Chef werden

Die ersten Schritte als Führungskraft

Ingrid Weidner arbeitet als freie Journalistin ín München.
Die einen planen akribisch, die anderen vertrauen auf Eigeninitiative: Lesen Sie, wie Unternehmen ihre Hoffnungsträger auf Führungsaufgaben vorbereiten.
Los geht's! Die erste Phase als neuer Chef bedeutet für viele "learning by doing".
Los geht's! Die erste Phase als neuer Chef bedeutet für viele "learning by doing".
Foto: bofotolux - Fotolia.com

Dirk Bingler übernahm schon früh Führungsaufgaben. Während seines Wirtschaftsinformatikstudiums in Erlangen jobbte er als freiberuflicher Softwareentwickler bei Siemens: "Mit 24 Jahren habe ich innerhalb des Konzerns ein Internet-Startup aufgebaut." Ein firmeninternes Förderprogramm bereitete ihn zwar auf die Aufgaben vor, doch am Ende lautete das Motto doch: Learning by Doing.

Nach zwei Jahren wurde dem Startup der Geldhahn zugedreht. Jetzt fiel dem jungen Manager die Aufgabe zu, das Unternehmen abzuwickeln. "Viele Mitarbeiter hatte ich selbst eingestellt", jetzt musste er sie wieder entlassen. "Diese Erfahrung hat mich dafür sensibilisiert, welche soziale Verantwortung ich gegenüber Mitarbeitern habe", erinnert er sich. Kurze Zeit später verließ Bingler den Konzern und wechselte zu einem mittelständischen Unternehmen in Weiden. Dort führte er als Bereichsleiter acht Jahre lang ein 30-köpfiges Softwareentwickler-Team, bevor er von der Oberpfalz ins Rheinland umzog. Im April 2011 ging er als Geschäftsführer zur GUS Deutschland GmbH nach Köln, seit August ist er dort Hauptgeschäftsführer.

Ohne Delegieren geht es nicht

Der GUS-Chefsessel war seit Monaten unbesetzt gewesen: "Die Mitarbeiter erwarteten klare Strategien und die Inhaber eine zukunftsorientierte, neue Aufstellung." In Gesprächen mit Mitarbeitern und Führungskräften verschaffte sich Bingler einen Überblick. "Nicht jeder hat die neue Ausrichtung mitgetragen. Wichtig ist, konsequent zu sein", lautet seine Devise. Er installierte eine neue Teamleiterebene, die er mit jüngeren Managern besetzte. Von einigen Mitarbeitern trennte er sich.

GUS-Geschäftsführer Dirk Bingler empfiehlt: Schnell delegieren lernen und rechtzeitig gegensteuern, wenn's mal schiefläuft.
GUS-Geschäftsführer Dirk Bingler empfiehlt: Schnell delegieren lernen und rechtzeitig gegensteuern, wenn's mal schiefläuft.
Foto: Privat

Bingler kennt die Fallstricke des Arbeitsalltags. "Aufgaben delegieren und Verantwortung an die Mitarbeiter abgeben ist enorm wichtig", so der Manager. "Wenn es einmal nicht funktioniert, muss man frühzeitig gegensteuern." Mit regelmäßigen Besprechungen lasse sich das Risiko allerdings verringern. Natürliche Autorität, Erfahrung und eine Portion Management-Wissen nennt der neue GUS-Boss als wichtige Bausteine für eine Management-Karriere. Auch regelmäßige Coachings helfen ihm, den Arbeitsalltag aus einer anderen Perspektive zu sehen.

Auch Torben Burba übernahm früh erste Führungsaufgaben. Der studierte Diplomkaufmann begann als Trainee bei der Volksfürsorge Lebensversicherung in Hamburg. Bereits zwei Jahre später stieg er zum Teamleiter auf. Viele seiner acht Mitarbeiter waren deutlich älter als der damals 26-Jährige, doch ein direkter Vorgesetzter traute ihm die Rolle als Führungskraft zu: "Ich hatte klar vorgegebene Kompetenzen sowie die Unterstützung meines Chefs", blickt Burba zurück.