"Die erste Beförderung ist eine Belastung"

Die ersten 100 Tage als Chef

Ingrid Weidner arbeitet als freie Journalistin ín München.
Wer eine neue Führungsaufgabe übernimmt, sollte sich gut vorbereiten und auch mal über sich selbst nachdenken.
Manchmal sind die Schuhe des Chefs dann doch noch zu groß...
Manchmal sind die Schuhe des Chefs dann doch noch zu groß...
Foto: Fotolia, W. Zikas

Der neue Chef hat es eilig an seinem ersten Arbeitstag. Unsicher begrüßt er seine Mitarbeiter, schüttelt Hände und verschwindet schnell in seinem Büro. Dort richtet er sich ein, drapiert Familienfotos und begutachtet Abschiedspräsente früherer Kollegen. Schließlich ruft er seine Freunde an, um ihnen stolz vom ersten Arbeitstag und Karrieresprung zu erzählen. Zunächst wundert sich das Team über die knappe Begrüßung; durch die offene Bürotür muss es unfreiwillig dem immer gleichen Text lauschen. Gelangweilt verfolgen die Kollegen dieses Schauspiel, um sich dann wieder ihrer Arbeit zu widmen. Den Neuen ignorieren sie erst einmal. Nicht alle Führungskräfte verhalten sich so ungeschickt wie dieses Greenhorn, und doch kommt es immer wieder vor.

"Die erste Beförderung ist eine Belastung"

Wer den ersten Führungsjob übernimmt, steht vor gewaltigen persönlichen Veränderungen. Fachkenntnisse und gute Kontakte helfen nicht weiter, wenn es gilt, Personalverantwortung zu übernehmen. Zwar sind Kandidaten, die eine erste Karrierestufe gemeistert haben, mächtig stolz auf ihre Beförderung. Doch wenn sie dabei die falschen Signale aussenden, wird der weitere Weg anstrengend.

"Die erste Beförderung stellt eine ähnlich gravierende Belastung dar wie der Verlust eines Partners oder eine Scheidung. Viele Kandidaten brauchen Hilfe, um die neue Situation zu meistern", sagt Franz Metz, Gründer und Geschäftsführer der Beratergruppe Palatina. Der erste Eindruck, den der neue Chef gegenüber seinen künftigen Mitarbeitern und Kollegen hinterlässt, ist wegweisend für die Zukunft. Gute Vorbereitung hilft, Unsicherheiten zu überwinden. So empfiehlt etwa die Münchner Psychologin Annette Glitz: "Überlegen Sie sich drei bis fünf Sätze, mit denen Sie sich und Ihr Anliegen im neuen Unternehmen vorstellen und die authentisch sind."