Energieeffizienz im RZ

"Die Klimatisierung ist entscheidend"

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Auf der Hannover Messe (23. bis 27. April) steht das Thema Energieeffizienz unter dem Motto "greentelligence" im Mittelpunkt. Wir sprachen im Interview mit Bernd Hanstein, Hauptabteilungsleiter IT bei Rittal über energiesparende Rechenzentren und die Chancen von Cloud Computing.
Rechenzentrumbetreiber sollten die Klimatisierung unter die Lupe nehmen, bevor sie in ein neues RZ investieren, so Bernd Hanstein.
Rechenzentrumbetreiber sollten die Klimatisierung unter die Lupe nehmen, bevor sie in ein neues RZ investieren, so Bernd Hanstein.
Foto: Rittal

CW: Das Thema Energieeffizienz steht auf der Agenda vieler Unternehmen. Was müssen sie beachten, wenn Sie sich für den Aufbau eines neuen, energiesparenden Rechenzentrums entscheiden?

Hanstein: Der Rechenzentrumsbetreiber bewegt sich bei seiner Entscheidung in einem komplexen Spannungsfeld. Er muss seinen Endkunden leistungsfähige RZ-Dienste mit definierter Verfügbarkeit anbieten. Auf der anderen Seite muss er aber auf die Investitionen ebenso achten wie auf die laufenden Betriebskosten. Der entscheidende Ansatz für die Energieeinsparung ist nach wie vor die Klimatisierung; daher werden hier in der Regel Konzepte der Freikühlung umgesetzt, um im Jahresverlauf so lange wie möglich kalte Außenluft zur Kälteerzeugung nutzen zu können.

CW: Was müssen Unternehmen bei der Planung und Modernisierung eines RZs beachten?

Hanstein: Bei der Modernisierung eines Rechenzentrums ist zunächst eine Analyse der aktuellen Situation unerlässlich. Dabei sollten eingehend das Klimakonzept, aber auch die Stromabsicherung und -verteilung untersucht werden. Die existierende Infrastruktur muss dann auf die neuen Anforderungen - wie zum Beispiel Blade-Server-Systeme, neue Speichertechnologien, gestiegener Verfügbarkeits- oder Sicherheitsanspruch angepasst werden.

Neben den Leistungsdaten eines Rechenzentrums müssen dabei auch die Themen Energieeffizienz und Nachhaltigkeit Beachtung finden. Im Fokus steht auch hier ein energiesparendes Klimatisierungskonzept. Dieses muss einer sukzessiven Weiterentwicklung - dem Pay-as-your-grow-Prinzip - Rechnung tragen.

CW: Wie hoch schätzen Sie das Einsparpotenzial gegenüber älteren Rechenzentren ein?

Hanstein: Das Einsparpotential lässt sich am besten bei der Betrachtung des Power Usage Effectiveness (PUE) erkennen. Ein traditionelles Rechenzentrum wird einen PUE um den Faktor 2 besitzen, das heißt nur die Hälfte der Energie kommt tatsächlich bei den Servern an. Ein modernes, optimal geplantes Rechenzentrum kann aber Werte von 1,4 und besser erreichen.

CW: Welche neuen Klimatisierungslösungen sollten RZ-Manager im Auge behalten?

Hanstein: Direkte oder indirekte Freikühlung sind mittlerweile als Klimatisierungstechniken etabliert. Hierbei wird kalte Außenluft zur Kälteerzeugung genutzt. Während bei der direkten Freikühlung die Luft gefiltert und mit Abluft aus dem RZ gemischt und dann mit optimaler Temperatur in den Doppelboden geblasen wird, sind bei der indirekten Freikühlung Wärmeaustauscher dazwischen, da Wasser als Transportmedium der Kälte genutzt wird. Hingegen befindet sich bei der indirekten Freikühlung zwischen Server und Rack ein Luft-Wasser-Wärmetauscher ("Liquid Cooling Package", LCP). Das Wasser dient als Transportmedium für Kälte. Neue Konzepte sehen bei der direkten Freikühlung auch die Möglichkeiten der adiabatischen Kühlung vor. In warmen Sommermonaten wird ein feiner Wassernebel versprüht, um durch die Verdunstungskälte die Temperatur der Zuluft abzusenken und so den teuren Chiller-Betrieb einer elektrischen Kompressorkühlung einzusparen.

CW: Cloud -Computing wird derzeit von vielen Hardwareherstellern und Serveranbietern als das bestimmende Thema der kommenden Jahre betrachtet. Welche Strategie empfehlen Sie den Anwendern?

Hanstein: Jeder Anwender sollte sorgfältig prüfen, welche Anwendungen und Daten in eine Public Cloud geschoben werden können. Aus der Sicherheitsperspektive sind daher die Private Cloud Lösungen auch für KMUs unproblematischer, da die Daten innerhalb der Unternehmens-Firewall bleiben. Die Vorteile eines Cloud-Konzepts mit der wesentlich flexibleren Nutzung der IT-Infrastruktur werden hierbei aber schon nutzbar.