Überblick zu Managed-Cloud-Anbietern für den Mittelstand

Die Cloud ist endgültig in Deutschland angekommen

René Büst ist Senior Analyst und Cloud Practice Lead bei Crisp Research mit dem Fokus auf Cloud Computing und IT-Infrastrukturen. Er ist Mitglied des weltweiten Gigaom Research Analyst Network und gehört weltweit zu den Top 50 Bloggern in diesem Bereich. Seit Ende der 90er Jahre konzentriert er sich auf den strategischen Einsatz der Informationstechnologie in Unternehmen.
Angesichts der Tatsache, dass sich mehr als 74 Prozent der deutschen Unternehmen derzeit in der Phase der aktiven Planung und Implementierung befinden sowie Cloud-Services und –Technologien im produktiven Betrieb einsetzen, zeigt: Cloud Computing ist in Deutschland endgültig angekommen.
Crisp Research hat untersucht, wie weit die Cloud bereits in deutschen Unternehmen Einzug gehalten hat.
Crisp Research hat untersucht, wie weit die Cloud bereits in deutschen Unternehmen Einzug gehalten hat.
Foto: cherezoff, Fotolia.de

Bei 19 Prozent der deutschen IT-Entscheider ist Cloud Computing fester Bestandteil auf der IT-Agenda und im produktiven IT-Betrieb. Das zeigt eine aktuelle Studie der Crisp Research AG im Auftrag der HP Deutschland GmbH. Weitere 56 Prozent der befragten Unternehmen befinden sich in der Planungs- oder Implementierungsphase und setzen Cloud bereits im Rahmen erster Projekte und Workloads ein. Dabei spielen Hybrid- und Multi-Cloud-Infrastrukturen bei deutschen IT-Entscheidern eine zentrale Rolle, um die Integration auf Daten-, Anwendungs- und Prozessebene sicherzustellen. Von den befragten Mittelständlern befinden sich rund drei Viertel der Unternehmen in der aktiven Planung, Implementierung und dem Betrieb von Cloud-Infrastrukturen.

Ein Viertel der deutschen IT-Entscheider beschäftigt sich noch nicht mit der Cloud.
Ein Viertel der deutschen IT-Entscheider beschäftigt sich noch nicht mit der Cloud.
Foto: Crisp Research

Managed Cloud Services sind im Fokus des Mittelstands

Im Kontext der Informationstechnologie werden deutsche Unternehmen von Außenstehenden oftmals als Exoten betrachtet. Bis neue Konzepte und Technologien, die in Ländern wie den USA bereits längst adaptiert sind, in deutschen IT-Organisationen Einzug erhalten, vergehen im internationalen Vergleich gerne schon einmal zwei bis drei Jahre mehr. Das gilt auch für die Nutzung von Cloud-Services. Aus dem Blickwinkel eines deutschen mittelständischen Unternehmens lässt sich diese Zurückhaltung insbesondere an vier Themen festmachen, die von den meisten Anbietern, speziell aus dem Public Cloud Umfeld nicht erfüllt werden:

  • Lokaler Anbieter
    Eine Partnerschaft auf Augenhöhe steht bei mittelständischen Unternehmen hoch im Kurs, um eine langfristige IT-Strategie gemeinsam zu erarbeiten und durch entsprechende vertrauenswürdige und zuverlässige IT-Services zu unterstützen.

  • Speicherort der Daten
    Datenlokalität ist der wichtigste Aspekt für mittelständische Unternehmen. Das Wissen darüber wo die Unternehmensdaten gespeichert sind, ist ein kritischer Faktor bei der Auswahl eines Anbieters von Cloud-Services. Gleichzeitig müssen Unternehmen dafür Sorge tragen, dass die Datenschutzbestimmungen nach dem Bundesdeutschen Datenschutzgesetz eingehalten werden, um personenbezogene Daten zu schützen.

  • Individualität anstatt globaler Standard
    Cloud- Services wurden bisher überwiegend von US-amerikanischen Anbietern hochstandardisiert bereitgestellt. Was für Startups auf der grünen Wiese einen idealen Ansatz bietet, ist für etablierte mittelständische Unternehmen ohne großen Aufwand schwer umsetzbar. Statt eines globalen Standards ist der Zugriff auf einen flexiblen und modularisierten Baukasten von fertigen Cloud-Services unausweichlich.

