Die Deutschland AG spart am PC

Alexander Freimark wechselte 2009 von der Redaktion der Computerwoche in die Freiberuflichkeit. Er schreibt für Medien und Unternehmen, sein Auftragsschwerpunkt liegt im Corporate Publishing. Dabei stehen technologische Innovationen im Fokus, aber auch der Wandel von Organisationen, Märkten und Menschen.
Der Markt für professionell genutzte Rechner will hierzulande nicht in Fahrt kommen.Große Unternehmen halten sich weiterhin mit Anschaffungen zurück.

Apples Mac Mini ist der Zugewinner des deutschen PC-Marktes im zweiten Quartal. Der Rechner selbst liegt links im Bild.

Eigentlich könnten die PC-Hersteller zufrieden sein: Zweistellige Wachstumsraten in den vergangenen Quartalen, die Analystenprognosen locker überflügelt, ungesättigte Märkte entstehen in Osteuropa, und Milliarden Anwender, die teilweise noch nicht wissen, wozu ein Computer überhaupt zu gebrauchen ist, warten in Asien. Dennoch ist es mit der Stimmung im Herstellerlager nicht zum Besten bestellt, denn zum anhaltenden Preiskampf zeichnet sich noch ein Rückgang der Nachfrage in den gesättigten Märkten Westeuropas und Nordamerikas ab. Hiesige PC-Anbieter ficht das nicht sonderlich an, denn sie sind Kummer gewöhnt: Kein westeuropäischer PC-Markt läuft derzeit so schlecht wie der deutsche.

Vor allem die Konzerne halten die Taschen geschlossen, während der Mittelstand, die kleinen Firmen und die Endanwender die Verkäufer wenigstens etwas auf Trab bringen. Selbst interessante Nischenangebote à la Tablet- oder Media-Center-PCs sind kaum geeignet, die hiesige Nachfrage nachhaltig zu beflügeln. Zwar würden sich Media-Center-PCs hierzulande im internationalen Vergleich noch ganz gut verkaufen und den Desktop-Sektor dadurch etwas antreiben, meint Gartner-Analystin Meike Escherich: "Als Boom würde ich das aber nicht bezeichnen." Auch Tablet-PCs, die schlanken und oft schicken Multitalente, hätten derzeit nicht das Zeug zum Bestseller, bilanziert die Analystin: "Die lohnen sich nur für Anwender mit viel Geld und wenig Geduld."

In deutschen Großunternehmen ist die Situation zum Verdruss der Hersteller genau umgekehrt: wenig Geld, viel Geduld. Rechner werden frühestens dann ersetzt, wenn sie kaputt sind. Erst müssen die PCs derjenigen Kollegen aufgebraucht werden, die das Unternehmen verlassen haben. Inzwischen spielt es auch keine Rolle mehr, ob alle PCs von einem Hersteller kommen oder der Maschinenpark bunt zusammengewürfelt wird. Die Lebenszyklen der Konzern-PCs sind auf gut vier Jahre gestiegen, berichtet Escherich, denn "heute wird mehr denn je auf den Preis geachtet".