Die COMPUTERWOCHE blickt zurück

Die Highlights aus 40 Jahren IT

Jan-Bernd Meyer betreut als leitender Redakteur Sonderpublikationen und -projekte der COMPUTERWOCHE. Auch für die im Auftrag der Deutschen Messe AG publizierten "CeBIT News" ist Meyer zuständig. Inhaltlich betreut er darüber hinaus Hardware- und Green-IT- bzw. Nachhaltigkeitsthemen sowie alles was mit politischen Hintergründen in der ITK-Szene zu tun hat.   
Vierzig Jahre COMPUTERWOCHE bedeuten vierzig Jahre atemberaubende Entwicklung der Informationstechnologie. Unsere Redaktion hat die wichtigsten und schönsten Highlights zusammengetragen, die die COMPUTERWOCHE seit 1974 inhaltlich bewegt haben.

Am 9. Oktober 1974 erscheint erstmals die COMPUTERWOCHE - Die aktuelle Wochenzeitung für die Computerwelt. Beim Blick auf 40 Jahre IT macht man eine Zeitreise, die einem anmutet wie eine Fahrt in die digitale Steinzeit. Schon allein sprachlich zeigt sich beim Blick auf den Zeitstrahl - neudeutsch Timeline -, wie sehr sich die IT verändert hat. Wer könnte heute noch etwas mit dem Begriff Mittlere Datentechnik (MDT) anfangen? Der Begriff Diskette erzeugt ratlose Blicke. Auch das OSI-Schichtenmodell dürfte nicht mehr jedem Menschen sogar aus der IT noch etwas sagen. Minicomputer. Mikrocomputer, ja sogar Workstation - alles Begriffe, die aus dem allgemeinen Bewusstsein mehr oder weniger verschollen sind.

Oder die Unternehmen: Erinnert sich noch wer an Digital Equipment? Eine legendäre Firma, die später von Compaq (noch ein Begriff?) gekauft wurde. Tandem Computers - ebenfalls eine starke Technikmarke. Auch gekauft von Compaq. Die gekauft wurde von Hewlett-Packard (HP). HP immerhin - die gibt es noch, obwohl sie bereits vor 75 Jahren im kalifornischen Palo Alto gegründet wurde. Wer kann mit dem Namen Tandy noch etwas anfangen? Altair? Commodore, okay so grad noch. Atari. Triumph Adler war tatsächlich auch einmal ein PC-Anbieter. Osborne, Kaypro - erste Anbieter von tragbaren Computern, die wie Hartschalenkoffer anmuten würden - zumindest von der Größe. Oder Nixdorf! Ein Stern am deutschen Computerhimmel. Eine einzige Erfolgsgeschichte. Aufgekauft von Siemens. Aber auch Siemens-Nixdorf ist längst Geschichte.

Kennt einer noch die heftigen Diskussionen um Bus-Systeme in PCs? Micro-Channel-Architecture als großer Gegenspieler aus dem Hause IBM gegen die Standardbus-Systeme von Intel? Schnee von gestern. Die Entwicklungen im Speichermarkt kann man plastisch an einem Beispiel verdeutlichen: zugegeben bereits 1956 - also 18 Jahre vor der ersten CW - brachte die IBM mit der 305 Ramac das erste magnetische Festplattenlaufwerk auf den Markt. Das gute Stück war Kleiderschrankgroß, wog schlappe 500 Kilogramm, die Platten hatten den Durchmesser von Familienpizzen im Freisinger Freibad (= 60 Zentimeter) - dafür konnte sie allerdings gigantische Mengen an Daten speichern: fünf Megabyte! Heute hängen sich Kiddies 140 Gramm schwere iPods um den Hals, die die 6.400-fache Kapazität besitzen.

Ja, es gibt Firmen, die gab es vor 40 Jahren und es gibt sie noch immer. HP eben. IBM natürlich. Apple ist wohl das Unternehmen, das mit seiner Firmengeschichte das Glamouröse, das Spannende, auch die Abgründe dieser IT-Branche am besten karikiert. Gegründet an keinem besseren Tag als dem 1. April im Jahre 1976, steht das Unternehmen paradigmatisch für das, was die IT ausmacht. Angefangen damit, dass die Benutzeroberfläche revolutionär war, weil eben nicht mnemotechnisch kryptische Befehle in die DOS-Zeile getippt werden mussten. Aber wirklich von Apple war die Entwicklung nicht, sondern bei Rank Xerox abgeschaut. Kennt die Firma noch wer außer IT-Historiker?

Der erste Apple-Rechner mit dieser Benutzerführung, der Lisa, hatte allerdings noch keine Fortune. Was am Preis von 10.000 Dollar gelegen haben könnte. Legendär und ein wirtschaftlicher Erfolg wurde der 1984 präsentierte Macintosh. Apples Gründer und Kopf Steve Jobs erlebte aber auch seinen Rauswurf aus seiner eigenen Firma - und seinen Wiedereinstieg Jahre später. Nur Lazarus' Comeback war spektakulärer. Apple selbst musste durch das ein Jahr vorher (4. April 1975) gegründete Microsoft in den 80er Jahren einmal gerettet werden mit einer Finanzspritze. Ausgerechnet der Erbfeind Microsoft. Heute ist Apple das wertvollste Unternehmen. Der Welt. Weit vor allen anderen Firmen und um Längen vor alten (IBM, HP, Microsoft, Oracle etc.) und neuen (Google, Facebook etc.) IT-Unternehmen.

Und heute? Prägen Begriffe wie soziale Medien, Crowdfunding, Blogs, Big Data, Cloud, Mobility nicht nur die Unterhaltung von IT-Fachleuten und Geeks, sondern auch die Gespräche - und die Leben - von Abermillionen Menschen da draußen. IT ist allumfassend geworden. Autos fangen an zu sprechen und fahren am liebsten selbst. Kühlschränke bestellen im Internet. Staubsauger arbeiten, während Herrchen oder Frauchen die Füße auf den Tisch legen. Roboter dienen in der Altenpflege. Und die Menschen fragen sich ernsthaft, wann Computer ihnen zu sagen anfangen, was sie zu tun haben.

Vielleicht werden sich künftig intelligente Systeme Videos auf einem wie immer gearteten Youtube-Channel ansehen über die IT aus dem Jahr 2014. Sie werden sich dann wahrscheinlich genauso ratlos amüsieren über die Steinzeittechnik, wie junge Leute heute, die irritiert vor "revolutionären Systemen" aus den 80er-/90er-Jahren sitzen. Deren Reaktionen sagen alles über die unfassbare Technikentwicklung der vergangenen vier Jahrzehnte.

In 40 Jahren werden künstliche Systeme sich auf die Schenkel klopfen und beim Anblick von Smartphones, Tablets und USB-Sticks wiehern vor Lachen. Vorausgesetzt, künstliche Systeme wiehern. Heute und jetzt aber schauen wir zurück auf 40 Jahre ITK-Geschichte.

Die Reaktionen der jungen Leute auf damals revolutionäre Systeme sagen alles über die unfassbare Technikentwicklung der vergangenen vier Jahrzehnte. Doch nicht nur die Technik hat sich in den vergagenen Jahrezehnten deutlich verändert: Wir schauen zurück auf 40 Jahre ITK-Geschichte.

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