  • Kein Self-Service
    Deutsche Unternehmen haben Interesse an Cloud-Services, um ihre IT flexibler und skalierbarer zu betreiben. Typischerweise werden diese im Self-Service Betrieb genutzt, was bei den Unternehmen jedoch auf wenig Akzeptanz trifft. Stattdessen werden Beratungsleistungen und Managed Cloud-Services erwartet, mit denen der Anbieter seinen Kunden dabei hilft, bestehende oder neue Applikationen und Systeme auf seiner Cloud-Infrastruktur zu entwickeln und zu betreiben.

Managed Cloud Anbieter für den Mittelstand

Cloud Services bilden die Basis für den Mittelstand, um unter ökonomischen Gesichtspunkten von einem State-of-the-Art Applikationsportfolio zu profitieren, welches bisher nur großen Konzernen vorbehalten war. Dabei beeinflusst die Auswahl der passenden Cloud Lösungen und Deployment-Modelle den Erfolg. Managed Cloud Services decken ein breites Spektrum der Anforderungen des Mittelstandes ab. Hier stehen den mittelständischen Unternehmen Lösungen zur Verfügung, welche die spezifischen Anforderungen an den Datenschutz, die Compliance, IT-Governance und IT-Sicherheit genügen. Hochstandardisierte Public Cloud Angebote sind hierzu nicht in der Lage.

Quiz Hybrid Cloud

Der deutsche Markt für Managed Cloud Services hat sich im Laufe der vergangenen Jahre so weiterentwickelt, dass sich mittelständische Unternehmen nicht mehr alleine an den globalen Lösungen US-amerikanischer Anbieter orientieren müssen. Partnerschaften mit lokalen Anbietern versprechen den Zugriff auf vertrauenswürdige und zuverlässige IT-Services bei Bedarf und einem Ansprechpartner vor Ort. Auf Basis von Managed Services und passenden Beratungsdienstleistungen stehen dem Mittelstand zahlreiche Mittel und Wege zur Verfügung, um neue Applikationen und Systeme auf einer externen Cloud-Infrastruktur entwickeln und betreiben zu lassen.

Crisp Research hat eine (nicht vollständige) Auswahl von deutschen Managed Cloud Service Providern zusammengestellt, die mittelständische Unternehmen bei ihrer Cloud-Sourcing Strategie auf dem Zettel haben sollten:

  • Arvato Systems

  • Bechtle

  • BT Germany

  • Claranet

  • Concat

  • DTS Systeme

  • Easynet

  • Host Europe

  • Pironet NDH

  • Scaleup Technologies

Der Mittelstand im Zeichen der Cloud-Services

Cloud Services haben einen entscheidenden Einfluss auf die digitale Transformation von Unternehmen. Die Vernetzung mit Partnern und Lieferanten über nahtlos ineinandergreifende automatisierte Prozesse sind heutzutage ein Muss, um auf die sich ständig verändernden Marktbedingungen reagieren zu können. Ebenso verhält es sich mit dem Aufbau und der Pflege von Kundenbeziehungen und beim Marketing. Cloud-Infrastrukturen unterstützen hierbei, um kurzfristig Kampagnen umzusetzen und Lastspitzen abzufangen.

Neben diesen beiden Bereichen profitiert der Mittelstand insbesondere durch:

  • Stärkung der Innovationsfähigkeit: Mit der Nutzung von Cloud-Infrastrukturen werden Unternehmen in die Lage versetzt, sich auf ihre Kernkompetenzen zu konzentrieren, um damit mehr Zeit und Personal in Innovationen und damit in die Wettbewerbsfähigkeit zu investieren.

  • Optimierung der Kapitalbasis: Cloud Computing sorgt für eine Optimierung der Kapitalbasis, indem sich die IT-Kosten von einem Capex-Modell (Investitionskosten) zu einem Opex-Modell (Betriebskosten) verändern. Anstatt vorab in IT-Lösungen zu investieren, entstehen nur noch dann Kosten, wenn IT-Services tatsächlich genutzt werden. Hierdurch stehen mehr finanzielle Mittel zur Verfügung, die in die Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit investiert werden können.

  • Verbesserung der Sicherheit: Cloud Anbieter investieren pro Jahr Millionen in die Absicherung ihrer IT-Infrastrukturen und beschäftigen zahlreiche Sicherheitsexperten, um diese gegen Cyber- und Hackangriffe zu schützen. Ein mittelständisches Unternehmen ist nicht in der Lage, diese Investitionen zu tätigen, um eine gleichwertige Sicherheit zu gewährleisten. Alleine die Daten im eigenen Besitz zu wissen, bedeutet nicht, dass diese auch vor Angriffen und Spionage geschützt sind. (bw)