Netz- und IT-Management per App

Die Cloud per App managen

Bernd Reder ist freier Journalist mit den Schwerpunkten Netzwerke, IT und Telekommunikation in München.
Für alles gibt es ein App - dieser eher flapsige Spruch trifft mittlerweile auch auf das IT-Management zu. Wir zeigen, mit welchen Apps Admins die Cloud-Computing-Ressourcen verwalten können.

Während das Management eines Active Directory - entsprechende Apps hierzu haben wir hier vorgestellt - für viele IT-Fachleute zum täglichen Brot gehören dürfte, zählt die Verwaltung von Servern und IT-Ressourcen, die einer Cloud-Computing-Umgebung angesiedelt sind, noch zur "Königsdisziplin" im Bereich IT- und Netzwerkverwaltung. Auch dafür stehen mittlerweile diverse Apps zur Verfügung.

Mit der kostenlosen AWS Console für iOS und Android lassen sich IT-Ressourcen in der Amazon-Cloud von Mobilgeräten aus verwalten.
Mit der kostenlosen AWS Console für iOS und Android lassen sich IT-Ressourcen in der Amazon-Cloud von Mobilgeräten aus verwalten.
Foto: Amazon

Auf die Amazon Web Services (AWS) ist die AWS Console von Amazon zugeschnitten. Die App ist in Versionen für iOS und Android verfügbar. Sie stellt eine einfach gehaltene Verwaltungsoberfläche für mehrere AWS-Dienste bereit, darunter die Elastic Compute Cloud (EC2), den Cloud-Speicher-Dienste Simple Storage Service (S3), den Simple Notification Service (SNS) sowie die Relational Database Services (RDS) und die Web-Hosting- und DNS-Dienste (Domain Name Service) von Amazon.

Die AWS Console informiert den Administrator unter anderem über den Statuts von EC2-Instanzen, den "Gesundheitszustand" von Cloud-Services und die angefallenen Kosten. Zudem kann der Fachmann EC2-Instanzen stoppen und neu starten oder festlegen, wann Alarmmeldungen ausgegeben werden. Somit stellt die AWC Console Basisfunktionen für die Verwaltung von AWS-Ressourcen zur Verfügung, und das auf einer schlicht gehaltenen Benutzeroberfläche ohne grafischen Schnickschnack. Amazon will nach eigenen Angaben die App um weitere Funktionen ergänzen. Welche das sein werden und wann sie bereitstehen, ist noch offen.

Decaf Amazon EC2 Client zählt mit einem Preis von 9,99 Euro zu den relativ kostspieligen Apps, mit denen sich Amazon-EC2-Instanzen managen lassen.
Decaf Amazon EC2 Client zählt mit einem Preis von 9,99 Euro zu den relativ kostspieligen Apps, mit denen sich Amazon-EC2-Instanzen managen lassen.
Foto: 9Apps

Während die AWS Console kostenlos verfügbar ist, muss der Nutzer für den Decaf Amazon EC2 Client von 9Apps 9,99 Euro berappen. Die App beschränkt sich auf das Management einer EC2-Infrastruktur. Zu den Kernfunktionen zählen das Monitoring von Instanzen, ein Dashboard und die Verwaltung von Instanzen, Images, Volumes und Snapshots sowie der Sicherheitseinstellungen. Zu den Stärken des Decaf-EC2-Clients zählen die übersichtliche Benutzeroberfläche und die Hilfestellung, welche die Software dem Administrator beim Einrichten und Managen von EC2-Instanzen gibt. Der Nutzer wird durch den gesamten Prozess geführt, vom Anlegen und Sichern eines Accounts mittels Passwort und PIN bis hin zu komplexeren Management-Aufgaben wie dem Einrichten von Security Groups. Statusmeldungen. etwa zur CPU- und Storage-Nutzung von EC2-Instanzen, gibt die App als Grafik auf einem Android-Mobilgerät aus. Apples iOS wird nicht unterstützt.

