IT intim - Die Sorgen der CIOs

Die IT muss Facebook & Co. endlich ernst nehmen

Karin Quack arbeitet als freie Autorin und Editorial Consultant vor allem zu IT-strategische und Innovations-Themen. Zuvor war sie viele Jahre lang in leitender redaktioneller Position bei der COMPUTERWOCHE tätig.
Was treibt Sie eigentlich in Ihrer Eigenschaft als Vorstandssprecher des Microsoft Business User Forum (mbuf) um?
Thomas Hemmerling-Böhmer, CIO, Karl Storz GmbH & Co. KG
Thomas Hemmerling-Böhmer, CIO, Karl Storz GmbH & Co. KG

Auf der Jahrestagung des mbuf habe ich einen Vortrag gehalten, der auf den ersten Blick gar nichts mit Microsoft zu tun hatte. Er thematisierte den Wandel in der digitalen Welt. Wir befinden uns am Beginn einer neuen Revolution. Die Stichwörter sind Social Networks und Cloud Computing. Facebook gewinnt derzeit jeden Tag eine Million neuer Nutzer. Wenn Sie heute einen 13-jährigen fragen, welches Betriebssystem er hat, antwortet er "Facebook". Dieser Entwicklung muss sich auch die Unternehmens-IT stellen.

In vielen Unternehmen ist es heute noch verboten, während der Arbeitszeit in sozialen Netzen surfen. Das ist eine überkommene Denkweise. Die Kunden wollen heute dort abgeholt werden. Deshalb müssen die Unternehmen diese Gegenöffentlichkeit mitgestalten, Präsenz zeigen, Fan-Pages aufbauen, die Kommunikation der Nutzer beobachten, um gegebenenfalls Schaden abzuwenden.

Diesen Paradigmenwechsel muss das Information-Management, zu dem sich die IT ja entwickeln sollte, aktiv begleiten. Denn es ist die Stelle im Unternehmen, an der die Fäden zusammenlaufen. Wir leben zwangsläufig immer zwei bis drei Jahre in der Zukunft.

Selbstverständlich müssen wir uns mit den zentralen Systemen in den Burgfried zurückziehen, sie so sicher machen, dass sie von draußen nicht gestört werden können. Aber das heißt nicht, dass wir das Draußen ignorieren dürfen.

Das habe ich auch den Mitgliedern des mbuf zu vermitteln versucht. Microsoft geht da mit gutem Beispiel voran, obwohl das Unternehmen ja immer eher ein Smart Follower ist. Es spricht doch für sich, wenn Office 2010 die letzte Version der Software ist, die dediziert für den Desktop entwickelt wurde. Hier wurden bereits erhebliche Funktionen für den direkten Zugriff auf die Cloud implementiert - wie es künftig der Standard sein wird.

Dass der ehemalige Deutschland-Geschäftsführer Achim Berg in die Firmenzentrale berufen wurde und dort das gesamte Mobile-Geschäft verantwortet, ist für uns deutsche Business-Anwender übrigens ein Glücksfall. Es spricht für die Wertschätzung, die Steve Ballmer dem deutschen Markt entgegenbringt. Außerdem schafft es uns quasi einen Brückenkopf in Redmond. Auch mit der Entscheidung, Bergs Nachfolge Ralph Haupter anzuvertrauen, sind wir definitiv einverstanden.