Hamburger IT-Strategietage 2015

Die IT-Strategie der Deutschen Bank

Christoph Lixenfeld, seit 25 Jahren Journalist und Autor, vorher hat er Publizistik, Romanistik, Politikwissenschaft und Geschichte studiert.

1994 gründete er mit drei Kollegen das Journalistenbüro druckreif in Hamburg, schrieb seitdem für die Süddeutsche Zeitung, den Spiegel, Focus, den Tagesspiegel, das Handelsblatt, die Wirtschaftswoche und viele andere.

Außerdem macht er Hörfunk, vor allem für DeutschlandRadio, und produziert TV-Beiträge, zum Beispiel für die ARD-Magazine Panorama und PlusMinus.

Inhaltlich geht es in seiner Arbeit häufig um die Themen Wirtschaft und IT, aber nicht nur. So beschäftigt er sich seit mehr als 15 Jahren auch mit unseren Sozialsystemen. 2008 erschien im Econ-Verlag sein Buch "Niemand muss ins Heim".

Seit 2014 betreibt er die Informationsplattform www.wohinmitmutter.de.

Christoph Lixenfeld schreibt aber nicht nur, sondern er setzt auch journalistische Produkte ganzheitlich um. Im Rahmen einer Kooperation zwischen Süddeutscher Zeitung und Computerwoche produzierte er so komplette Zeitungsbeilagen zu den Themen Internet und Web Economy inklusive Konzept, Themenplan, Autorenbriefing und Redaktion.
Wolfgang Gaertner, CIO Retail der Deutschen Bank, muss eine komplexe IT der zwei Geschwindigkeiten steuern und zügig die Digitalisierung vorantreiben. Ein Traumjob, findet er.
Wolfgang Gaertner, CIO Retail bei der Deutschen Bank, auf den Hamburger IT-Strategietagen.
Wolfgang Gaertner, CIO Retail bei der Deutschen Bank, auf den Hamburger IT-Strategietagen.
Foto: Foto Vogt

Wolfgang Gaertner sagt als erstes, wie viel Spaß es gerade macht, CIO bei einer großen Bank zu sein, und er meint das kein bisschen ironisch. Am Ende seines Vortrags kann wohl jeder der Zuhörer nachvollziehen, warum Gaertner, CIO Retail bei der Deutschen Bank, gerade so gut drauf ist.

Dass die Aufgabe leicht und überschaubar ist, daran liegt es nicht, im Gegenteil. Denn Wolfgang Gaertner, seit 1998 bei der Deutschen Bank und 2007 CIO des Jahres, muss erstens dafür sorgen, dass klassische IT-(Integrations-)Aufgaben mit den richtigen Leuten und den gewünschten Ergebnissen abgewickelt werden. Und zweitens will er Prozesse so digitalisieren, dass der Kunde alles Wichtige "abends auf der Couch" erledigen kann.

Die berühmte ‚IT der zwei Geschwindigkeiten‘ also. Und die gelte es unter einen Hut zu bringen. "Wir schwenken ja nicht von der Wasserfall-Welt plötzlich um in die agile Welt, sondern beide Welten bleiben bestehen und müssen interagieren."

Anforderungen sind extrem unterschiedlich

Und egal, um welche Art von IT es geht, sie ist in jedem Fall eng verbunden mit dem Kernbusiness der Bank; alles, was IT macht, hat Auswirkungen auf Geschäftsprozesse. Wolfgang Gaertner: "Die Frage: Does IT matter? Stellt heute wirklich niemand mehr."

Anforderungen an Systeme und Prozesse allerdings unterscheiden sich zum Teil diametral voneinander.

Die weit vorangeschrittene Integration der Systeme der Postbank zum Beispiel hat man sehr gut mit dem klassischen Wasserfallmodell und normalen Release-Zyklen hingekriegt.

Digital Leader aufgepasst! - Foto: IDG

Digital Leader aufgepasst!

Für den zweiten Bereich, die Digitalisierung, braucht es allerdings eine andere Herangehensweise. Dafür, so Gaertner, sind viele der bisher genutzten Prozesse zu langsam und zu unflexibel. Digitalisierung von Banking habe vor allem den Zweck, schneller auf Veränderungen im Kundenverhalten reagieren und Dinge IT-seitig abbilden zu können, die sich im Wochenrhythmus ändern.

Es geht auch um die richtige Kultur

Um dieses Ziel zu erreichen, so der Deutsche Bank-CIO, "genügt es nicht, auf der technischen Ebene zu liefern. Sondern es geht auch darum, die richtige Kultur zu schaffen."

Wichtige Frage: Kriege ich das mit der aktuellen Mannschaft hin? Für viele Digitalisierungsaufgaben, sagt Wolfgang Gaertner, braucht es echte Spezialisten, vor allem wenn man wie die Deutsche Bank "viele Dinge selber können" will.

Viele Kunden kommen nicht mehr in die Filiale, sondern wollen ihre Bankgeschäfte von überall und zu jeder Tageszeit abwickeln können. Deshalb ist es wichtig, das gesamte tägliche Banking auf das Smartphone zu bringen. Um zum Beispiel, wie Wolfgang Gaertner es wenige Tage vor seinem Vortrag getan hat, einen Strafzettel sofort in Sekunden erfassen und bezahlen zu können.

Es geht darum, alle für den Kunden relevanten Funktionen in wenigen, mobil nutzbaren Features zusammenzubinden. Und ihm zusätzliche, spannende Features anzubieten. Eine Finanzplanungs-App zum Beispiel, die Kontenbewegungen und Geldanlagen abbildet, Vergleiche und individuelle Planung ermöglicht.

"Das ist altes Denken"

Über mobile Anwendungen hinaus beschäftigt sich jeder einzelne Geschäftsbereich der Deutschen Bank mit dem Thema Digitalisierung, wie der CIO betont.

Deshalb gibt es bei der Deutschen Bank mittlerweile auch einen Chief Data Officer ernannt. Nach Ansicht von Gaertner ist das eine klare Botschaft des Vorstands, wie wichtig der ganzen Organisation dieses Thema ist.

Ob er sich vom neuen CDO nicht manchmal bevormundet fühle, wollte CIO-Chefredakteur Horst Ellermann in der anschließenden Fragerunde wissen.

"Die Vorstellung, dass der CIO alles machen muss, ist altes Denken", so die eindeutige Antwort von Wolfgang Gaertner.

Und den Spaß an seinem Job trübten ihm die neuen Digitalisierungskollegen schon gar nicht. "Im Jahre 2015 CIO bei einer großen Bank zu sein, das ist eine Chance, die man genießen muss."