenen Klonvorgang herunterzufahren oder neu zu starten. Laut eigener Aussage wurde GRUB 2 in Sachen EFI so weit verbessert, dass sich ein Mac nun von einem USB-Gerät starten lässt. Weiterhin wurde das Tool cpufrequtils aufgenommen.

Clonezilla 1.2.11-23 gibt es für die Architekturen i486, i686 (mit PAE-Kernel) und amd64. Sie finden die ISO-Abbilder im Download-Bereich des Projekts.

Linus Torvalds lobt GNOME 3 und stichelt gegen die Entwickler

Linus Torvalds ist ja gemeinhin bekannt, auch mal etwas kantig zu sein und drückt dies dann dementsprechend aus. Zunächst einmal hat sich der selbsternannte GNOME-Verweigerer auf seiner Google- Plus-Seite positiv über GNOME 3.2 geäußert. Genau genommen hat er die nun publik gemachten Erweiterungen und das gnome-tweak-tool gelobt. Damit sei die Desktop-Umgebung ja fast brauchbar, sagte der Linux-Vater.

Eine verbale Ohrfeige gibt es für die Entwickler trotzdem. Erstens gehörten diese Erweiterungen in die Standard-Installation, so Torvalds. Man könne sie ja deaktiviert lassen, aber der Anwender sollte die Extensions leicht finden und aktivieren können.

Oder würde das Versteckspiel etwa geschehen, weil die Entwickler nicht offen zugeben wollten, dass sie mit ihrer Strategie falsch gelegen haben, hinterfragt er schelmisch.

Vor kurzer Zeit tönte Torvalds noch, dass er mittlerweile Xfce benutzt und dass endlich einer den GNOME-3-Saustall forken soll. Wenn das einer so sagen darf, dann sicher Linus Torvalds. Schließlich haben nicht die Schweizer, sondern ein Finne Linux erfunden.

Die Distrowatch-Affäre

In der letzten Woche haben nicht nur deutsch- sondern auch englischsprachige Medien berichtet, dass Linux Mint nun die Nummer Eins ist und Ubuntu verdrängt hat. Als Quelle wurde in erster Linie Distrowatch genannt.

Die Sache hat aber einen Haken. Distrowatch zählt lediglich die Besucher der Seite. Es registriert einen Treffer pro IP-Adresse pro Tag. Nach Aussage des Betreibers ist diese Statistik in keiner Weise aussagekräftig in Bezug auf die tatsächlichen Marktanteile einer Linux-Distribution. Dass die Popularität von Linux Mint zugenommen hat, ist unbestritten. Ob Mint aber häufiger eingesetzt wird als Ubuntu darf bestritten werden. Server-Versionen werden zum Beispiel gar nicht auf Distrowatch gezählt und Ubuntus direkte Ableger sind alle einzeln gelistet. (wh)

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