"Die Deutsche Bundespost ist nicht das Entwicklungshilfeministerium für die deutsche Industrie"

04.03.1983

Mit Bundespostminister Christian Schwarz-Schilling sprachen Helga Biesel und Claudia Marwede-Dengg

- Vor Ihrer Berufung zum Postminister haben Sie ja zu den prominentesten Kritikern des Postmonopols und des Fernmeldeanlagengesetzes gehört, nun sprechen Sie nur noch von einer "liberalen Handhabung". Ist das ein Abrücken von der zuvor vertretenen Position, und was ist darunter zu verstehen?

Darunter ist zu verstehen, daß die Handhabung, wie sie vor meinem Amtsantritt hier geübt worden ist, meines Erachtens zu Recht die Kritik gefunden hat. Die gesetzlichen Grundlagen, die das Monopol der Deutschen Bundespost etablieren, sind in den letzten Jahren eher restriktiv, das heißt mehr zur Abschottung des Monopols hin, ausgelegt worden, als daß man die Möglichkeiten einer offenen Liberalisierung ausgeschöpft hatte. Ich bin der Auffassung, daß, ehe man große ordnungspolitische Überlegungen anstellt, die sicherlich auch angestellt werden müssen, zunächst einmal das Nächstliegende getan und bestimmte zeitgemäße Anforderungen definiert werden. Das Fernmeldeanlagengesetz oder auch das Postverwaltungsgesetz enthalten eine Fülle von Möglichkeiten, diesen Anforderungen entgegenzukommen. Für mich ist daher die erste Priorität, unter den gegebenen gesetzlichen Voraussetzungen mit Vernunft und mit einer genauen Interessenabwägung auf der heutigen Basis erst einmal die Probleme zu lösen.

- Das heißt mit anderen Worten, daß an konkrete Änderungen des Fernmeldeanlagengesetzes oder des Postverwaltungsgesetzes in absehbarer Zeit nicht gedacht ist, weil Sie der Meinung sind, daß die bisherigen Gesetze so flexibel sind, daß man daraus ohne weiteres verschiedene Vorstellungen ableiten kann?

Was uns eingeengt hat, sind im Grunde genommen die Verordnungsflut und die Änderungsverordnungsflut. Da werden wir sicherlich ein Durchforsten in der nächsten Legislaturperiode beginnen und überprüfen, wo in Übereinstimmung mit der neuen Politik der Bundespost einer liberalen Handhabung entsprechendere Möglichkeiten eingeräumt werden können und wo nicht. In diesem Verordnungswesen, glaube ich, liegt auch im Moment Schlüssel.

- Nun gibt es ja mittlerweile in anderen Ländern Überlegungen, Post- und Fernmeldewesen zu trennen ob das jetzt eine Teilprivatisierung ist oder nur eine Trennung in zwei staatliche Unternehmen - beide Modelle gibt es - ist das vorstellbar für die Bundesrepublik?

Ich habe solche Vorstellungen nicht. Meine Vorstellung ist, daß in ein solches Unternehmen wie die Deutsche Bundespost natürlich nach modernen Managementgesichtspunkten Neuerungen eingeführt werden müssen. Da ist aber sicherlich die Trennung dieser beiden Bereiche nicht der erste Punkt, sondern ganz im Gegenteil - ich würde sagen, daß es sogar sehr wichtig ist, daß beide Bereiche sich darüber im klaren sind, daß sie einem Unternehmen angehören. Das ist die Tradition der Deutschen Bundespost, und die halte ich auch für tragfähig in die Zukunft hinein.

- Welche Politik verfolgt die Post in Zukunft auf dem Endgerätesektor und welche Rolle spielt das neue Zulassungsamt in Saarbrücken in diesem Zusammenhang?

