Open Source

Die Linux-Woche im Rückblick

26.09.2011 | von Jürgen Donauer
Wie üblich hat sich in der vergangenen Woche einiges auf dem Linux-Sektor getan. Zum Beispiel gibt es eine neue Knoppix-Ausgabe und eine zweite Beta von Oneiric Ocelot.
Linux-Wochenrückblick.
Linux-Wochenrückblick.

Die COMPUTERWOCHE präsentiert die wichtigsten Neuerungen der vergangenen Woche in Sachen Linux. Von Desktop- über Firewall- bis zu Server-Distributionen - es ist für jeden Anwender etwas dabei.

Besorgt zeigte sich diese Woche der Linux-Entwickler Matthew Garrett. Microsoft hat "Secure Booting" präsentiert. Damit wird über die Firmware des Rechners gesteuert, dass nur noch Betriebssysteme mit einer digitalen Unterschrift gestartet werden können. Wer als Hardware-Hersteller das Logo von Windows 8 verwenden möchte, müsste diese Funktion anbieten.

Dieser Schritt könnte verhindern, dass sich Linux oder andere Betriebssysteme mit diesen Rechnern starten lassen - eben Systeme ohne digitales Zertifikat. Garrett schreibt allerdings, dass es noch keinen Grund zur Panik gibt. Beobachten sollte man die Situation aber dennoch.

Ubuntu 11.10 "Oneiric Ocelot" Beta 2

Die Entwickler von Ubuntu haben eine zweite Beta-Ausgabe von Oneiric Ocelot zur Verfügung gestellt. Zu den Änderungen gegenüber Beta 1 gehören GNOME 3.1.92, was dem Release-Kandidaten von GNOME 3.2 entspricht.

Ebenso sollen bald Community-unterstützte Abbilder für ARM zur Verfügung stehen. OneConf haben die Entwickler in das Ubuntu Software Center integriert. Damit können Anwender installierte Anwendungen über mehrere Rechner synchronisieren.

Ebenso wurde die Unterstützung für 32-Bit-Applikationen und -Bibliotheken auf 64-Bit-Systemen verbessert. Oneiric Ocelot Beta 2 bringt ein auf Kernel 3.0.4 basierendes Herzstück mit sich.

Die Mutter der Live-Distribution: Knoppix 6.7.1

Klaus Knopper hat eine neue Ausgabe von Knoppix zur Verfügung gestellt. Eine der sichtbarsten Neuerungen ist das Hinzufügen des Programms eViacam. Anwender können damit den Mauszeiger mit dem Kopf steuern. Voraussetzung ist natürlich eine Webcam.

Des Weiteren musste OpenOffice.org weichen. Die Bürosoftware der Wahl heißt nun wie bei vielen anderen Linux-Distributionen LibreOffice (Version 3.4.3). Die auf der Live-DVD enthaltenen Webbrowser sind Firefox 6.0.2 und Chromium 13.0.782.220.

Als Herzstücke dienen Linux-Kernel 3.0.4 und X.Org Server 1.11. Das Audio Desktop Reference Implementation And Networking Environment (A.D.R.I.A.N.E.) wurde auf Version 1.4 aktualisiert. Letztere Software soll Computer-Anfängern das Arbeiten erleichtern, die keinen direkten Blick zum Bildschirm haben.

Mittels Start-Option knoppix64 können Anwender einen 64-Bit-Kernel starten. Dieser kann mit mehr als vier GByte Arbeitsspeicher umgehen. Alle Neuerungen und Änderungen beschreibt Knopper in der Anküdigung. DVD- und CD-ISO-Abbilder auch speziell in Deutsch können Sie von einem der Spiegel-Server herunterladen.

Rolling-Distribution: Linux Mint 201109 "Debian GNOME" und "Debian Xfce" (LMDE)

Rolling Distribution.
Rolling Distribution.
Foto: Jürgen Donauer

Neben der normalen Mint-Ausgabe, die sich in der Regel an der aktuellen Ubuntu-Version orientiert, stellen die Entwickler auch eine auf Debian basierende Version bereit. Hierbei handelt es sich um eine so genannte Rolling Distribution. Anwender haben den Vorteil, dass sie theoretische niemals neu installieren müssen. Die Online-Updates sorgen dafür, dass das Betriebssystem auf dem aktuellen Stand ist.

