IDC-Studie

Die Hybrid Cloud treibt die digitale Transformation

Wolfgang Herrmann ist Deputy Editorial Director der IDG-Publikationen COMPUTERWOCHE und CIO. Zuvor war er Chefredakteur der Schwesterpublikation TecChannel und stellvertretender Chefredakteur COMPUTERWOCHE. Zu seinen thematischen Schwerpunkten gehören Cloud Computing, Data Center, Virtualisierung und Big Data.
Noch 2009 wussten 80 Prozent der deutschen Unternehmen nichts mit dem Begriff Cloud anzufangen. Heute bilden insbesondere Hybrid-Cloud-Umgebungen vielerorts die Basis der digitalen Transformation, so eine aktuelle Studie des Marktforschungs- und Beratungsunternehmens IDC.

Langsam, komplex, zu wenige Skills: So charakterisieren viele deutsche Organisationen ihre interne IT. Sowohl die Transformation der eigenen Infrastruktur als auch das Umsetzen neuer Geschäftsprozesse dauere zu lange, gaben die von IDC befragten Business- und IT-Entscheider aus 274 deutschen Unternehmen an. Die Folge: Cloud-Optionen werden für sie zunehmend attraktiver. "Cloud Computing wird als Enabler der digitalen Transformation erkannt", kommentierte IDC-Analyst Matthias Kraus die Ergebnisse der Studie "Hybrid Cloud in Deutschland 2015/16".

Geht es um die Bedeutung einzelner Technologien für die digitale Transformation, stehen Cloud Computing und "Big Data Analytics" auf der Agenda der Entscheider ganz oben. Aus Sicht der Fachbereiche spielt zudem das Thema mobiles Arbeiten eine zentrale Rolle.

Die wichtigsten Technologien für die digitale Transformation
Die wichtigsten Technologien für die digitale Transformation
Foto: IDC

Umfrage zu CRM in der Cloud

Laut der im November 2015 durchgeführten Befragung nutzen oder implementieren derzeit rund sechs von zehn Unternehmen Cloud-Services. Zusätzlich planen zwölf Prozent eine Nutzung, weitere 14 Prozent beschäftigen sich mit dem Thema. Viele Jahre waren Großunternehmen die Vorreiter in Sachen Cloud-Nutzung, erläutert Kraus. Inzwischen habe der Mittelstand deutlich aufgeholt: "Damit sind Cloud-Services in den IT Sourcing-Strategien der meisten Unternehmen fest verankert."

Die Verbreitung von Cloud Services in deutschen Unternehmen hat zugnommen.
Die Verbreitung von Cloud Services in deutschen Unternehmen hat zugnommen.
Foto: IDC

Hybrid Cloud auf dem Vormarsch

Im praktischen Einsatz Cloud-basierter Lösungen gewinnen hybride Ansätze weiter an Bedeutung. Die Verbreitung von Hybrid Clouds ist nach der IDC-Erhebung im Vergleich zum Vorjahr um rund ein Drittel gestiegen. Zudem planen 57 Prozent der befragten Unternehmen den Aufbau hybrider Cloud-Umgebungen innerhalb der kommenden 24 Monate (siehe Grafik).

Hybrid-Cloud-Konzepte gewinnen in der Praxis an Bedeutung.
Hybrid-Cloud-Konzepte gewinnen in der Praxis an Bedeutung.
Foto: IDC

Die Marktforscher verstehen unter Hybrid Cloud "eine verknüpfte IT-Umgebung (aus herkömmlicher eigener IT, Private-, Hosted- oder Public-Cloud), in der Workloads / Daten automatisch und regelbasiert verschoben werden." Das wichtigste Ziel dabei ist für sechs von zehn der befragten Organisationen, die Business-Erwartungen an eine agile Geschäftsprozessunterstützung umzusetzen. Jedes fünfte Unternehmen will mit Hybrid Clouds mittelfristig vor allem neue Produkte, Services und Geschäftsmodelle verwirklichen.