Ich glaube, daß die Funktion der Normenkompetenz der Bundespost - und damit die Erstellung der Kompatibilität - für alle, die sich am Markt beteiligen und in unsere Netzstrukturen in irgendeiner Weise einwirken, ungeschmälert sein muß. Allerdings auch mehr unter Berücksichtigung der Angaben, welches Ziel man erreichen will und nicht auf welchem Wege man das Ziel erreicht, um damit die Offenheit und die Innovationsfähigkeit der Unternehmungen besser zu nutzen, als das in der Vergangenheit in dem einen oder anderen Bereich der Fall gewesen ist. Zudem fördern wir dadurch, daß wir zwar das Ziel genau technisch definieren, nicht aber den Weg dorthin genau festlegen, den Wettbewerb. Dort, wo sich die Deutsche Bundespost selbst am Endgerätemarkt beteiligt, muß diese Kompetenz der Normen und des Wettbewerbs am Markt strikt getrennt sein und darf nicht vermischt werden.

Wir müssen aber auch folgendes bedenken: Die Lieferanten der Post kommen zu einem hohen Prozentsatz aus der mittelständischen Industrie. Wenn wir uns nun Knall auf Fall aus dem Endgerätemarkt zurückziehen, kämen diese Unternehmungen in eine schwierige Situation, da sie nicht in der Lage sind, ihre Geräte in der gleichen Weise zu vertreiben und zu warten, wie es Großunternehmen können. Dennoch müssen wir genau abwägen, was ordnungspolitisch nach der sozialen Marktwirtschaft und nach den Grundsätzen, die die Bundesregierung ganz allgemein aufstellt, angebracht ist und was aus Rücksichtnahme gegenüber diesem Bereich, den ich eben genannt habe, an Wettbewerbsmöglichkeiten für die Deutsche Bundespost erhalten bleiben soll. Das im einzelnen zu untersuchen, ist jedoch im Moment nicht meine Aufgabe.

- Wenden wir uns ein wenig der Unternehmenspolitik zu. Seit ihrem Amtsantritt wird immer wieder Kritik laut, daß Sie sich auf dem Feld der Medienpolitik tummeln und sich zu wenig um die Politik Ihres Hauses, speziell was die unterschiedlichen Gewinnentwicklungen im Post- und Fernmeldesektor anbelangt, kümmern.

Zunächst einmal möchte ich diese Kritik in Ruhe, aber mit aller Entschiedenheit zurückweisen. Daß Medien selber ein größeres Interesse haben, Nachrichten zu transportieren, die ihren Bereich selbst betreffen, insbesondere die elektronischen Medien, ist das verständlich, bringt aber eine Schwerpunktsverlagerung im öffentlichen Bild. Wenn in Zeitungsinterviews und in entsprechenden Anfragen an mich die Frage der Medientechnologie eine Priorität hat, dann kann der Postminister nicht sagen, er antwortet auf diese Frage nicht. Es entsteht im Grunde genommen nur ein Spiegelbild dessen, was die öffentliche Meinung vom Postminister im Moment an Entscheidungen erwartet, und da war man eindeutig interessiert an den Fragen, welche Entscheidungen auf dem Bereich der Telekommunikation erfolgen werden, weil dort die politisch kontroversesten Positionen vertreten wurden. Außerdem ist ja in der Vergangenheit die Bundespost als ein Mittel politischer Vorgaben benutzt worden, indem zum Beispiel notwendige Ausbauten von Kabelnetzen aus politischen Vorgaben heraus nicht erfolgt sind. Von meiner Aktivität her möchte ich das Bild hier völlig klarstellen: Wir konnten auf dem Fernmeldebereich sehr schnell eine Wende herbeiführen, weil sie aus den sachlichen Gegebenheiten dieses Hauses im Grunde genommen in den Schubladen lag und nur politische Vorgaben geändert werden mußten. In der Frage der Post haben wir ja sehr viel langfristige Probleme vor uns, weil es sich um strukturelle Fragen handelt.

