Cloud Computing

Die geplante Revolution

Wolfgang Herrmann ist Deputy Editorial Director der IDG-Publikationen COMPUTERWOCHE und CIO. Zuvor war er Chefredakteur der Schwesterpublikation TecChannel und stellvertretender Chefredakteur COMPUTERWOCHE. Zu seinen thematischen Schwerpunkten gehören Cloud Computing, Data Center, Virtualisierung und Big Data.
Cloud Computing könnte die Unternehmens-IT radikal verändern. Die Protagonisten versprechen mehr Flexibilität, unbegrenzte Skalierbarkeit und am Ende sinkende Kosten.

Das Schlagwort Cloud Computing macht derzeit eine Blitzkarriere. Im Herbst 2007 kündigte IBM die Initiative "Blue Cloud" an und hält das Thema seitdem am Kochen. Der E-Commerce-Riese Amazon offeriert zwar schon seit gut zwei Jahren Cloud-Dienste über die Amazon Web Services (AWS), doch in der Öffentlichkeit blieb der Geschäftsbereich lange Zeit unbeachtet. Als Microsoft im Oktober seine Cloud-Plattform "Azure" vorstellte, bekam das mittlerweile zum Hype gereifte Konzept einen weiteren Schub. Inzwischen sind fast alle großen IT- und Serviceanbieter in irgendeiner Form auf den Zug aufgesprungen. "Der Markt ist aufgeregt, niemand will den Einstieg verpassen", beschreibt Frank Sempert vom Marktforschungs- und Beratungshaus Saugatuck Technology die gegenwärtige Aufbruchstimmung.

Mit Cloud Computing können IT-Manager Kosten und Risiken reduzieren, sagt Frank Sempert vom Beratungshaus Saugatuck Technology.
Mit Cloud Computing können IT-Manager Kosten und Risiken reduzieren, sagt Frank Sempert vom Beratungshaus Saugatuck Technology.
Foto: Frank Sempert

Obwohl die Definitionen und Erklärungsansätze auseinanderklaffen sind sich Experten in einem Punkt einig: Cloud Computing bedeutet einen Paradigmenwechsel in der Art und Weise, wie Anbieter IT-Dienste bereitstellen. Die Vision: IT wird zum Gebrauchsgut wie Wasser oder Strom. Gartner-Analyst Daryl Plummer vergleicht das Potenzial der Wolken-IT mit den Auswirkungen der industriellen Revolution des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts (siehe Interview). Der umstrittene Autor Nicholas Carr ("IT doesn't matter") zieht gar Parallelen zu den Industriebetrieben Anfang des 20. Jahrhunderts, die erst allmählich von der eigenen Stromproduktion zu einem Versorgermodell wechselten. Selbst Microsofts Chief Software Architect Ray Ozzie ruft eine "neue Ära" aus, in der das Internet im Mittelpunkt stehe.

Wie der Hype entstand

Schon überschlagen sich die Meldungen zu den vermeintlichen Marktchancen der neuen Dienste. Laut einer IDC-Umfrage unter CIOs und anderen Führungskräften könnten sich die weltweiten Ausgaben für Cloud-Dienste wie Software as a Service (SaaS) oder Online-Speicher bis zum Jahr 2012 auf 42 Milliarden Dollar verdreifachen. Das entspräche zehn Prozent der gesamten IT-Ausgaben.

Vieles spricht dafür, dass die Zeit für Cloud Computing gekommen ist, weil mehrere Schlüsseltechnologien inzwischen ausgereift und praxiserprobt sind. Dazu gehört Virtualisierung in verschiedenen Ausprägungen ebenso wie Grid Computing oder ausgefeilte Provisioning-Software. Aber auch die allgemein verfügbaren hohen Bandbreiten für den Zugang zur "Compute Cloud" machen anspruchsvolle Angebote erst möglich.