Netgear-CEO

Die Chinesen und Taiwaner können nur billig

Jürgen Hill ist Teamleiter Technologie. Thematisch ist der studierte Diplom-Journalist und Informatiker im Bereich Communications mit all seinen Facetten zuhause. 
Mit Patrick Lo, CEO von Netgear, sprach CW-Redakteur Jürgen Hill über die Strategie des Netzwerk-Players im Konkurrenzkampf mit Cisco und Co.

CW: Im Vergleich zu Cisco und anderen Playern ist Netgear nur eine kleine Nummer und nicht unbedingt Innovationsführer. Wie wollen Sie in diesem Wettbewerb bestehen?

LO: Wir setzen unseren Kurs fort, Enterprise-Technik für kleine und mittlere Unternehmen (Small Medium Business = SMB) zu bezahlbaren Preisen anzubieten. Dabei achten wir auf Geschwindigkeit und leichte Bedienung - hierin unterscheiden wir uns von den großen Playern. Gleichzeitig ist das unser Differenzierungsmerkmal gegenüber den taiwanischen und chinesischen Herstellern, die immer nur den Techniktrends folgen und nur eines können: billig, billig und nochmals billig. Diese Anbieter hinken uns auf technischer Ebene zwei bis drei Jahre hinterher.

CW: Und was hat der Anwender davon?

LO: Nehmen Sie das Thema Switching. Wir bieten seit rund viereinhalb Jahren Switches mit einem Web-Interface an, von uns auch Smart Switches genannt. Zudem unterstützen unsere Smart Switches Gigabit Ethernet oder Power over Ethernet oder sind stackable. Das alles werden Sie bei den Taiwanern nicht finden.

CW: Spüren Sie bereits die Wirtschaftskrise, und was erwarten Sie für die nächsten sechs Monate?

LO: Hier müssen wir zwischen dem Consumer- und dem SMB-Markt unterscheiden. Beide Segmente haben für uns derzeit eine Gewichtung von 50 zu 50. Im Consumer-Bereich verbuchen wir bereits Einbrüche, während das SMB gut läuft.

Problemfall Consumer-Markt

CW: Warum trifft es den Consumer-Markt so hart?

Netgear CEO Patrick Lo will in den Security-Markt einsteigen.
Netgear CEO Patrick Lo will in den Security-Markt einsteigen.

LO: Dafür gibt es zwei Gründe. Wenn wir die USA und Großbritannien betrachten, dann spüren dort die Verbraucher die Auswirkungen der Immobilien- und Kreditkrise am härtesten. Und es ist eine alte Weisheit, dass Verbraucher, die in einer wirtschaftlich schwierigen Situation sind, weniger kaufen. Unglücklicherweise schwappt diese Welle langsam, aber sicher auch nach Frankreich und Deutschland über. Das ist ein psychologisches Problem. Erschwerend kommt aber hinzu, dass in vielen Haushalten bislang der einzige Zweck eines Netzes darin besteht, den PC mit dem Internet zu verbinden. Und dieser Markt ist langsam gesättigt. In der westlichen Welt dürften 70 bis 80 Prozent der Haushalte mittlerweile einen WLAN-Router haben. Diese Kunden werden bei der schlechten wirtschaftlichen Lage kaum auf die neuen, schnelleren 802.11n-WLAN-Router upgraden. Denn um nur ins Internet zu kommen, brauchen sie die Geräte nicht, dazu genügt auch ein 801.11g-Modell. Warum sollen sie also nicht ein Jahr warten, bis die wirtschaftliche Lage besser ist?

CW: Also haben Sie die Privatkunden für den Moment abgeschrieben?

LO: Nein, aber wir müssen für den Consumer-Bereich neue Gadgets erfinden, die eine ähnliche Anziehungskraft wie die WLAN-Router haben, wenn die Verkaufszahlen nicht weiter fallen sollen.

CW: Und womit beglückt uns Netgear?

LO: Wir haben drei Produkte in der Pipeline. Das eine ist ein neuer Network Attached Storage (NAS). Zudem wollen wir zu Weihnachten ein neues Digital Entertainment Center auf den Markt bringen, das deutlich leistungsfähiger als das existierende Modell ist. Und als drittes Gadget arbeiten wir an einer Security-Box für zu Hause, die auf Know-how basiert, das wir mit der Übernahme von CP Secure im September erworben haben. Die Box soll die Heimrechner nicht nur vor Gefahren aus dem Netz schützen, sondern den Eltern auch eine größere Kontrolle darüber geben, welche Seiten ihre Kinder ansurfen.