- Die Post hat unter anderem noch weitere Verbesserungen ihres Service und ihrer Kundenberatung angekündigt. Heißt das, daß sie auf diese Weise mit der Industrie beim Vertrieb von Endgeräten weiter konkurrieren will und zum Beispiel auch mit reinen Beratungsfunktionen?

Ich glaube, Beratungsfunktionen sind für ein modernes Unternehmen, ganz gleich, ob es ein staatliches oder ein privates ist, eine Aufgabe, die heute mehr denn je notwendig ist. Wir haben ganz bewußt in den Postämtern Beraterschalter eingerichtet, die für den Fernmeldebereich wie für den Postbereich dienen, damit der Kunde in der Lage sein wird, das für ihn beste Angebot der Deutschen Bundespost zu erfragen.

Ich glaube, daß wir da im Grunde genommen einen großen Nachholbedarf haben und daß das in anderen Unternehmen langst gang und gäbe ist. Ich bin froh, daß ich hier nur Arbeiten meiner Vorgänger aufgreifen mußte und wir dieses jetzt verstärkt überall in den Poßtämtern einführen können.

- In der Enquete-Kommission wie in der baden-württembergischen Kommission "Neue Kommunikationtechnik" wurde die Rolle der öffentlichen Verwaltung und damit ja sicher auch der Post als Vorreiter für die Einführung neuer Technologien genannt. Gibt es Überlegungen in Ihrem Hause, sich dieser Thematik besonders anzunehmen?

Wir sind ja Vorreiter auf vielen Bereichen. Wenn Sie zum Beispiel den Bildschirmtext nehmen. Die Deutsche Bundespost ist sicherlich das Unternehmen, das im internationalen Vergleich die modernste Technik einfuhrt mit riesigen Vorleistungen, die wahrscheinlich private Unternehmen in diesem Umfang gar nicht vornehmen könnten. Die Post eröffnet damit privaten Unternehmen neue Dienstleistungsmöglichkeiten, neue Angebotsmöglichkeiten. Oder wenn wir daran denken, was wir mit Teletex für Möglichkeiten bieten werden. Die Deutsche Bundespost muß als Netzbetreiber eine Infrastruktur zur Verfügung stellen und tut es auch, um moderne Technik überhaupt erst zu ermöglichen. Ich möchte aber sagen, auch die Industrie ist hier für uns ein ganz wichtiger Innovationsbereich, indem sie uns selbst neue Anwendungsmöglichkeiten für die Betreibung unserer Netze eröffnen muß. Insofern halte ich es für ganz falsch, wenn sich Industrie und Post als Monopol gegeneinander abschotten. Ich bin der Auffassung, daß wir ganz eng kooperieren müssen, um bestimmte Entwicklungen, die im gemeinsamen Interesse liegen, auch gemeinsam voranzubringen im Zusammenwachsen von Fernmeldetechnik und Computertechnik.

Auch in der Gebührenpolitik müssen wir entsprechende Einführungsstrategien haben, damit sich das lohnt. Beim Bildschirmtext zum Beispiel erheben wir 1984 überhaupt keine Speicher- und Verkehrsgebühren und '85 nur zur Hälfte. Von denen, die die Gebühren kritisieren, wird meistens überhaupt nicht zur Kenntnis genommen, daß wir hier wirklich gemeinsam Innovationen - Netzinfrastruktur und Endgerät in Gang bringen. Das ist auch die ganze Frage mit Glasfaser und Kupfer. Da wird vollkommen übersehen, daß die Glasfaser überhaupt nur rentabel werden kann - ganz abgesehen davon, daß die Technik der Glasfaser sich erst einmal kostengünstiger anbieten muß, als das heute der Fall ist - wenn die Anwendung als Marketing längst in Gang gekommen ist. Das Bewußtsein nämlich, was ich mit einem Endgerät als Individualkommunikation alles betreiben kann, was ich machen kann mit Rückkanälen, welche neuen Dienste kommunaler Art, regionaler Art, bundesweiter Art über solche Netze angeboten werden können, kann sich erst über Jahre entwickeln.

