Capgemini-Studie

Die IT-Budgets wachsen - die Schatten-IT ebenso

Heinrich Vaske ist Chefredakteur der COMPUTERWOCHE und verantwortlich im Sinne des Presserechts (v.i.S.d.P.). Seine wichtigste Aufgabe ist die inhaltliche Ausrichtung der Computerwoche - im Web und in der Zeitschrift. Vaske verantwortet außerdem inhaltlich die Sonderpublikationen, Social-Web-Engagements und Mobile-Produkte der COMPUTERWOCHE und moderiert Veranstaltungen. Weitere Interessen: der SV Werder Bremen, Doppelkopf und Bücher - etwa die von P.G. Woodhouse.
In 37 Prozent der Großunternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz (DACH) werden die IT-Budgets 2016 steigen, heißt es in einer aktuellen Marktuntersuchung von Capgemini. Bei knapp 15 Prozent soll das Plus sogar im zweistelligen Bereich liegen. Ein Problem ist die Schatten-IT.

Dem Beratungsunternehmen zufolge fallen die Prognosen für 2016 freundlich aus. Hatte im zu Ende gehenden Jahr etwa ein Drittel der IT-Verantwortlichen mehr Geld zur Verfügung, sollen sich 2016 immerhin 37 Prozent über einen Budgetanstieg freuen. Andererseits werden laut Capgemini auch mehr CIOs mit Budgetkürzungen fertig werden müssen. Klagten in diesem Jahr 19,4 Prozent über weniger Mittel, sollen im nächsten Jahr schon 21,3 Prozent betroffen sein.

Auch 2017 gibt's mehr Geld für die IT

Für 2017 rechnen die Berater erneut mit einem steigenden Anteil an Unternehmen, die ihre IT-Budgets aufstocken werden. Die Quote soll dann bei 38,1 Prozent liegen. Erst 2018 soll die Trendkurve wieder leicht nach unten zeigen. Die Berater haben die Zahlen im Rahmen ihrer jährlichen IT-Trends-Studie ermittelt, in deren Rahmen alljährlich im September und Oktober IT-Verantwortliche aus Großunternehmen im DACH-Raum befragt werden. In diesem Jahr nahmen 153 CIOs teil, elf davon stammen aus DAX-Unternehmen. Die Detailergebnisse der Befragung sollen Anfang Februar nächsten Jahres veröffentlicht werden (siehe auch Checkliste fürs IT-Budget 2016).

Gelder fließen in Updates und Aktualisierungen

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Datenzugriff mobil - aber bitte geschützt

Der Marktanalyse zufolge steigen 2016 die Ausgaben für Updates, Aktualisierungen und Erweiterungen von 20,9 auf 22,7 Prozent. Laut Capgemini reagieren CIOs damit auf die Forderung der Fachabteilungen nach kürzeren Release-Zyklen, so dass Neuerungen schneller ins Tagesgeschäft einfließen. Diese Ausgaben gehen im Moment offenbar zu Lasten von Projekten, bei denen Systeme komplett ausgetauscht werden. Für letzteres sollen im kommenden Jahr nur noch 16,6 Prozent der Ausgaben zur Verfügung stehen - im Vergleich zu 20,9 Prozent im laufenden Jahr.

Uwe Dumslaff, Chief Technology Officer (CTO) bei Capgemini in Deutschland interpretiert: "Die Digitalisierung der Unternehmen erfordert bei der IT radikalere Schritte als es die derzeitige Budgetverteilung für 2016 erwarten lässt. Eine digitale Transformation lässt sich allein mit Updates nicht bewerkstelligen, so dass die CIOs im kommenden Jahr nicht den Fuß vom Gas nehmen sollten."

Fachabteilungen geht es zu langsam

Trotz der Bemühungen vieler IT-Abteilung, das Tempo zu erhöhen, geht es den Fachabteilungen oft noch zu langsam. Die Berater prophezeien, dass im kommenden Jahr in 15,9 Prozent der Unternehmen Externe mit IT-Leistungen beauftragen werden, "weil die eigene Abteilung nicht zeitnah liefern kann". In diesem Jahr habe das auf 12,9 Prozent der Firmen zugetroffen.

CIO erfährt nichts von IT-Ausgaben der Fachabteilung

Laut Umfrage geben die Fachabteilungen aus Sicht der CIOs deutlich weniger für IT aus als noch vor einem Jahr. Der Anteil am Gesamtbudget ist demnach von 17,3 auf nur noch zwölf Prozent gesunken. Allerdings gibt es ein dickes Fragezeichen an dieser statistischen Aussage: CIOs erfahren nämlich immer seltener von den Investitionen der Fachbereiche. Während 2015 noch die Hälfte aller Befragten stets über alle Ausgaben Bescheid wusste, sind sich dessen jetzt nur noch rund 36 Prozent sicher. (Schon gewusst? Weibliche CIOs holen bei Budgetverhandlungen mehr heraus als ihre männlichen Kollegen)

Mehrheit überträgt bestimmte IT-Ausgaben an Fachbereiche

In mehr als 60 Prozent der Unternehmen wurde die Verantwortung für bestimmte IT-Ausgaben inzwischen dauerhaft an Fachabteilungen übertragen. Viele dieser Investitionen sehen CIOs heute kritischer als im Vorjahr. Die Sorge um die Entstehung von Schatten-IT und neuen Datensilos ist gestiegen.

"Eine Unternehmenstransformation, bei der Technologie eine derart hohe Bedeutung hat, kann nur im Schulterschluss von IT und Fachbereichen funktionieren. Den Anforderungen an die abteilungsübergreifende Zusammenarbeit müssen dabei beide Seiten Rechnung tragen", kommentiert Thomas Heimann, Principal Enterprise Architect & Experte IT-Trends bei Capgemini. (hv)