Die Kunst der emotionalen Führung

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Spitzenleistungen kann ein Team nur bringen, wenn es leidenschaftlich ein Ziel verfolgt. Was Führungskräfte in Sachen Motivation vom Mannschaftssport lernen können, verrät Hockey-Weltmeister-Trainer Bernhard Peters im Gespräch mit CW-Redakteurin Alexandra Mesmer.

CW: Was sind aus Ihrer Erfahrung als langjähriger Hockey-Nationaltrainer gute Rahmenbedingungen für Motivation?

Bernhard Peters

Drei Mal hat Bernhard Peters die deutsche Hockey-Nationalmanschaft zum Weltmeister-Titel geführt und damit Hockey zu einer der erfolgreichsten Ballsportarten in Deutschland gemacht. Nach dem jüngsten Erfolg wechselte der 46-jährige Trainer die Sportart und ging zum Fußball-Drittligisten TSG Hoffenheim nach Nordbaden. Als Direktor für Sport- und Nachwuchsförderung steht er nun zusammen dem ehemaligen Bundesliga-Trainer Ralf Rangnick (zuletzt Schalke 04) an der Spitze des Kompetenzteams, das den Aufstieg des von SAP-Mitbegründer Dietmar Hopp geförderten Vereins in die Bundesliga vorantreiben soll. Zugleich ist Peters als Berater für den Deutschen Fußballbund im Sport-Kompetenz-Gremium aktiv.

Bernhard Peters
Bernhard Peters

BERNHARD PETERS: Es muss körperliche Fitness da sein, die Leute müssen im Kopf gut vorbereitet sein. Der ganze Rahmen muss klar sein: Wo wollen wir hin? Das Ziel muss realistisch sein. Aus dem Ziel muss jeder seine Anerkennung ziehen können, sonst kann er daraus keine Motivation von innen entwickeln. In einer Mannschaft müssen alle hundertprozentig hinter dem Ziel stehen, etwa eine Europameisterschaft oder Weltmeisterschaft zu gewinnen. Eine wichtige Voraussetzung ist auch, dass jeder in der gesamten Vorbereitung solch eines Zieles Verantwortung für das Ergebnis übernehmen kann.

CW: Bezogen auf die Wirtschaft heißt das also: Wer seinen Mitarbeitern keine Verantwortung überträgt, kann sie nur schwer motivieren?

PETERS: Verantwortung ist ein entscheidender Impuls, um jedes Mitglied einer Gruppe motivieren zu können.

CW: Wie sollte eine Führungskraft gestrickt sein, damit sie andere überhaupt motivieren kann?

PETERS: Die Führungskraft muss sich erst einmal selbst reflektieren können und wissen, wie sie auf eine Gruppe wirkt. Ich muss meine Persönlichkeit selbst richtig einschätzen können. Dann ist es entscheidend, mit welcher Vermittlungskompetenz ich an so eine Gruppe herangehe, wie ich versuche, partnerschaftlich die Teammitglieder in Entscheidungsprozesse einzubeziehen, so dass sie sich auch mitgenommen fühlen.

CW: Wie kann man die Außensicht auf sich selbst herstellen? Braucht man dafür einen Coach?

PETERS: Es ist auf jeden Fall leichter, wenn ein Coach die Führungskraft begleitet. Zudem gibt es mentale Trainingsformen, seine eigene Persönlichkeit zu hinterfragen und auf seine Persönlichkeitsmerkmale aufmerksam zu werden.

CW: Wenden Sie selbst mentale Trainingsformen an? Welche haben sich bewährt?

PETERS: Entscheidend ist, dass ich meine Vorgehensweise immer selbst spiegele, mich selbst kontrollieren kann, mich im Kopf auf Stresssituationen vorbereite und dann auch auf allen Ebenen meine Mannschaft, die einzelnen Spieler, gut wahrnehme.

CW: Kann man motivieren lernen?

PETERS: Ja, bis zu einem gewissen Grad. Es ist wichtig, ein Gespür für die Situation einer Mannschaft und des Einzelnen zu haben. Man sollte in der Lage sein, die Teammitglieder individuell anzupacken.

CW: Wann haben Sie selbst gemerkt, dass Sie andere begeistern können?

PETERS: Das ist auch eine Frage der Erfahrung, dass man so etwas lernt. Wenn jemand immer mit sehr viel Leidenschaft und Energie vorangeht, ist das schon einmal ein guter Impulsgeber für Motivationsreize, die er in der Gruppe setzen möchte. Es ist entscheidend, in den Gesichtern und an anderen Körperzeichen der Spieler erkennen zu können, ob ich sie "packen" kann oder nicht. Ich glaube, ich konnte sehr pragmatisch meine Spieler auf jeweilige leichte oder schwere Gegner richtig einstellen.

CW: Welche Eigenschaften schließen die Kunst der Motivation aus?

PETERS: Es gibt sicher Menschen, die sich nicht dafür eignen, als Leader vor einer Gruppe zu stehen und diese mitzureißen. Wenn eine Beziehung zwischen Mannschaft und Trainer nicht stimmt, kommt dieser auch nicht so an die Spieler heran, dass er sie packen kann. Die emotionale Verbindung zwischen Trainer und Team muss so sein, dass die Spieler ihn annehmen, wie er ist. Der Trainer muss authentisch sein mit all seinen Stärken und Schwächen . Es gibt viele Beispiele, wo man schon nach relativ kurzer Zeit sagen kann, dass keine erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Mannschaft und Trainer entstehen wird. Das liegt dann fast immer an der zwischenmenschlichen-emotionalen Ebene. Umgekehrt gesagt, ist es wichtig, sich vorher genau zu informieren, ob beide Partner zueinander passen. Das Profil eines Trainers sollte so geschärft werden, im Hinblick auf seine Aufgaben mit dieser Mannschaft. Hat der Trainer das Profil, das ich als Verein suche?

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