Wir müssen zunächst das Vorhandene weiterentwickeln und anbieten. Wenn wir weitere Programme in Kabelnetze einspeisen, dann bedeutet das, daß wir damit auch die Entwicklung der Technik der Nachbarkanalbelegung in Gang setzen. Das bedeutet, weitere neue Endgerätegenerationen.

Dieser Gesichtspunkt ist meines Erachtens in der ganzen Diskussion die ja leider Gottes sehr politisch geführt wird, bisher nicht bedacht worden. Politiker haben ja meistens wenig Ahnung, wie man Produktinnovationen in Gang setzt, wie man Marktentwicklungen in Gang setzt, wie man Produktzyklen abschätzen und sehen muß, wann Entwicklungen wieder zurückgehen.

- Zur Ehrenrettung der Post muß man sagen, daß sie 1976 angefangen hat, Bildschirmtext zu entwickeln und . . .

Das ist auch ein Punkt, wo die Bundespost eine wirkliche Vorreiterrolle spielt.

- In diesem Zusammenhang aber noch eine Frage zur Beschaffungspolitik Ihres Hauses. Es ist sicherlich nicht ganz einfach, weltmarktbeherrschende Unternehmen im Telekommunikationsbereich in der Bundesrepublik so zu behandeln, daß sie nicht überproportional in den Markt hineinkommen, wie man am Beispiel von IBM sieht. Nun ist IBM in der ersten Btx-Ausbauphase der Auftragnehmer und in der zweiten Aufbauphase offenbar bereits auch. Wie wird es denn in der dritten Ausbauphase sein? Große deutsche Amtsbaufirmen betrachten diese Entwicklung sehr.

Ich möchte zunächst einmal sagen, daß die großen deutschen Amtsbaufirmen sich über die Politik der Deutschen Bundespost weiß Gott nicht beklagen können.

Deutsche Amtsbaufirmen haben sich in der Vergangenheit meiner Meinung nach etwas zu ausgeprägt auf die Aufträge der Deutschen Bundespost verlassen . . .

- Richtig.

. . . und sich nicht genug überlegt, wo die neuen großen Entwicklungspotentiale weltweit liegen. Beim Bildschirmtext war eben kein Unternehmen in der Lage, zu einem gegebenen Preis, in einer gegebenen Zeit die Aufgabe in der Weise, wie sie uns IBM angeboten hat, zu erledigen. Ich weiß, daß diese Firma allerhand Investitionen in das Projekt hineinzustecken hatte. Mit Sicherheit ist die Bundespost in diesem Fall sehr gut gefahren.

- Im nachhinein stellt sich das IBM-Angebot als ein Angebot mit einer Art von Dumpingpreisen heraus.

Es kann dann nicht ein Dumpingpreis sein, wenn ein Leistungsangebot erstellt wird, was von anderen in der vorgegebenen Zeit überhaupt nicht hätte erstellt werden können. Ich glaube, daß man die Probleme, die daraus entstanden sind, erst im nachhinein gesehen hat. Natürlich bedeutet für IBM die Vorreiterrolle in diesem Bereich weltweit eine Chance, um in anderen Fernmeldeverwaltungen und -bereichen erfolgreich zu verkaufen.

- Um so trauriger, daß nicht ein deutsches Unternehmen diese Chance bekommen hat.

