Die Fronten verschieben sich

Karin Quack arbeitet als freie Autorin und Editorial Consultant vor allem zu IT-strategische und Innovations-Themen. Zuvor war sie viele Jahre lang in leitender redaktioneller Position bei der COMPUTERWOCHE tätig.
Heute findet das IT-Business-Alignment immer häufiger innerhalb der IT-Abteilung statt.

Viele CIOs reden überhaupt nicht mehr über IT. Wolfgang Gaertner von der Deutschen Bank, Klaus Mühleck von der Volkswagen AG oder Johannes Helbig von der Deutschen Post beispielsweise nehmen informationstechnische Begriffe nur ungern in den Mund. Viel lieber sprechen sie über Geschäftsprozesse und darüber, wie sie helfen können, diese zu verbessern.

Helbig bezeichnet sich gern als "Demand-seitigen CIO". Damit macht er unter anderem deutlich, dass er sich keineswegs als Dienstleister der Fachabteilungen sieht – dafür gibt es bei der Post eine IT-Tochter namens ITSolutions –, sondern als Teil des Business. Das würden die beiden anderen Herren und mit ihnen alle CIOs moderner Prägung sicher gern unterschreiben.

Auf Seite 37 dieser Ausgabe beklagt der ehemalige IT-Manager und heutige Berater Bernd Beimdick das mangelhafte Verständnis zwischen der IT und den Fachbereichen. Wenn sich der CIO als zum Business gehörig betrachtet, sollte sich diese Schnittstelle, neudeutsch "IT-Business-Alignment" genannt, eigentlich verschieben – mitten hinein in die IT-Abteilung. Bedeutet das etwa, dass die von Beimdick monierten Grabenkämpfe jetzt dort stattfinden? Oder dass der CIO und seine direkten Reports verschiedene Sprachen sprechen? Hoffentlich doch nicht! Die Auseinandersetzungen um die Budgets liefern sich jedenfalls immer noch die Fachbereichsleiter. Aber was ist mit den Übersetzungsproblemen?

Tatsächlich kommen immer mehr IT-Verantwortliche aus dem Business. Und der eine oder die andere räumt ein, kein allzu tiefes Technikverständnis zu haben. Ein CIO ohne richtiges IT-Know-how – das ist doch ein Skandal! Nicht, wenn er oder sie die IT konsequent aus der geschäftlichen Perspektive steuert. Aber dazu ist es notwendig, die richtigen Leute auf der zweiten Führungsebene zu haben, Leute, auf die man sich in technischen Fragen verlassen kann. Und selbstverständlich muss der CIO in der Lage sein, mit ihnen zu kommunizieren. Alles andere lässt sich innerhalb einer Abteilung sicher leichter regeln als zwischen unterschiedlichen Kompetenzbereichen.