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Interview mit Andreas Weiss, Direktor EuroCloud

Die klassische Enterprise-IT wird den Anforderungen der Digitalisierung nicht gerecht

17.05.2016
Unternehmen werden die wachsenden Datenmengen mit ihren traditionellen IT-Architekturen nicht mehr bewältigen können. Andreas Weiss, Direktor von EuroCloud Deutschland, sagt voraus, dass deshalb überall hybride IT-Landschaften entstehen werden. Dabei verblieben künftig wohl lediglich die Kernanwendungen in den Unternehmen.

Andreas Weiss ist Direktor bei EuroCloud Deutschland_eco e.V., dem Verband der Cloud-Computing-Wirtschaft in Deutschland. Der Verein ist Teil des europäischen EuroCloud-Netzwerks mit 22 Partnerländern. Er wurde im Dezember 2009 gegründet und ist dem eco-Verband der Internetwirtschaft e.V. angegliedert.

Andreas Weiss, Direktor EuroCloud
Andreas Weiss, Direktor EuroCloud
Foto: EuroCloud

Cloud Computing ist in vielen Unternehmen schon Normalität. Unter Marktbeobachtern und Analysten gilt es als ausgemacht, dass Cloud Computing weiter kräftig zulegen wird. Was sind die Gründe dafür?

Da gibt es eine ganze Reihe von Gründen: Auf der einen Seite liegt es auf der Hand, dass die Datenmengen durch die Digitalisierung, dem Internet of Things, Big und Smart Data, mobilen Applikation und Social Media sich mit den traditionellen On-Premise-Architekturen nicht bewältigen lassen werden. Bei heute schon über 20 Milliarden vernetzten Geräten weltweit - Tendenz steigend - stößt die klassische IT an ihre Grenzen; selbst Konzerne mit eigenen Rechenzentren sind davon überfordert.

Auf der anderen Seite drängen die Mitarbeiter auf Veränderungen. Sie machen - wie wir alle, die wir mit unseren Smartphones unterwegs sind - als Privatnutzer die Erfahrung, wie einfach heute intelligente und benutzerfreundliche Lösungen aussehen können. Solche Lösungen lassen sich aber mit der klassischen Unternehmens-IT nicht realisieren.

Auch die schnelle Reaktion auf sich ändernde Marktanforderungen oder die Verwirklichung neuer Geschäftsmodelle können die Softwareabteilungen der Konzerne mit den langen Entwicklungszyklen traditioneller IT-Architekturen nicht in der gebotenen Geschwindigkeit vorantreiben.

Die Unternehmen können von den Privatnutzern lernen?

Sie müssen das sogar. Die Nutzer haben hier zuerst die Vorteile eines solchen Bereitstellungsmodells erkannt. Natürlich haben Privatnutzer nicht die Vorgaben im Hinblick auf Datenschutz und Compliance wie Unternehmen. Vielerorts resultiert der Einstieg in die Nutzung externer Services nicht aus einer ausformulierten Unternehmensstrategie, sondern wird erheblich von den Mitarbeitern getrieben. Unternehmen, die diesen Trend ignorieren, sehen sich zunehmend der Gefahr einer Schatten-IT ausgesetzt. Es liegt auf der Hand, dass sie mit ihren traditionellen IT-Architekturen Services von gleicher Qualität und Verfügbarkeit nicht realisieren können. Dann - und das passiert ja heute schon vielfach - beschaffen sich Mitarbeiter oder einzelne Fachabteilungen an der offiziellen IT vorbei die Applikationen, die sie haben wollen, um ihre Arbeit zu erleichtern. Das birgt erhebliche rechtliche, Compliance- und Datenschutz-Risiken, wenn neben der eigentlichen IT-Landschaft eine Schatten-IT entsteht.

Lassen sich denn externe Services so einfach in die On-Premise-IT integrieren?

Es trifft die Unternehmen ja nicht völlig unvorbereitet. Das ist auch eine Folge von Service Orientierten Architekturen, die schon seit Mitte der 90er Jahre diskutiert und eingesetzt werden. SOA war schon ein Schritt in die Richtung, unternehmensinterne IT-Infrastrukturen in Service-Kategorien zu betrachten. Dabei stand aber immer noch der technologische Aspekt im Vordergrund.

Wir sehen in jüngster Zeit die Entwicklung, dass Cloud-Anbieter zwar ihre Services und Lösungen anbieten, diese es aber oft nicht schaffen, sie in den Geschäftskontext der Unternehmen zu stellen. Aus den Unternehmen hören wir, dass sie zwar offen für Cloud-Lösungen sind. Aber ihnen geht es vor allem um ihre Prozesse. Nur wenn die Service-Anbieter sie überzeugen können, dass sie relevante Teile dieser Prozesse besser erledigen können, werden sie die Anwender nachhaltig überzeugen.