Wie der Name bereits sagt, ist Eazy2 auf eine möglichst einfache Bedienung ausgelegt. Die kostenlose App ermöglicht die Verwaltung von EC2-Instanzen und unterstützt mehrere Nutzer-Accounts.
Wie der Name bereits sagt, ist Eazy2 auf eine möglichst einfache Bedienung ausgelegt. Die kostenlose App ermöglicht die Verwaltung von EC2-Instanzen und unterstützt mehrere Nutzer-Accounts.
Foto: Torry Harris

Auf einem iPad oder einem Android-Mobilgerät lässt sich dagegen Eazy2 verwenden. Die kostenlose App ist, wie AWS Console und Decaf, für die Verwaltung von IT-Ressourcen in der Amazon-Cloud ausgelegt. Der Entwickler Torry Harris hat auf eine möglichst einfache Bedienung Wert gelegt, was zu Lasten des Funktionsumfangs ging. Eazy2 beschränkt sich daher auf Basis-Features wie das Starten, Stoppen, Neu-Booten und Terminieren von EC2-Instanzen sowie die Bereitstellung von Informationen über die Kosten. Hinzu kommen Detaildaten zu Instanzen (Name, Zone, Typ, Owner). In Bezug auf die Funktionen hat AWS Console mehr zu bieten. Dafür erlaubt es Eazy2 im Gegensatz zum Decaf-Client, mehrere User-Accounts anzulegen.

Management-Tool ohne Hersteller-Bindung

Die Cloud-Computing-Welt besteht allerdings nicht nur aus Amazon. Auch Microsoft mit Azure, Google, Rackspace und sowie IT-Firmen wie HP, IBM, Oracle, Fujitsu, SAP und Red Hat sind mittlerweile eigenen Cloud-Computing-Plattformen und App-Stores auf dem Markt vertreten. Wer eine App benötigt, mit der sich beliebige Cloud-Server auf Basis von Linux oder Unix verwalten lassen, sollte einen Blick auf die kostenlose Open-Source-Software ConnectBot werfen. Bei diesem Secure-Shell-Client muss der IT-Administrator muss allerdings auf eine grafische Benutzeroberfläche verzichten und stattdessen auf der Kommandozeilen-Ebene arbeiten.

ConnectBot ist kein typisches Cloud-Management-Werkzeug, sondern ein SSH-Client. ConnectBot unterstützt mehrere simultane SSH-Sessions, sichere Tunnel sowie Copy-and-Paste-Aktionen mit anderen Android-Apps. Die Anwendung lässt sich in andere Cloud-Management-Apps wie Decaf einbinden. In diesem Fall hat der Administrator die Möglichkeit, über einen Shortcut aus dem Decaf-Amazon-EC2-Client heraus eine SSH-Verbindung zu EC2-Instanzen herzustellen. ConnectBot erhielt übrigens von Nutzern des Google-Play-Shops die Bewertung 4,7 (von maximal 5) - ein Spitzenwert.

Windows Azure im Fokus

Apropos andere Cloud-Computing-Welten: Zu den Cloud-Plattformen, die derzeit am stärksten zu beachten sind, zählt neben Amazon und Google Microsoft Windows Azure. Im April 2013 hatte Azure laut Microsoft weltweit 200.000 Kunden. Nach Angaben von Microsoft kommen pro Tag weltweit rund 1000 neue Nutzer hinzu. Es gibt zwar mittlerweile eine Reihe von Management-Tools für Windows Azure, sowohl von Microsoft als auch von Drittanbietern. Apps für mobile Systeme sind jedoch noch nicht allzu häufig anzutreffen.