Die Chance haben ja alle bekommen, nur sie hatten nicht die Möglichkeit, sie in diesem Zeitraum zu erstellen. Ich muß hier ganz klar sagen, die Deutsche Bundespost ist nicht das Forschungsministerium, die Deutsche Bundespost ist auch nicht das Entwicklungshilfeministerium für die deutsche Industrie. Ich sage das auch ganz klar, was zum Beispiel die Satellitentechnik angeht. Wenn die Angebote deutscher Unternehmen völlig außerhalb des Bereiches internationaler Wettbewerbsfähigkeit liegen und dann sozusagen Entwicklungsarbeiten nachfinanziert werden sollen, dann ist die Deutsche Bundespost der falsche Adressat. Die Deutsche Bundespost muß dafür sorgen, daß sie ihre technischen Möglichkeiten weltweit orientiert und so einkauft, daß der Gebührenzahler nicht zu Recht sagt: "Wieso kommen wir eigentlich dazu, Entwicklungen der deutschen Industrie über die Deutsche Bundespost zu bezahlen?"

Ich würde mir wünschen, daß andere Postverwaltungen einen kleinen Schritt liberaler würden, um auch der deutschen Industrie mehr Möglichkeiten zu geben. Ich habe hier Gespräche mit europäischen Postverwaltungen geführt. Das ist ein ganz schwieriges Geschäft! Und ich sehe zu meinem Bedauern, daß die Deutsche Bundespost in dieser Frage die liberalste Haltung einnimmt.

- Das heißt doch mit anderen Worten, daß Sie an dieser liberalen Haltung ungeachtet der Politik in anderen Ländern festhalten wollen.

Wir werden nicht zurückgehen. Wir werden uns zu überlegen haben, ob es politisch richtig ist, unsere Trümpfe alle aus der Hand zu geben, indem der Wettbewerb vom Ausland hier total einbrechen kann, ohne daß die Konkurrenten von irgendeiner Weise her gezwungen werden, auch in ihren eigenen Ländern die Öffnung der Märkte zu veranlassen. Ich bin sehr vorsichtig, weitere einseitige Vorleistungen zu erbringen, wo wir deutsche Arbeitsplätze zu verteidigen haben und hier nicht nur Ordnungspolitik in Europa theoretisch betreiben dürfen.

- Noch eine Frage zu den Gebühren von Bildschirmtext. Die Kleinanbieter haben heftig Einspruch erhoben, trotz günstiger Einstiegskonditionen. Konditionen, die zunächst einmal für die Post nicht kostendeckend sein werden. Was ist hier weiter geplant? Wie wollen Sie einerseits diesen Gruppen gerecht werden, andererseits der Post selbst?

Wir werden nicht kostendeckende Gebühren verlangen, wenn nur 500 000 Teilnehmer angeschlossen sind, und der Wert des Dienstes als solcher noch nicht wirklich spürbar wird. Wir sind in der Anfangsphase natürlich nicht kostendeckend insbesondere in den Jahren 84, 85. Nach unseren Planungen wollen wir den Break-even-point etwa 1988/89 erreichen. Wir investieren hier bis 1986 mehr als eine halbe Milliarde. Das ist nur zu verantworten, wenn der Dienst auch gewinnbringend für die Deutsche Bundespost betrieben werden kann. Vor der Ankündigung gab es viele Gespräche. Natürlich konnte man nicht alle Wünsche berücksichtigen. Ich kann insbesondere nicht die Wünsche der Kleinanbieter berücksichtigen, die Bildschirmtext heute zum Nulltarif benutzen um sozusagen jegliche Kommunikation vom Telefongespräch bis zum Telegramm und Telex über den Bildschirm kostenlos abzuwickeln, und nun mit Streik oder ähnlichem drohen, wenn dieses nicht so fortgesetzt wird. So war der Bildschirmtext nie gedacht, und so kann er auch nicht gedacht sein. Wir führen aber weitere Gespräche mit dem DIHT, mit dem Handwerk etc. um zu sehen, ob irgendwo noch ein spezieller Punkt ist, der anders kalkuliert werden sollte.

- Sie haben eben gesagt, für Bildschirmtext wird eine halbe Milliarde aufgewendet. Wie schlüsselt sich diese Zahl auf?

Hierin ist insbesondere der Aufbau der Rechner und die Beschaffung der Teilnehmermodems enthalten. Der Ausbau im Fernmeldenetz kommt noch dazu.