Welche Rolle spielt der CIO dabei?

Sein Aufgabenprofil verändert sich deutlich. Der CIO steht vor der Herausforderung, eine Strategie zu entwickeln, wie sich externe IT-Services mit der internen IT in Einklang bringen lassen. Die Aufgaben eines vorwiegenden On-Premise-Betriebs - Technologieauswahl, IT-Betrieb, Innovation und Optimierung, strategische Beratung der Fachabteilungen, möglicherweise die Steuerung eines Managed-Service-Partners - ließen sich noch ganz gut in den Griff bekommen. In einer zunehmend Cloud-orientierten Infrastruktur kommen aber neue Anforderungen hinzu: Auswahl der Service-Anbieter, Governance-, Compliance- und Rechtsfragen, Interoperabilität und Integration mit der On-Premsie-IT - letztlich geht es also um die Frage der Orchestrierung des neu entstehenden Szenarios. Man könnte sagen, er muss sich in einer zunehmend von externen Services bestimmten IT-Welt vom Manager der lokalen IT zum "Cloud-Dirigenten" weiterentwickeln.

Nehmen die CIOs diese Rolle bereitwillig an?

Teils, teils. Wir beobachten auf der einen Seite sehr viele CIOs und IT-Führungskräfte, die mit großer Energie und Engagement den Wandel vorantreiben. Auf der anderen Seite sehen wir aber auch, dass es noch starke Beharrungskräfte gibt. Eine durchaus nennenswerte Zahl von IT-Verantwortlichen - man könnte sie Traditionalisten nennen - die sich offensichtlich schwer damit tun, sich den neuen Herausforderungen zu stellen. Wir haben schon Cloud-Projekte scheitern sehen - nicht etwa an der Technik oder der Konzeption - sondern an der Ablehnung der verantwortlichen IT-Führungskräfte. Das sind übrigens typischerweise nicht die CIOs, die in aller Regel ihre neue Rolle annehmen, sondern unterschiedliche IT-Funktionen in den Unternehmen, denen es offenbar nicht so leicht fällt, sich von den gewohnten Strukturen und Verhältnissen zu verabschieden.

Wird die lokale IT zukünftig durch Cloud-Services ersetzt?

Nein, es geht nicht darum, die lokalen Rechenzentren abzuschalten. Es wird aber fast überall auf hybride IT-Landschaften hinauslaufen, die Cloud-Services mit der lokalen IT-Architektur verbinden. Denn es gibt gute Gründe, einen Teil der IT On-Premise zu betreiben. Das sind zuallererst die Kernsysteme des Unternehmens. Dazu gehören in der Industrie sicherlich die Produktionssteuerungssysteme, in anderen Segmenten branchenspezifische Kernanwendungen und in vielen Fällen die ERP und Finanzsysteme.

Aber das hängt auch von der Unternehmensgröße ab. Wir sehen im Bereich der Kernsysteme die Entwicklung, dass bei ERP und CRM zunehmend auch Cloud-basierte Systeme zum Einsatz kommen. Es gibt unterdessen sehr leistungsstarke ERP- und CRM-Systeme aus der Cloud, die im Hinblick auf Kosten, Funktionsumfang und Wartungsaufwand für kleinere Unternehmen eine sehr ernsthafte Alternative zum On-Premise-Betrieb sein können. Der Umstand, dass es inzwischen komplexe, standardisierte Cloud-Lösungen gibt, die in einem bestimmten Unternehmenssegment aus eigener Kraft kaum realisiert und betrieben werden können, unterstreicht die zunehmende Attraktivität von Cloud-Angeboten.

Ist das Ende der klassischen Enterprise-IT in Sicht?

Ja, jedenfalls wenn man darunter den Ansatz versteht, mit einer ausschließlich lokalen IT-Architektur alle Anforderungen der Fachabteilungen und des Unternehmens für die Zukunft abdecken zu können. Das wird im Zuge des Digitalen Wandels nicht mehr möglich sein. Aber die On-Premise-IT wird nicht so schnell verschwinden. Die wichtigste Aufgabe des Managements wird darin bestehen, eine Strategie zu formulieren und umzusetzen, wie bestimmte Teile der Unternehmensprozesse im Cloud-Service-Modell erbracht und integriert werden können.

Das kann aber nur funktionieren, wenn die gesamte Unternehmensorga­nisation ins Auge gefasst wird. Dabei geht es um Service-Management, die Definition von Datenflüssen, Kontroll- und Monitoring-Funktionen und das Verhältnis zu den Fachabteilungen. Das hat Auswirkungen auf viele Ebenen der Betriebsorganisation. Der Erfolg dieser Transformation wird erheblichen Einfluss auf die Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit des gesamten Unternehmens haben.