Personalführung

Die drei großen "V" beim Teambuilding

Christiane Pütter ist Journalistin aus München. Sie schreibt über IT, Business und Wissenschaft. Zu ihren Auftraggebern zählen neben CIO und Computerwoche mehrere Corporate-Publishing-Magazine, vor allem im Bereich Banken/Versicherungen.
Vertrauen, Verantwortung und Veränderung sind die drei großen Variablen im Teambuildung. Coachin Silvia Maute gibt Tipps.
Coachin Silvia Maute arbeitet mit Informatikern und Bankern, aber zum Beispiel auch mit Spitzensportlern.
Coachin Silvia Maute arbeitet mit Informatikern und Bankern, aber zum Beispiel auch mit Spitzensportlern.
Foto: Silvia Maute

Wer dieser Tage das Wort Teambuilding googelt, kommt auf rund 16 Millionen Treffer. Viele davon wollen Rat geben. So wird empfohlen, die Mitarbeiter in den Klettergarten zu schicken oder auf ein Segelschiff. Andere kreisen um Begriffe wie Seminar und Workshop. Coachin Silvia Maute legt dem Teambuilding zunächst einmal "drei große V" zugrunde, nämlich Vertrauen, Verantwortung und Veränderung. Was das konkret heißt? "Nehmen sie die einzelnen Worte ruhig einmal auseinander", sagt Maute, "denn Sprache benutzen heißt, sich mental zu programmieren."

Vertrauen beinhaltet, sich etwas zu trauen. Sich eine Rolle als Teamführer zuzutrauen. Das hat mit Selbstwert zu tun. Wer diesen Punkt für sich klären kann, so Maute, erreicht den nächsten fast von selbst: "Wer sich selbst vertraut, strahlt das aus. Und das hat positive Auswirkungen auf das Vertrauen anderer in ihn - und umgekehrt."

Verantwortung wiederum hat mit "Antwort" zu tun. Wer die Verantwortung für eine Aufgabe oder ein Team übernimmt, braucht Feedback von den Teammitgliedern. Wichtig: dieses Feedback muss ein "Wir" ausdrücken - "wir als Team" wollen dieses oder jenes erreichen. Teambildung scheitert, wenn bei Problemen oder Fehlern die Verantwortung auf Einzelne projiziert wird.

Veränderung stellt die Frage, was das Team nicht nur durch das jeweilige Projekt erreichen, sondern möglicherweise auch im ganzen Unternehmen verändern will. Jeder einzelne im Team wird sich durch Projekt und Teamarbeit selbst verändern, etwa neue Kenntnisse entwickeln und neue Kollegen kennenlernen. Doch der Blick sollte darüber hinaus reichen. Maute fordert von Unternehmensleitungen klar: "Sie sollen glücklich sein über jeden Änderungsvorschlag, der 'von unten' an sie herangetragen wird."

Wichtig ist der Coachin: "Bilden sie niemals mit Gewalt ein Team." Möglicherweise zeigt sich, dass einzelne Mitarbeiter tatsächlich nicht in die Truppe oder zu diesem Projekt passen. Möglicherweise hat sogar jemand innerlich längst mit dem Unternehmen abgeschlossen. Dann ist es besser, diesen Mitarbeiter zu verlieren, als ihn "durchzuschleppen".

Mit den Stärken der Mitarbeiter arbeiten

Beim Zusammenstellen des Teams geht es um die Stärken und Schwächen jedes einzelnen Mitglieds. "Dabei wird oft ein Fehler gemacht", beobachtet Maute. "Es werden Schwächen gestärkt, statt mit den Stärken zu arbeiten. Das demotiviert."

Spektakuläre Teambuilding-Events wie etwa Survival-Trips im Urwald oder gemeinsames Bungee-Jumping hält die Coachin nicht für notwendig. Zumindest nicht für den Anfang eines Teams. "Ziel kann ja nicht sein, jemanden, der sich nicht traut, als 'Loser' dastehen zu lassen", mahnt sie. Zwar sei Emotionales wichtig - es schweißt zusammen, wenn das neu aufzubauende Team auch miteinander gelacht hat.