Das Mint-Team versucht, LMDE genauso aussehen zu lassen, wie die auf Ubuntu basierenden Systeme und auch die spezielle Mint-Erweiterungen einzupflegen.

Laut Aussage der Entwickler ist LMDE sogar schneller als Linux Mint. Debian ist aber in der Regel weniger anwenderfreundlich.

Linux Mint 201109 "Debian GNOME" und "Debian Xfce" gibt es für die Architekturen x86 und x86_64. Sie finden alle Informationen im Mint-Blog. ISO-Abbilder gibt es hinter diesem Link.

The Amnesic Incognito Live System (TAILS) 0.8 sorgt für Privatsphäre im Internet

Talis sorgt für Privatsphäre
Talis sorgt für Privatsphäre

Die Linux-Distribution TAILS basiert ebenfalls auf Debian. Das Ziel der Entwickler ist, dem Anwender so viel Anonymität wie möglich zu garantieren.

Aus diesem Grund ist TOR (The Onion Router) inklusive Vidalia und Torbutton bereits vorinstalliert. Als Webbrowser dient der auf Firefox basierende Abkömmling Iceweasel. Ebensfalls an Bord sind wichtige Browser-Erweiterungen wie HTTPS-Everywhere, Adblock Plus, FoxyProxy und Monkeyshpere.

Die offizielle Ankündigung finden Sie hier. Ein ISO-Abbild finden Sie im Download-Bereich der Projektseite.

Ubuntu ohne unfreie Software: Trisquel GNU/Linux 5.0

Trisquel GNU/Linux basiert auf Ubuntu. Allerdings bringt diese Linux-Distribution nur 100 Prozent freie Software mit sich. Wer bereits den Vorgänger 4.5 im Einsatz hat, kann mittels Update-Manager aktualisieren.

Version 5 steht in den Geschmacksrichtungen GNOME und LXDE (mini) zur Verfügung. Das Betriebssystem bringt unter anderem GNOME 2.6.32, LibreOffice 3.3.3 und Kernel 2.6.38 mit sich. Ebenso ist der auf Mozilla basierende Browser Abrowser 6.0.2 an Bord.

Wer also ein Betriebssystem ganz ohne proprietäre Software möchte, kann sich Trisquel GNU/Linux 5.0 STS Dagda herunterladen. Es gibt Ausgaben für die Architekturen i686 und x86_64.

Neue Firewall-Distributionen: IPFire 2.9 Core 52 und pfSense 2.0

Mit IPFire 2.9 Core 52 gibt es eine Wartungsausgabe der Spezial-Distribution. Die Entwickler adressieren damit einige Sicherheits-Probleme und unterstützen die Sprache Russisch. Mit an Bord befinden sich Apache 2.2.20, Squid 3.1.5 und Ethtool 3.0. Die Entwickler raten zu einem zeitnahen Update. IPFire 2.9 Core 52 gibt es im Download-Bereich des Projekts.

pfSense 2.0 basiert auf FreeBSD 8.1-RELEASE. Das Betriebssystem wird speziell für den Einsatz als Gateway oder Firewall entwickelt. Version 2.0 ist eine neue große Version; die Entwicklungszeit betrug laut Aussage der Entwickler drei Jahre. Die Liste der Änderungen ist dementsprechend lang. pfSense 2.0 gibt es für die Architekturen i386 und amd64.

Alles Gute zum Geburtstag, Mageia

Die sehr junge Linux-Distribution Mageia, die von Mandriva-Abtrünnigen ins Leben gerufen wurde, ist diese Woche ein Jahr alt geworden. Seit Juni 2011 gibt es eine erste stabile Ausgabe. In diesem Sinne: Happy Birthday! (wh)

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