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Die Entwicklung der E-Mail

Serverräume oder Orte mit abenteuerlichem Internetzugang sind heute sein Habitat. Seltener ist er in Meetings anzutreffen, zumal sich seine Existenz als Freelancer über zwei Kontinente und diverse Projekte erstreckt.
Die E-Mail ist der Veteran unter den Kommunikationswegen im Internet. Trotz Spam, sozialen Netzen und Instant Messaging bleibt die E-Mail einer der meistgenutzten Internet-Dienste.

Update: Ray Tomlinson, der Erfinder der E-Mail, ist am 5. März 2016 verstorben. Er erfand im Jahr 1971 die E-Mail. In diesem Artikel werfen wir einen Blick auf die bewegte Geschichte der E-Mail.

Vor mehr als 40 Jahren ging die erste E-Mail über die Leitung - allerdings noch zwischen zwei Computersystemen, die im gleichen lokalen Netzwerk hingen. Der Programmierer Ray Tomlinson verschickte 1971 eine Nachricht über das Netzwerk von einem System zu einem anderen. Die Entfernung betrug ganze drei Meter Netzwerkkabel, markierte aber trotzdem einen riesigen Schritt. Denn vorher konnten E-Mails nur zwischen zwei Benutzer-Accounts auf dem gleichen Computersystem verschickt werden.

Als Trennzeichen zwischen Benutzernamen und Computernamen nahm er dabei das @-Zeichen, das kaum genutzt wurde. Wenig beeindruckt waren zunächst die Kollegen, denn eigentlich ging es ihnen gerade um ein Packetswitching-Protokoll des Arpanet und nicht um netzwerkfähige Mailsysteme. Für sein frühes Experiment wurde Tomlinson trotzdem geehrt: 2012 wurde er in die "Internet Hall of Fame" aufgenommen, in der unter anderem auch Web-Wegbereiter Sir Tim Berners-Lee und Linux-Pionier Linus Torvalds einen Platz bekamen.

In den 80er-Jahren begann die Transformation des Arpanet zum Internet und dessen Öffnung für einen größeren Anwenderzirkel aus der Wirtschaft. E-Mail bekam 1982 das eigene Übertragungsprotokoll "Simple Mail Transfer Protocol" (SMTP). Einen weiteren Meilenstein in der Geschichte der elektronischen Post legte 1981 Eric Allman mit der Software "Sendmail". Damit war es erstmals möglich, Nachrichten mit einem Mailprogramm gleichzeitig in verschiedene Netze zu senden. Sendmail ist heute noch auf vielen Unix- und Linux-Servern im Betrieb, obwohl ihm zu Recht der Ruf einer nicht unkomplizierten Konfiguration anhaftet.

So wird die E-Mail transportiert: für den Empfang und für den serverseitigen Versand kommt SMTP zum Einsatz. Auf der Empfängerseite werden die Nachrichten über PoP oder IMAP vom Mailprogramm abgeholt.
So wird die E-Mail transportiert: für den Empfang und für den serverseitigen Versand kommt SMTP zum Einsatz. Auf der Empfängerseite werden die Nachrichten über PoP oder IMAP vom Mailprogramm abgeholt.
Foto: PC-Welt

Mehrere Protokolle für Versand und Empfang

Die E-Mail-Kommunikation zwischen zwei Anwendern basiert auf drei Protokollen: SMTP dient zum Versenden und für die Kommunikation unter den Mail-Servern, die Protokolle POP und IMAP besorgen den Nachrichtenempfang im Mailprogramm des Anwenders. Die Aufgabe des Simple Mail Transfer Protocol (SMTP) ist der zuverlässige Transport von Nachrichten zwischen Mail-Servern, aber auch die Annahme von EMails von Anwendern. SMTP entspricht dem Weg zum Briefkasten und dem Postfahrzeug, POP/IMAP ist der Briefträger, der zur Haustür kommt.

Für den serverseitigen Transport von Nachrichten über SMTP sind sogenannte Mail Transfer Agents (MTA) wie Sendmail zuständig. Nachdem dieser MTA auf dem Server eine Nachricht vom Client-Programm entgegengenommen hat, ist er für das Routing der E-Mail verantwortlich. Anwender kommen mit diesem Part des Mailverkehrs nicht in Kontakt. Mail-Clients wie Thunderbird, Outlook, Outlook Express, Windows Live Mail und Webmail-Dienste übernehmen die Übertragung der elektronischen Post vom und zum Mail-Server.

Das ältere POP, das seit 1984 zur Verfügung steht, holt die Mails einfach auf das lokale Gerät und löscht sie auf dem Server. Das etwas jüngere IMAP (seit 1986) kann dagegen das Mailprogramm mit dem Postfach auf dem Server synchronisieren und die Mails auf dem Server belassen. Die Aufteilung des Mailverkehrs in mehrere Protokolle geschah deshalb, da Anwender selten permanent online sind und einen Mail-Zwischenspeicher auf dem Server brauchen.

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