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US-Experten

Die größte Bedrohung für das Netz ist Kommerzialisierung

Thomas Cloer war viele Jahre lang verantwortlich für die Nachrichten auf computerwoche.de.
Er sorgt außerdem ziemlich rund um die Uhr bei Twitter dafür, dass niemand Weltbewegendes verpasst, treibt sich auch sonst im Social Web herum (auch wieder bei Facebook) und bloggt auf teezeh.de. Apple-affin, bei Smartphones polymorph-pervers.
Eine US-Umfrage zur Zukunft des Netzes hat durchaus Erstaunliches ergeben.

Als größte Bedrohung für das Internet sehen die Teilnehmer nämlich nicht etwa Überwachung durch Dienste (Geheim-) oder Zensurblockaden in totalitären Staaten, sondern die Kommerzialisierung des Netzes und die damit einhergehende, relativ unkontrollierte (Markt-)Macht der Internet-Konzerne. Dies berichtet das Blog "Re/code" unter Berufung auf die Studie "Digital Life 2025", Teil der Serie "Imagine the Internet", für die Pew 1400 Experten interviewt hat.

Digital Life in 2025, Deckblatt
Digital Life in 2025, Deckblatt
Foto: Pew Resarch / Elon University

Als ein Beispiel nennt Professorin Janna Anderson von der Elon University, die die Meinungsumfragen seit zehn Jahren leitet, unsere E-Mail-Postfächer. "Es gibt inzwischen mehr Noise als Signal in Ihrer persönlichen E-Mail - teils Kriminelle, teils Scherzbolde, alle auf der Suche nach dem Dollar", sagt Anderson. "Manche sehen die Monetarisierung als die Gans, die das goldene Ei zerstört, als die Bedrohung für das Netz."

Viele der besorgtesten Teilnehmer der Umfrage sind laut "Re/code" altgediente Internet-Manager wie zum Beispiel Glenn Edens, der beim PARC als Director die Forschung in den Bereichen Netze, Sicherheit und verteilte Systeme leitet. "Der Wunsch der Netzbetreiber, ihre Aktiva zu Lasten des Fortschritts zu monetarisieren, stellt das größte potenzielle Problem dar", schrieb der Experte. "Sicherzustellen, das Inhalteersteller einfach und direkt ihr Publikum erreichen können, bessere Suchwerkzeuge, bessere Promotion-Mechanismen und Kuratierungswerkzeuge - der Schlüssel liegt darin, die ‚Mittelsmänner‘ abzubauen."

"Man kann natürlich nicht dem CEO oder dem Marketingchef vorwerfen, dass sie Wege suchen, um das Netz zum Nutzen ihres Unternehmens zu nutzen; die Sorge ist eher, dass jeder das macht", sagt Anderson. "Andererseits - wer bitte schreibt vor, wer im Netz Geld verdienen darf und wer nicht?"