Einsichten eines ehemaligen CIOs

Die fünf Irrtümer der IT

Karin Quack arbeitet als freie Autorin und Editorial Consultant vor allem zu IT-strategische und Innovations-Themen. Zuvor war sie viele Jahre lang in leitender redaktioneller Position bei der COMPUTERWOCHE tätig.
Andreas Resch war CIO der Bayer AG und Geschäftsführer der Bayer Information Services. Jetzt wechselte er in das Beraterlager. Hier ist sein Vermächtnis.
Andreas Resch, ehemals Bayer-CIO, neuerdings Berater.
Andreas Resch, ehemals Bayer-CIO, neuerdings Berater.
Foto: Euroforum/C. Meyer

Der moderne CIO spielt zumeist eine Doppelrolle: Er vertritt die Demand-Seite, indem er die Anforderungen des Business filtert und an die operative IT-Einheit oder einen externen Dienstleister weiterleitet. Oft ist er aber auch für die Umsetzung verantwortlich - oder er wird zumindest dafür verantwortlich gemacht. Resch hat diese beiden Rollen über Jahrzehnte verkörpert, bis er Ende vergangenen Jahres die IT-Verantwortung der Bayer AG aufgab und beim Berliner Beratungsunternehmen Modalis anheuerte. Auf der diesjährigen "Handelsblatt"-Konferenz "Strategisches IT-Management" zog Resch ein Fazit seiner beruflichen Laufbahn als CIO. Er identifizierte fünf Lügen - oder sagen wir lieber: Irrtümer -, denen die Unternehmens-IT bewusst oder unbewusst aufgesessen ist.

Irrtum Nr. 1: Die IT hat überall den gleichen Stellenwert

Alle Sätze, die mit "Die IT ist", "Die IT hat" oder "Die IT muss" anfangen, sind per se falsch, konstatierte Resch. Nur weil die IT gemeinhin derart pauschal betrachtet werde, habe Nicolas Carr mit seinen im Grunde recht oberflächlichen Thesen einen "intellektuellen Tsunami" erzeugen können. In Wirklichkeit gebe es aber unzählige Ausprägungen der IT: als Supportfunktion, als Werkzeug im Produktionsprozess, als Bestandteil des Produkts etc. Die Differenzierung über unterschiedliche Branchen, Funktionsbereiche und technische Entwicklungslinien mache generelle Aussagen über die IT als einheitliches Arbeitsgebiet beinahe unmöglich.