- Im Zusammenhang mit IBM ist bekannt, daß die erste Ausbauphase 50 Millionen Mark kostet.

Ja, diese erste Ausbauphase deckt den Bedarf bis Ende 1984, entsprechend 150 000 Teilnehmern ab. Die Hauptinvestitionen erfolgen in den Jahren ab 86/87.

- Sind die Folgeaufträge auch schon an IBM vergeben?

Nein, hier werden wir auch anderen Herstellern Angebotsmöglichkeiten geben. Bei der erwarteten Teilnehmerentwicklung kommen wir dann in Größenordnungen - hier zum Beispiel Btx-Vermittlungsstellen - 1985 über 40 Millionen, ab 1986 jeweils über 100 Millionen.

- Gibt es auch Berechnungen über die Kostenunterdeckung?

Ja sicher.

- Kann man da Zahlen nennen?

Ich sage ja, der Break-even-Point wird nach unseren Berechnungen erst 88/89 erreicht werden. Ich glaube, wir können diese Fragen jetzt nicht theoretisch behandeln, weil wir ja auch nur von gewissen Annahmen der Teilnehmer ausgehen. Ich warne davor, auch in unserem eigenen Hause, zu meinen, wir könnten das alles für Jahre vorausberechnen.

- Nun zum letzten Punkt: Kommunikationsnetze. Da ist ja schon sehr viel darüber geredet worden und Sie haben in sehr vielen Interviews Ihre Konzeption dargelegt. Was sind die konkreten technischen Planungen im Detail bis 85/86 und welche Investitionen werden für diese Netze und Dienste erforderlich sein?

Wir haben Investitionen in diesem Bereich in der Größenordnung von jährlich 12 bis 13 Milliarden, wenn wir das Telefon mit einbeziehen. Mein Bestreben ist es zunächst einmal, möglichst schnell das integrierte Schmalbandnetz aufzubauen.

Wir müssen daneben die Vermaschung der Regionalnetze über die Glasfaser verstärken, um die Vielzahl der Dienste im Ferntransport etwas günstiger aufbereiten zu können. Im Ortsnetz warten wir die Bigfon-Versuche ab, die ab '84 anlaufen, aber erst 86/87 die Auswertung bringen werden. Bigfon - das integrierte Breitbandnetz - sehe ich, in seinen Anfangsschritte Ende der 80er Jahre beginnen, wobei überhaupt noch nicht gesagt ist, ob es sinnvoll ist, in jeden Haushalt einen breitbandig integrierten Anschluß zu legen, wenn die Kosten für den Endverbraucher so teuer sind, daß er sagt, "Wozu das?" oder aber die Post Vorleistungen erbringen müßte, die sich kapitalmäßig gar nicht amortisieren. Diese Frage wird eigentlich erst nach den Bigfon-Versuchen echt zu beantworten sein. Für die Verteilung von Rundfunk und Fernsehen bauen wir Kupferkoaxialnetze, wobei man sich vorstellen kann, daß weitere neue Dienste über diese Netze laufen werden, vielleicht auch kostengünstiger als im Telefonnetz.

- Mit welchen Kosten ist für die Verwirklichung all dieser Pläne zu rechnen?

Ich nehme an, daß wir mehrere Jahre ein gesamtes Investitionsvolumen in der Größenordnung von 14 - 15 Milliarden haben, werden, wobei wir aber darauf achten müssen, daß unsere Investitionen, bezogen auf die einzelnen Gebiete, nicht nur Vorleistungen bedeuten. Es müssen mittelfristig auch rentierliche Investitionen sein. Aber dazu ist ein attraktives Angebot die Voraussetzung. Es wurde bisher ja nie ein unternehmerisches Konzept in dieser Frage erstellt. Es wurde lediglich gesagt, wir sind für die Netze zuständig, wer sich anschließen will, bitte! Aber man hat gar nicht bedacht, daß ja das Angebot für den Kunden die Teilnehmerzahl bestimmt.