Vom einem iPad oder iPhone aus hat ein Administrator mit CloudTools for Windows Azure Zugriff auf IT-Ressourcen in der Microsoft-Cloud.
Vom einem iPad oder iPhone aus hat ein Administrator mit CloudTools for Windows Azure Zugriff auf IT-Ressourcen in der Microsoft-Cloud.
Foto: CloudTools

Ein Management-Tool, mit dem sich Instanzen und Anwendungen auf Windows Azure von einem iPhone oder iPad aus steuern lassen, ist CloudTools for Windows Azure von CloudTools. Ähnlich wie bei den Apps für Amazon kann der Nutzer von einem Apple-Mobilgerät aus Instanzen überwachen oder neu starten sowie die Zahl der Instanzen an den tatsächlichen Bedarf anpassen. Die App, die 4,99 Euro in Apple iTunes kostet, unterstützt seit Version 1.4 auch iOS 6 beziehungsweise das iPhone 5 sowie Virtual Machines.

Derzeit noch im Beta-Test ist AzureWatch von Paraleap Technologies. Das Tool stellt zentrale Management-Funktionen für Instanzen in Windows Azure bereit.
Derzeit noch im Beta-Test ist AzureWatch von Paraleap Technologies. Das Tool stellt zentrale Management-Funktionen für Instanzen in Windows Azure bereit.
Foto: Paraleap Technologies

Noch im Beta-Test-Stadium befindet sich dagegen AzureWatch für Android-Systeme von Paraleap Technologies. Ob die App über diesen Status hinaus kommt, steht in den Sternen, weil sie seit rund eineinhalb Jahren nicht mehr aktualisiert wurde. Mit AzureWatch lassen sich laut Anbieter alle zentrale Funktionen von Windows Azure steuern. Die schließt die Überwachung der Instanzen, eine Anpassung der Ressourcen in Echtzeit sowie das Aufsetzen von Instanzen mithilfe einer Schritt-für-Schritt-Anleitung mit ein. Allerdings scheint der Anbieter derzeit einen Ansatz zu favorisieren, der die Steuerung der Windows-Azure-Ressourcen über ein Web-Frontend ermöglicht. Daher muss sich der Anwender bei Paraleap registrieren, wenn er AzureWatch verwenden möchte.

Noch keine "fertige" App für Windows Azure steht von Newvem Insight zur Verfügung. Allerdings befindet sich das Management-Tool Cloud Smart Meter for Windows Azure bereits im Beta-Stadium. Für die Amazon Web Services EC2 und S3 steht dagegen bereits eine vergleichbare Management-App bereit: für iPhones und iPads. Die Anwendung für Azure ist derzeit für Basisaufgaben ausgelegt, insbesondere die Visualisierung von Kosten und Auslastung der gebuchten Windows-Azure-Services und -Workloads. Vergleichbare Features sind auch bei Cloud Smart Meter für AWS verfügbar. Eine Ausgabe von Cloud Smart Meter mit grundlegenden Funktionen ist kostenlos verfügbar. Wer detailliertere Analysen benötigt, kann eine kostenpflichtige Version ordern. Die Preise für die Enterprise Edition stehen auf Anfrage zur Verfügung.

Fazit

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass derzeit vor allem kleinere Unternehmen und einzelne Entwickler Apps für das Management von Instanzen in der Amazon- und Microsoft-Cloud anbieten. Dass es noch kein umfassendes Angebot an Apps für die Verwaltung von Active Directory und Cloud-Services gibt, ist nicht nur auf die zögerliche Haltung der etablierten Software-Anbieter zurückzuführen. IT-Administratoren benötigen nicht unbedingt eine App, um von einem Mobilsystem auf Instanzen in einer Cloud zuzugreifen. Viele nutzen dazu traditionelle Verfahren, etwa Clients für Virtual Network Computing (VNC), das Remote Desktop Protocol (RDP) oder Secure Shell (SSH). Hier gibt es eine ganze Reihe von Werkzeugen, die Android oder iOS unterstützen, etwa WinAdmin, VNC Viewer oder Ignition.