Die agile Geschäftsprozessunterstützung ist das wichtigste Ziel der Hybrid-Cloud-Nutzung.
Die agile Geschäftsprozessunterstützung ist das wichtigste Ziel der Hybrid-Cloud-Nutzung.
Foto: IDC

Security-Diskussion ist "reifer" geworden

Dass der Weg in die Welt der hybriden IT lang und steinig sein kann, belegen die Angaben zu den internen Herausforderungen. Neben aufwendigen IT-spezifischen Modifikationen und Integrationsaufgaben sehen die Befragten vor allem auch die Notwendigkeit, Geschäftsprozesse anzupassen. Die Zusammenarbeit von IT- und Fachbereichen erweist sich wie schon in vorangegangenen IDC-Erhebungen unverändert als schwierig.

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Etwas besser sieht es bei den externen Herausforderungen für eine Hybrid Cloud aus. Zwar stehen die Themen Sicherheit und Compliance noch immer ganz oben auf der Liste. Doch im Vergleich zum Vorjahr seien die Sicherheitsbedenken etwas zurückgegangen, berichtet Kraus: "Die Diskussionen darüber reifen spürbar". Etliche Anwender hätten erkannt, dass es durchaus sicherer sein kann, Daten beim Cloud-Provider zu speichern.

Sicherheitsbedenken gehören noch immer zu den größten Herausforderungen für den Aufbau einer Hybrid Cloud.
Sicherheitsbedenken gehören noch immer zu den größten Herausforderungen für den Aufbau einer Hybrid Cloud.
Foto: IDC

OpenStack gegen den Vendor Lock-in?

Ein kritischer Punkt ist für die Befragten die drohende Abhängigkeit vom Cloud-Anbieter. Der berüchtigte Vendor Lock-in wurde als zweitwichtigste Hürde auf dem Weg zur Hybrid Cloud genannt. Nicht wenige Unternehmen interessierten sich deshalb verstärkt für Open-Source-Technologien, so die Auguren. In diesem Kontext sei OpenStack den meisten IT-Entscheidern bekannt und in fast einem Drittel der befragten Organisationen im Einsatz.

"Die IT-Entscheider sind sich derzeit noch unsicher, für welche grundlegenden Technologien, Architekturen und Plattformen sie sich beim Aufbau von Hybrid Clouds entscheiden sollen", interpretiert Kraus die Ergebnisse. "Neue Open-Source-Standards, Management-Ansätze und Ökosysteme kristallisieren sich erst allmählich heraus." Die Anbieter seien daher gefordert, herstellerunabhängige Technologien, Cloud-Services und Plattformen anzubieten. (wh)

 

Klaus Bärbel

Hybrid Cloud ist der Ansatz auf Marketing-Ebene, klassischen stationären Lösungen den eigenen Existenzanspruch zu erhalten.
Wir machen jetzt auch ein bischen Cloud, bitte bleibt bei uns... haha

Oliver Keizers

Schöner Artikel, trifft genau die Wirklichkeit, die ich draußen bei Kunden sehe. Insbesondere die Tatsache, daß Sicherheitsbedenken in den Hintergrund geraten, wohingegen Fragen zum Datenschutz immer wichtiger werden. Nicht zuletzt dank dem EuGH und Safe Harbor wird das Thema Hybrid Cloud so wichtig. Idealerweise trenne ich also sensible Daten von der Applikation und speichere diese lokal. Dabei sollte man tunlichst auf Prozesse und Funktionalitäten achten und ein solches Modell sehr früh in seiner Cloud Planung mit einbauen, dann lässt sich eine Hybride Cloud für Anwender komplett transparent gestalten.

Beispiel Salesforce: Wir setzen ein Gateway zwischen den Anwender und Salesforce, welches als sensibel definierte Daten lokal speichert und zu SFDC nur einen Ersatzwert hochlädt, welcher keinen direkten Bezug zu dem Ausgangswert hat. Damit erspart man sich auch Diskussionen um Datenexport (Thema Safe Harbor), weil die Originaldaten ja im Gateway vor Ort verbleiben. Das gibt es auch als Serviceangebot, so daß ich nicht mal das Gateway selber betreiben muss, sondern dies ein vertrauenswürdiger Partner in Deutschland macht. Und zu guter letzt funktioniert das nicht nur für Salesforce, sondern auch für andere Anbieter wie ServiceNow oder Oracle Sales Cloud auf ein und dem selben Gateway.

Hybrid Cloud ist also durchaus Realität, wenn man das möchte. Ich diskutiere das gerne, einfach ansprechen.

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