- Fürchten Sie denn da nicht etwas die Haltung der Bundesländer, weil vieles, was über diese Kabelnetze angeboten wird, nun wiederum Medienpolitik ist und damit in den Bereich der Länder hineinspielt?

Ich habe die Länder klar von meinen Plänen unterrichtet und meine Wünsche gesagt. Die Länder sind weitgehend diesen Wünschen gefolgt mit dem Begriff der "Ortsmöglichkeit". Was sie noch nicht abschließend beraten haben, ist die Heranführung von Programmen. Die dritten Programme dürfen selbstverständlich eingespeist werden. Die Länder haben uns schon signalisiert, daß das Heranführen unter bestimmten Bedingungen erwünscht ist. Und ich bin überzeugt, wenn wir mal französische Programme oder englische Programme von dem neuen ECS-Satelliten, der ab '84 am Himmel stehen soll, haben werden, daß dieses dann auch attraktiv wird. Europa soll sich auch in Deutschland abspielen, und zwar für die Endverbraucher als tagtägliche Möglichkeit und nicht nur für 14 Tage im Sommer an der Adria.

Von der Nachfrage her ist die Koaxialkabeltechnik für den Punkt der Verteilung von Programmen heute die bessere technische Möglichkeit. Bei den Glasfasern kann man im Moment nach der heutigen Technik des Multiplex nur drei bis fünf Programme gleichzeitig anbieten, alles andere muß über Vermittlung hereingeholt werden und Vermittlung ist ein gebührenpflichtiger Vorgang, auch gegenüber der Deutschen Bundespost. Ich bin noch sehr im Zweifel, ob das der richtige Weg ist. Von daher weiß ich noch gar nicht, ob die Glasfaser als integrierter Bestandteil auch für die Verteilung von Programmen überhaupt das geeignete Mittel sein wird. Das müssen wir über Bigfon erst richtig erarbeiten. Nur diejenigen, die sagen, die Glasfaser bringt alles, die können weder rechnen, noch kennen sie den Stand der Technik. Das sind meistens Leute, die eine bestimmte Sache verzögern wollen, politisch verzögern wollen. Und das machen wir nicht mit.

- Das würde aber auch heißen, daß einige deutsche Unternehmen in die se Kategorie gehören, die verzögern. Das können wir uns nicht so ganz vorstellen. Es ist fast ein Dogmenstreit ausgebrochen um die Frage Kupfer koaxialkabel oder Glasfaser. Daher gibt es unterschiedliche Standpunkte, je nachdem wie die Interessen gelagert sind.

Selbstverständlich gibt es diejenigen, die eine Interessenlage haben und meinen, daß die Gelder der Deutschen Bundespost in die Entwicklungsabteilungen der Großunternehmen zu fließen haben. Für die ist es vollkommen uninteressant, daß wir zum Beispiel für eine Milliarde Breitband-Verteilnetze bauen, wovon 50 Prozent in die Bauindustrie und 20 Prozent in das Elektrohandwerk fließen und daß wir unsere eigenen Fernmeldehandwerker heute beschäftigen können. Das interessiert natürlich das Großunternehmen nicht. Es hat vielleicht die Sorge, daß solche Investitionen die Mittel auf dem Glasfasersektor beschränken. Wir haben aber keine Reduzierung vorgenommen auf diesem Gebiet. Insoweit ist also jeglicher Vorwurf auf diesem Gebiet haltlos. Ich kann aus Sicht der Großindustrie verstehen, daß man dort größeres Interesse an solchen Postinvestitionen hat, die mit den eigenen Produkten und Entwicklungen zusammenhängen, als an übrigen Investitionen der Deutschen Bundespost. Nur ist die Bundespost nicht dafür da, die Interessen der Großindustrie zu vertreten.