Software-defined und Service-orientiert

Die IT-Infrastruktur der Zukunft

02.03.2016
Von 
Uwe Küll ist freier Journalist in München.
Im Zeitalter von Software Defined Storage und -Networks erscheint es aus technischer Sicht nur logisch, im "Software-defined Data Center (SDDC)" die Zukunft der IT zu sehen. Doch wie passt das Konzept in die digitale Transformation der Wirtschaft?

"Die Tage der IT, wie wir sie heute kennen, sind gezählt" - das sagt Karsten Kirsch, Geschäftsführer des Hamburger IT-Dienstleisters Direkt Gruppe. Und er begründet seine Einschätzung mit Erfahrungen, die wohl jeder Business-Anwender kennt: "Applikationen, die nur genutzt werden können, wenn sie in die vorhandene Infrastruktur passen, Server-Bereitstellungszeiten von Wochen oder Monaten und Workflows, die an der Unternehmensgrenze enden - das lassen sich die Business-Verantwortlichen nicht mehr bieten. Wenn die IT-Abteilung die geforderten Leistungen nicht bringen kann, ist sie aus dem Rennen." Diese Wahrnehmung teilt auch Carlo Velten, Marktanalyst und CEO der Crisp Research AG: "Wir hören immer öfter, dass CIOs nur eine Alternative haben: Entweder sie packen die Umstellung auf eine moderne IT-Infrastruktur jetzt an, oder sie können sich einen neuen Job suchen. Der Druck ist immens."

Carlo Velten: "Mit Software-defined Infrastrukturen lassen sich auch komplexe Business-Prozesse innerhalb von Tagen, Stunden oder auch in Nahezu-Echtzeit aufsetzen und produktiv einsetzen."
Carlo Velten: "Mit Software-defined Infrastrukturen lassen sich auch komplexe Business-Prozesse innerhalb von Tagen, Stunden oder auch in Nahezu-Echtzeit aufsetzen und produktiv einsetzen."
Foto: Crisp Research

Was steckt hinter Software-defined Data Center?

Das Mittel der Wahl, mit dem die IT-Entscheider künftig die Forderungen der Business-Seite nach schnelleren, flexibleren Services erfüllen wollen, heißt "Software-defined Data Center (SDDC)". Doch was ist damit gemeint?

Karsten Kirsch: "Noch wichtiger als die Technik ist jedoch, dass Unternehmen ihre Prozesse, Organisation und Kultur offen gestalten und Neues ausprobieren."
Karsten Kirsch: "Noch wichtiger als die Technik ist jedoch, dass Unternehmen ihre Prozesse, Organisation und Kultur offen gestalten und Neues ausprobieren."
Foto: Direkt Gruppe

Auf den ersten Blick signalisiert der Begriff: Im Vordergrund stehen weiterhin die Technik und eine hermetische Form der IT-Organisation (Data Center). Warum also sollten Business-Verantwortliche heute glauben, dass die IT es jetzt ernst meint mit der Service-Orientierung? Überzeugen können jetzt nur noch konkrete Projekte, so Kirsch: "Wenn eine Versicherungs-IT innerhalb weniger Tage einen Proof of Concept auf die Beine stellt, der eine Zeitersparnis von 75 Prozent bei der Erstellung von rechenintensiven Berichten belegt, dann sieht das Business: Die haben verstanden." Möglich werden solche Projekte in einer Software-definierten Infrastruktur, die IT-Ressourcen unabhängig davon bereitstellt, auf welcher Hardware sie laufen und wo sie von wem betrieben werden. Kirsch spricht dabei von einer "Service-definierten Infrastruktur".

Offene IT-Konzepte liegt im Trend

Natürlich bleibt es die Aufgabe der IT, sich um die Technologie zu kümmern, die zur Umsetzung von Geschäftsprozessen erforderlich ist. Das zeigt auch die Crisp-Studie "Digital Business Readiness", in der mehr als zwei Drittel (68 Prozent) der Befragten erklärten, sie hielten "die Rechenzentrums-Infrastruktur für den wichtigsten Baustein der digitalen Transformation." Der Studie zufolge arbeiten diese Unternehmen allerdings an einer "Next-Generation Infrastructure", die weniger durch die Vorstellung von einem in sich geschlossenen Rechenzentrum als vielmehr durch offene Konzepte wie Cloud, Software-defined Networking (SDN), Automation, Modularisierung und Standardisierung geprägt ist.