Doch dabei ist Augenmaß gefragt. Maute erzählt, dass sie in ihrer Praxis durchaus mit Managern über glühende Kohlen läuft. Da habe aber immer eine Menge Vorarbeit stattgefunden. Sinn eines solchen Feuerlaufs ist die Vorbereitung auf Angstsituationen. "Wer sich vor einer Herausforderung das innere Bild davon abruft, wie er über das Feuer gelaufen ist, der bekommt sofort eine selbstsichere Körperhaltung", so Mautes Erfahrung.

Überlebenstraining im Urwald oder Bungee Jumping schweißen ein Team zusammen, aber es geht auch weniger spektakulär.
Überlebenstraining im Urwald oder Bungee Jumping schweißen ein Team zusammen, aber es geht auch weniger spektakulär.
Foto: Syda Productions - Fotolia.com

Stichwort Emotionales: Dass eine Führungskraft als Coach der eigenen Mitarbeiter agieren soll, lehnt Maute ab. "Coach sein heißt, zu analysieren und zu beraten", erklärt sie. "Chef sein heißt, zu analysieren und zu führen." Als Coach kann nur jemand agieren, der ohne Betriebsblindheit von extern dazustößt.

Manchen ihrer Klienten habe sie schon gefragt, wie er denn vor lauter Gesprächen über die privaten Probleme seiner Mitarbeiter noch zum Arbeiten komme, erzählt Maute. Das sei nicht Aufgabe eines Chefs. Für private Probleme kann sich jeder an einen Coach, einen Therapeuten oder eine Beratungsstelle wenden, betont sie.

Auch das Private braucht Struktur

Den Führungskräften, die mit Privatem zu ihr kommen, rät Maute zu einem Vorgehen wie im Job. Konkret: Oft klagen ihre Klienten über Vorwürfe von Ehepartnerin oder Partner über zu wenig gemeinsame Zeit. Ihr Tipp: "Machen sie mit der Ehefrau und jedem einzelnen Kind einen festen Termin in der Woche aus. Mittwochs bestellen sie einen Babysitter und gehen pünktlich mit der Gattin Essen, Donnerstags ist die Tochter mit dem Ponyreiten dran oder der Sohn mit dem Fußball."

Diese Termine müssen genauso ernst genommen werden wie berufliche Termine, betont Maute. "Denn daran werden sich ihre Kinder erinnern, wenn sie älter sind." Wichtig sei, dass jedes Familienmitglied den Ehemann beziehungsweise Vater regelmäßig ganz für sich allein hat. Muss der Termin ausgesetzt oder verschoben werden, wird sofort ein neuer vereinbart.

Noch ein Tipp der Coachin: Tagebuch schreiben. Und zwar nicht am PC, sondern mit der Hand auf Papier. "Durch den Akt des Schreibens verarbeitet man Dinge und kriegt sie aus dem Körper raus", sagt Maute, "damit ist Tagebuchschreiben auch eine Form von Burnout-Prävention." Viele Führungskräfte leiden unter dem Gefühl, der Tag fresse sie auf, weiß Maute. Seine Gedanken aufzuschreiben, helfe, den Tag wieder in den Griff zu kriegen.

 

Martin Beims

Guten Tag,
was da als Vertrauen beschrieben wird, ist nicht Vertrauen sondern Selbstvertrauen. Selbstvertrauen ist wichtig, allerdings ist Vertrauen deutlich wichtiger für erfolgreiches Management. Wer vertraut, gewinnt. Verantwortung hat zwar auch was mit Antwort zu tun aber vor allem damit, dass Vertrauen gerechtfertigt und Ergebnisse erreicht werden Und etwas mit Verlässlichkeit. Seltsam verdreht die Begriffe in diesem Artikel. Warum?

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