Die Gipfelstürmer

27.09.2006
Bei den 100 größten deutschen ITK-Unternehmen ist es wie meistens in der Fußball-Bundesliga: An der Spitze steht mit der Telekom immer derselbe Verein. Wirklich rund geht es am Tabellenende.

Doch eine Tendenz zeigen die Bewegungen der aktuellen Top-100-Liste des Jahres 2005 im Vergleich zum Vorjahr: IT-Dienstleister konnten sich in der Rangfolge teilweise stark verbessern.

Einen großen Satz vom 56. auf den 39. Rang machte etwa die GAD eG. Wenn, wie geplant, der IT-Dienstleister der Volksbanken nun noch mit der Fiducia IT AG, dem IT-Dienstleister für Volks- und Raiffeisenbanken in Süddeutschland, fusioniert, entsteht mit einem Schlag ein Schwergewicht am Servicemarkt. Zudem fällt auf, dass mit dem ITK-Gemischtwarenunternehmen Deutsche Telekom als Spitzenreiter, IBM auf Platz drei, Hewlett-Packard (5) und Siemens (Com und SBS) auf Platz sechs gleich vier Konzerne ganz oben in der ITK-Branchenhitliste rangieren, die alle nicht unwesentliche Teile ihrer Erlöse mit IT-Dienstleistungen erwirtschaften.

Allerdings sollte man keine falschen Schlüsse ziehen: Wie die Marktanalyse über IT-Services in diesem Heft (Seite 30) belegt, "wachsen die großen deutschen IT-Dienstleister nicht so schnell, wie sie gehofft hatten". Der CW-Redakteur Joachim Hackmann bringt die Situation in diesem Marktsegment auf den Punkt, wenn er schreibt: "Die Entwicklung des IT-Servicemarkts im vergangenen Jahr lässt sich einfach beschreiben: Business Process Outsourcing: enttäuschend; IT-Outsourcing: mau; Wartungsgeschäft: hart umkämpft." Für IT-Berater und das Projektgeschäft allerdings sind rosige Zeiten angebrochen.

Die Methode

Um die Top-100-Liste zusammenzustellen, hat die COMPUTERWOCHE sich zum einen der Dienste professioneller Datenerheber wie Lünendonk bedient. Zum anderen nutzten wir Veröffentlichungen anderer Analyseinstitute wie Thomson Financials in deutschen Medien und recherchierten bei allen Firmen. In den Untersuchungen zu Firmenumsätzen stellt sich dabei generell das Problem, dass viele Unternehmen ihre Einnahmen nur weltweit ausweisen und keine Zahlen für Deutschland veröffentlichen. Aus diesem Grund tun sich Datenerhebungen, von welchem Institut auch immer, sehr schwer, die exakten Zahlen für den deutschen Raum zu nennen.

Die COMPUTERWOCHE hat in diesem Jahr deshalb erstmals sowohl den Umsatz für Deutschland wie den weltweiten Erlös eines Konzerns aufgeführt. Nach dem gleichen Verfahren wurde die Zahl der Mitarbeiter angegeben.

Dieser Modus führt dazu, dass beispielsweise die SAP scheinbar einen heftigen Sturz von Platz drei der Top-100-Liste auf Rang 15 erleiden musste. Vergleicht man aber die Umsatzergebnisse der Geschäftsjahre 2004 (7,5 Milliarden Euro) mit denen von 2005 (8,5 Milliarden Euro), so kann der Walldorfer Konzern eine satte Steigerung von 13 Prozent im Ergebnis konstatieren. Die nationalen und internationalen Zahlen der aktuellen Top-100-Liste deuten am Beispiel der SAP indirekt auch auf ein Problem der Erfolgsfirma: Deutschlands Markt ist für den Business-Software-Anbieter im Wesentlichen beackert. Aus dem Mittelstandsgeschäft Zuwächse zu erzielen ist ein hartes Brot. Diese Erkenntnis ist nicht neu und oft in der COMPUTERWOCHE beschrieben worden. In der Gegenüberstellung der Zahlen der Top-100-Liste wird das Problem allerdings besonders augenscheinlich. Im Übrigen nicht nur bei der SAP.

Wenn ein Unternehmen keine Umsatzzahlen zum deutschen Markt genannt hat und sich solche auch nicht indirekt ermitteln ließen, wird es in der Top-100-Liste nicht aufgeführt.

Trotz großer Sorgfalt bei der Datenerhebung übernehmen wir für die Richtigkeit der Angaben keine Gewähr.

Inhalt dieses Artikels